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Typische Fehlbedienungen

Facility Management: Aufzugsmanagement » Aufzüge » Nutzerinteraktion und Nutzungsverhalten » Typische Fehlbedienungen

Nutzerinteraktion Aufzug typisch Fehlbedienungen visuell erklärt

Typische Fehlbedienungen im Aufzugsanlagen

Typische Fehlbedienungen im Betrieb von Aufzugsanlagen umfassen alle Formen der Nutzung, die vom vorgesehenen Normalbetrieb abweichen, ohne dass ein technischer Defekt oder vorsätzlicher Vandalismus vorliegt. Darunter fallen beispielsweise das Blockieren der Türen, unsachgemäße Beladung der Kabine, missbräuchliche Nutzung des Notrufs oder falsches Verhalten im Stör- oder Brandfall. Aus Sicht des Facility Managements wirken sich solche Fehlbedienungen direkt auf Sicherheit, Verfügbarkeit, Verschleiß und das Beschwerdeaufkommen aus. Sie können Unfälle und Störungen verursachen, den Wartungsaufwand erhöhen und zu Unzufriedenheit der Nutzer führen. Daher müssen Fehlbedienungen im Rahmen des Aufzugs-Betriebskonzepts systematisch berücksichtigt werden – etwa durch geeignete Regeln in der Hausordnung, durch Nutzerinformation, durch technische Vorkehrungen sowie durch eine strukturierte Analyse von Störungsereignissen. Betreiber von Aufzügen sind gemäß Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) verpflichtet, einen sicheren Betrieb zu gewährleisten und Gefährdungen – auch durch Fehlverhalten der Benutzer – soweit wie möglich vorzubeugen.

Nutzerfehler bei Aufzugsanlagen

Begriff „Fehlbedienung“

Unter Fehlbedienung wird im Kontext von Aufzugsanlagen ein Nutzerverhalten verstanden, das nicht der bestimmungsgemäßen und vorgesehenen Nutzung entspricht – ohne dass äußere Zwänge oder böswillige Absicht dahinterstehen. Es handelt sich typischerweise um unbeabsichtigte, durch Unachtsamkeit, Unkenntnis, Bequemlichkeit oder spielerisches Verhalten verursachte Fehlhandlungen. Beispiele: Das absichtliche Festhalten einer sich schließenden Tür, um auf jemanden zu warten, oder das wiederholte Drücken von Tasten in der Annahme, den Aufzug zu beschleunigen. Solche Handlungen sind nicht böswillig gemeint, weichen aber vom richtigen Bedienvorgang ab und gelten somit als Fehlbedienungen.

Abgrenzung zu anderen Störursachen

  • Technische Störungen: Hier liegen die Ursachen primär in Verschleiß, Defekten oder Planungs- bzw. Ausführungsfehlern der Anlage. Beispielsweise kann ein Türkontakt durch Abnutzung ausfallen oder ein Antriebsmotor einen Defekt erleiden – dies führt zu einer Störung, ohne dass der Nutzer etwas falsch gemacht hat.

  • Vandalismus: Vorsätzliche Beschädigungen oder massive Zweckentfremdungen der Anlage. Darunter fallen mutwillige Zerstörungen wie das Zerkratzen von Kabinenwänden, das Blockieren der Türen mit Gewalt oder das bewusste Beschädigen von Schaltern. Hier steht die schädigende Absicht im Vordergrund.

  • Fehlbedienung: Die alltägliche Nutzungssituation mit unsachgemäßem Verhalten der Nutzer, das häufig wiederkehrt und personenabhängig ist. Fehlbedienungen passieren im normalen Betrieb (z.B. aus Ungeduld oder Unwissen) und unterscheiden sich vom Vandalismus dadurch, dass keine zerstörerische Absicht besteht. Anders als rein technische Störungen sind Fehlbedienungen direkt auf das Verhalten der Personen zurückzuführen – zum Beispiel eine Überlast, weil zu viele Personen gleichzeitig einsteigen, oder eine Notrufauslösung ohne Notfall.

