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Kriterien- und Nachweismatrix

Facility Management: Aufzugsmanagement » Betrieb » Audit » Kriterien- und Nachweismatrix

Auditkriterien und Nachweismatrix für Aufzugsbetrieb Bewertung

Kriterien- und Nachweismatrix

Die Kriterien- und Nachweismatrix dient der systematischen Zuordnung von BA‑Inhalten zu einschlägigen Rechts- und Normanforderungen, ihrer Einstufung als [PFLICHT] oder [EMPFEHLUNG], der Definition geeigneter Nachweisarten sowie der Sicherstellung der Auditierbarkeit. Sie unterstützt Verantwortliche dabei, Lücken transparent zu identifizieren, Prioritäten risikobasiert zu setzen und die Wirksamkeit implementierter Maßnahmen prüfbar zu machen.

[PFLICHT]: rechtlich oder normativ zwingend (oder zwingend bei erklärter Normkonformität/Zertifizierungsziel).

[EMPFEHLUNG]: Best Practice zur Wirksamkeitssteigerung bzw. zur Reifegradhebung; kann je nach Branche/Scope zu [PFLICHT] werden.
Hinweis: Die Zuordnung ist kontextabhängig (Branche, Rechtsraum, Zertifizierungsziel, Kritikalität). Wo „sofern relevant“ vermerkt, greift die Pflicht bei Vorliegen der jeweiligen Bedingungen.

Audit-Kriterien und Nachweismatrix für Aufzüge

Matrix: Zuordnung BA‑Inhalte, Anforderungen, Nachweise, Auditierbarkeit

BA Inhalt/Artefakt

Rechts-/Normbezug (Beispiele)

Einstufung

Nachweisart

Auditierbarkeit/Prüfansatz

Leitlinien/Policies

ISO 9001 (5.2), ISO 27001 (A.5), Unternehmensrecht

[PFLICHT] bei Normziel sonst [EMPFEHLUNG]

Freigegebene Policy mit Version, Gültigkeit, Verantwortlichem

Dokumentenprüfung auf Vollständigkeit, Gültigkeit, Freigabespuren; Abgleich mit Scope

Prozess-/Verfahrensanweisungen

ISO 9001 (8.1, 8.5.1), GoBD Verfahrensdoku

[PFLICHT] für qualitäts-/relevante Prozesse

Aktuelle VA/Prozesslandkarte, Änderungsprotokoll

Stichprobe: Prozessdurchlauf vs. Dokument; Konsistenzprüfung, Wirksamkeitsnachweis

Rollen & Verantwortlichkeiten (RACI)

ISO 27001 (A.5.3), DSGVO Art. 5(2)

[PFLICHT]

Organigramm, RACI, Stellenbeschreibungen

Interviews + Dokuabgleich; Nachweis der gelebten Verantwortlichkeit (z. B. Freigaben)

Verzeichnis Verarbeitungstätigkeiten (VVT)

DSGVO Art. 30

[PFLICHT] bei personenbezogenen Daten

VVT, Änderungs-/Reviewprotokolle

Vollständigkeits- und Aktualitätsprüfung; Abgleich mit Systeminventar

Risikoanalyse/DSFA/Schutzbedarf

ISO 27001 (6.1), DSGVO Art. 24, 32, 35

[PFLICHT] sofern relevant

Methodik, Risikoregister, DSFA, Freigaben

Methodikbewertung, Nachvollzug von Bewertungen; Abgleich Risiken ↔ Kontrollen

Techn./organisatorische Maßnahmen (Kontrollen)

DSGVO Art. 32, ISO 27001 (Annex A)

[PFLICHT]

Kontrollkatalog, Test-/Wirksamkeitsnachweise, Systemlogs

Test of Design/Operating Effectiveness; Stichproben, Re-Performance

Schulung & Awareness

ISO 9001 (7.2), ISO 27001 (7.3), ArbSchG

[PFLICHT]

Schulungsplan, Inhalte, Teilnahmebelege, Wirksamkeitstests

Stichprobe Teilnahme, Ergebnisnachweise; Intervalltreue; Zielgruppenabdeckung

Änderungs-/Konfig.-Management

ISO 9001 (6.3), ISO 27001 (8.32)

[EMPFEHLUNG] branchenspez. [PFLICHT]

Change-Anträge, Freigaben, Backout-Pläne, CMDB

Nachvollzug eines Changes Ende zu Ende; Trennung von Funktionen

Lieferanten/AV-Verträge

DSGVO Art. 28, ISO 27001 (A.5.19-5.23)

[PFLICHT] bei Verarbeitung durch Dritte

AV-Verträge, SLA, Due Diligence, Auditklauseln

Vertragsprüfung, SLA-Reporting, Third-Party Risiko-Bewertung

Notfallmanagement/BCM

ISO 22301, ISO 27001 (A.5.29)

[EMPFEHLUNG], KRITIS [PFLICHT]

Notfallpläne, BIA, Tests/Übungen

Prüfpfad: Plan → Übung → Lessons Learned; Wiederanlaufzeiten

Dokumentenlenkung/Archivierung

ISO 9001 (7.5), GoBD/HGB

[PFLICHT] für aufbewahrungspflichtige Nachweise

Lenkungsrichtlinie, Revisionssichere Ablage, Aufbewahrungsfristen

Stichprobe: Version, Unveränderbarkeit, Auffindbarkeit, Lesbarkeit

Geeignete Nachweise richten sich nach dem Kontrolltyp (präventiv, detektiv, korrektiv) und dem Reifegrad des Systems. Grundtypen:

  • Dokumentierte Vorgaben: Policies, Prozessbeschreibungen, Standards, Arbeitsanweisungen. Eignung: „Design“-Nachweis (existiert und ist passend).

