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Gefährdungen

Facility Management: Aufzugsmanagement » Betrieb » Gefährdungen

Gefährdungen im Aufzugsbetrieb erkennen und bewerten

Gefährdungen nach STOP-Prinzip

Wir beschreiben die relevanten Gefährdungen für mechatronische Anlagen in Gebäuden (z. B. Aufzüge, Zutritts- und Schleusensysteme, Förder- und Türanlagen) nach dem STOP-Prinzip. Obwohl STOP primär ein Maßnahmenhierarchie-Modell ist (Substitution – Technische – Organisatorische – Persönliche Schutzmaßnahmen), eignet es sich auch als Ordnungsrahmen, um Gefährdungen systematisch zu identifizieren, entlang ihrer Ursachenketten zu beschreiben und Szenarien mit hoher Kritikalität zu analysieren. Im Fokus stehen mechanische, elektrische und organisatorische Risiken sowie die Szenarien eingeschlossene Personen, Brand, Stromausfall und Vandalismus/extreme Einwirkungen.

Gefährdungen analysieren nach dem STOP-Prinzip

Methodische Einordnung des STOP-Prinzips

  • Substitution: Gefährdungen, die durch grundlegende Gestaltungsentscheidungen entstehen oder vermeidbar wären (z. B. Energieträger, Materialien, Prozesswahl).

  • Technisch: Gefährdungen, die sich aus der Konstruktion, Steuerung und Schutztechnik ergeben (z. B. unkontrollierte Bewegungen, fehlende Verriegelungen).

  • Organisatorisch: Gefährdungen infolge Arbeitsorganisation, Schnittstellen, Kompetenz, Instandhaltung und Notfallmanagement.

  • Persönlich: Gefährdungen, die nur durch individuelles Verhalten oder PSA kompensiert werden (Rest- und Restrisiken).

Die nachfolgenden Gefährdungen werden dieser Logik folgend beschrieben, wobei Mehrfachzuordnungen möglich sind (z. B. ein elektrischer Fehler als technische Ursache, der durch mangelhafte Organisation eskaliert).

Mechanische Gefährdungen

  • Quetsch- und Scherstellen: Bewegte Türen, Schachtverschlüsse, Förderbänder und Antriebe erzeugen Einzugs- und Schergefahren. Besonders kritisch sind Spaltmaße an Türzargen, Teleskop- und Drehbewegungen.

  • Unkontrollierte Bewegungen und Nachlauf: Trägheitsmomente, Rücklauf von Gegengewichten oder abgesenkte Lasten bei Energieausfall können Personen treffen oder einschließen.

  • Absturz- und Sturzgefahren: Schächte, Serviceöffnungen und Wartungspodeste bergen Risiken für Beschäftigte und unbefugte Personen, insbesondere bei unvollständigen Absperrungen.

  • Herabfallende Teile: Verkleidungen, Deckenpaneele, wartungsbedürftige Bauteile und lose Fracht können bei Vibrationen oder Fehlmontage herabfallen.

  • Blockagen: Fremdkörper in Führungen und Spalten führen zu Notabschaltungen und Einschlusslagen; erhöhter Kraftaufbau erhöht Quetschgefahr.

  • Akustische und thermische Einwirkungen: Lärmbelastung durch Antriebe; Erwärmung von Bremswiderständen oder Motoren mit Verbrennungs-/Kontaktgefahr.

Gefährdungsrelevante Einflussgrößen sind Nutzungsfrequenz, Lastkollektiv, Umgebungsbedingungen (Staub, Feuchte), Wartungszustand und Nutzerverhalten (z. B. Gegenhalten von Türen).

Elektrische Gefährdungen

  • Direkt- und Indirektberührung: Freiliegende Teile, beschädigte Isolation, fehlerhafte Erdung; Gefahr von Stromschlag.

  • Lichtbogen- und Kurzschlussrisiko: In Verteilungen, Schaltschränken, USV-/Batterieanlagen; thermische Folgen bis hin zu Brand.

  • Restenergie und Speicherelemente: Kondensatoren, Federkraftspeicher und Bremschopper bleiben nach Abschalten gefährlich; ungewollter Wiederanlauf.

  • EMV-Störungen: Falsch ausgelöste Sensorik, Fehlfahrten von Aktoren und Sicherheitskreisen; Erhöhung der Einschluss- und Kollisionsgefahr.

  • Not- und Ersatzstromsysteme: Fehlumschaltung, Rückspeisungen, Unsynchronitäten; Verwirrung über Anlagenzustand.

  • Leitungs- und Kabelbrand: Überlastung, Lockern von Klemmen, mechanische Beschädigung; Rauch- und Brandweiterleitung über Trassen.

Elektrische Gefährdungen interagieren mit mechanischen durch Antriebsausfall, Fehlschaltungen und Verlust von Sicherheitsfunktionen (z. B. Türfreigabe, Verriegelungen).

Organisatorische Gefährdungen

  • Fehlbedienung und Missbrauch: Unklare Beschilderung, fehlende Nutzerführung, bewusstes Blockieren von Sicherheitseinrichtungen (Türkeile, Notentriegelung).

  • Unzureichende Instandhaltung: Überzogene Wartungsintervalle, fehlende Funktionsprüfungen, mangelhafte Dokumentation; steigende Ausfallraten und Fehlfunktionen.

  • Schnittstellen- und Verantwortungsunklarheit: Externe Dienstleister, Übergaben, Schichtwechsel; fehlende Koordination bei Störungen und Notfällen.

  • Notfall- und Räumungsdefizite: Keine klaren Rettungsketten, verspätete Alarmierung, unklare Sammelplätze; Eskalation vermeidbarer Ereignisse.

  • Zugangs- und Kompetenzmängel: Unbefugter Zugang zu Technikräumen, fehlende Unterweisungen; Eingriffe in Schutzsysteme.

  • Kommunikationsausfälle: Störungen von Notruf, Leitstelle, internen Meldewegen; verlängerte Expositionsdauer bei eingeschlossenen Personen.

Organisatorische Defizite sind häufige Katalysatoren, die ansonsten tolerierbare technische Risiken zu kritischen Szenarien eskalieren lassen.