  • Records/Nachweisprotokolle: Freigaben, Checklisten, Prüf- und Messprotokolle, Abnahmeberichte, Schulungslisten, Ticket-Historien. Eignung: „Operating Effectiveness“ (wird gelebt).

  • Systemgenerierte Evidenz: Logs, Audit-Trails, Reports, Konfigurationsschnappschüsse, SIEM-/GRC-Exporte. Eignung: fälschungsresistente, zeitnahe Evidenz.

  • Physische/visuelle Evidenz: Foto-/Video, Begehungsprotokolle, Inventarlabels. Eignung: Asset- und Umgebungsprüfung.

  • Bestätigungen Dritter: Zertifikate (z. B. ISO), Prüfberichte (extern), Lieferantenaudits. Eignung: Abdeckung externer Risikoflächen.

Qualitätskriterien für Nachweise:

  • Authentizität und Integrität: Herkunft verifizierbar, Unveränderbarkeit (z. B. revisionssichere Archivierung, Signaturen, Hashes).

  • Vollständigkeit und Relevanz: deckt definierte Kriterien/Zeiträume ab; repräsentative Stichprobe.

  • Nachvollziehbarkeit/Zuordenbarkeit: eindeutige Zuordnung zu Prozess, System, Verantwortlichem; eindeutige Zeitstempel.

  • Lesbarkeit und Verfügbarkeit: maschinen- oder menschlich lesbar, fristgerecht auffindbar.

  • Wirksamkeitsfokus: Nachweis nicht nur der Existenz, sondern der Wirksamkeit (z. B. KPI-Erreichung, Fehlerquote, Incident-Rate).

Auditierbarkeit entsteht, wenn Kriterien klar definiert, messbar und evidenzgestützt überprüfbar sind. Kernelemente:

  • Klarer Scope und Kriterienkatalog: pro BA‑Inhalt sind konkrete Soll-Merkmale festgelegt (z. B. „Policy jährlich reviewt und genehmigt“).

  • Test of Design vs. Test of Operating Effectiveness: erst Eignung des Designs bewerten, anschließend Funktionsnachweis über Zeitraum X per Stichprobe.

  • Triangulation der Evidenz: Dokument + Systemlog + Interview/Beobachtung kombinieren, um Scheinkonformität zu vermeiden.

  • Stichprobenmethodik: risikobasiert (höheres Risiko → größere Stichprobe/Frequenz); definierte Grundgesamtheit, Zufalls-/gerichtete Auswahl.

  • Nachverfolgbarkeit Ende‑zu‑Ende: vom Kriterium über Kontrolle und Evidenz bis zum Ergebnis; eindeutige Referenzen (IDs, Versionsstände).

  • Vier-Augen-Prinzip und Rollenmodell: Freigaben und Kontrollen sind funktionsgetrennt; Audit-Trails belegen dies.

  • Zeitliche Abdeckung: Evidenz deckt den relevanten Wirksamkeitszeitraum ab (z. B. letztes Geschäftsjahr, Quartal).

Praktische Prüfschritte je Eintrag der Matrix:

  • Vorbereitung: Auswahl der Stichprobe, Sammlung der deklarierten Evidenzen, Festlegung der Bewertungsmaßstäbe.

  • Durchführung: Dokumentenprüfung, Systemauswertung, Interviews, Re-Performance (z. B. Wiederholung einer Kontrolle).

  • Bewertung: Konform/Nichtkonform/Beobachtung; Reifegradbewertung (Initial → Managed → Optimized).

  • Berichterstattung: Befundbeschreibung, Bezug auf Kriterium, Evidenzreferenz, Risiko, Korrekturmaßnahme, Frist und Verantwortlicher.

  • Follow-up: Wirksamkeitskontrolle der Abstellmaßnahmen; Aktualisierung der Matrix (Statuswechsel, z. B. von [EMPFEHLUNG] zu [PFLICHT]).

Pflege, Governance und Skalierung

  • Verantwortlichkeiten: Ownership je BA‑Inhalt ist fest zugeordnet; die Compliance-Funktion kuratiert Kriterien und Evidenzauswahl.

  • Änderungen im Rechts-/Normenumfeld: Triggern eine Matrixrevision; Änderungslog dokumentiert Entscheidungen und Gültigkeitstermine.

  • Frequenzen: Review-/Testfrequenzen risikoadäquat (z. B. Policy-Review jährlich, Kontrollen quartalsweise, Lieferantenscreening jährlich).

  • Tool-Unterstützung: GRC-/DMS-Systeme zur Katalogisierung von Anforderungen, Mapping zu BA‑Inhalten, Evidenzverwaltung, Workflows und Audit-Trails.

  • Skalierung: Für Selbstbewertungen genügt ein fokussierter Kriterienkatalog; für Zertifizierungen werden Tiefe, Stichprobengröße und Evidenzhärte erhöht.

Mit der vorliegenden Kriterien- und Nachweismatrix werden BA‑Inhalte in einen prüfbaren Kontext gesetzt. Die Markierung [PFLICHT]/[EMPFEHLUNG], die präzise Festlegung von Nachweisarten sowie eine auditierbare Prüflogik schaffen Transparenz, Vergleichbarkeit und einen robusten Rahmen für kontinuierliche Konformität und Wirksamkeitssteigerung.