Abgrenzung

Während technische Störungen und Vandalismus externe oder absichtliche Faktoren darstellen, liegt bei Fehlbedienungen der Fokus auf der falschen Handhabung durch den Benutzer im normalen Betrieb. In der Praxis können die Übergänge fließend sein – so kann z.B. eine blockierte Tür sowohl durch einen technischen Defekt als auch durch das Festhalten der Tür (Fehlbedienung) verursacht werden. Das Facility Management muss alle drei Ursachenbereiche im Blick haben, um passende Maßnahmen zu ergreifen.

Aus Sicht des Facility Managements ergeben sich im Kontext von Fehlbedienungen klare Schutzziele, um einen sicheren und effizienten Betrieb der Aufzüge zu gewährleisten:

Zielbereich

FM-Fokus im Kontext Fehlbedienung

Sicherheit

Vermeidung von Unfällen und Personenschäden durch falsches Nutzerverhalten. Das FM achtet darauf, dass durch Aufklärung und technische Schutzfunktionen Gefährdungen (z.B. Einklemmen in Türen) minimiert werden.

Verfügbarkeit

Reduktion von fehlbedienungsbedingten Störungen und Stillständen. Durch präventive Maßnahmen soll die Anlage möglichst störungsfrei bleiben, selbst wenn Nutzer sich nicht immer korrekt verhalten.

Wirtschaftlichkeit

Begrenzung von Zusatzkosten für Entstörung, Sonderreinigung und Reparaturen infolge unsachgemäßer Nutzung. Weniger Fehlbedienungen bedeuten geringere außerplanmäßige Ausgaben und eine längere Lebensdauer der Komponenten.

Komfort & Image

Sicherstellung eines reibungslosen Betriebs mit geringem Beschwerdeaufkommen. Ein „seriöser“ Anlagenauftritt ohne ständige Zwischenfälle steigert das Vertrauen der Nutzer in die Technik und erhält das positive Image des Objekts.

Erläuterung

Diese Ziele machen deutlich, warum das Thema Fehlbedienung im Facility Management relevant ist. Der Schutz der Nutzer vor Unfällen hat oberste Priorität, gefolgt von der technischen Betriebsbereitschaft der Aufzüge. Gleichzeitig spielen Kostenkontrolle und die Zufriedenheit der Mieter oder Besucher eine Rolle. Das FM muss Maßnahmen so ausgestalten, dass alle vier Zielbereiche berücksichtigt werden.

Hauptkategorien typischer Fehlbedienungen

Im Aufzugsbetrieb lassen sich verschiedene Hauptkategorien von Fehlbedienungen unterscheiden. Im Folgenden werden die häufigsten Fehlverhaltensweisen systematisch gegliedert und erläutert.

Fehlbedienungen im Vorraum und beim Rufen

Schon im Vorfeld der eigentlichen Aufzugsfahrt können Nutzer durch ungeduldiges oder unachtsames Verhalten Fehlfunktionen provozieren.

Typische Fehlbedienungen in der Aufzugs-Vorzone (Eingangsbereich) und beim Herbeirufen des Aufzugs sind unter anderem:

  • Hektisches Rufen: Mehrfaches, schnelles Betätigen der Ruftasten in kurzer Folge oder gleichzeitiges Rufen mehrerer Aufzüge ohne tatsächlichen Bedarf. Manche Nutzer glauben, den Aufzug dadurch beschleunigen zu können, tatsächlich führt es aber zu keinem Vorteil – im schlimmsten Fall irritiert es die Steuerung oder belastet unnötig die Ruftaster.

  • Blockieren des Vorraums: Das Verstellen oder Blockieren des Zugangsbereichs vor den Aufzugstüren, z.B. durch Abstellen von Gegenständen (Einkaufstrolleys, Möbelstücke) direkt vor den Türen. Auch Gruppen von Personen, die unmittelbar vor der Tür warten und den Bereich versperren, zählen hierzu.

  • Unsachgemäßer Kontakt mit Schachttüren: Anlehnen an geschlossene Schachttüren oder „Mitfahren“ an Türgriffen bzw. Türrahmen. Gelegentlich lehnen sich Personen gegen die Tür, während sie warten, oder halten sich an Teilen der Tür fest, während diese öffnet oder schließt.

Diese Verhaltensmuster erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Störungen erheblich. Hektisches Drücken von Tastern kann zu Fehlbedienungs-Signalen führen; blockierte Vorzonen erschweren nicht nur den Zugang, sondern können im Notfall Fluchtwege behindern. Das Anlehnen an Türen belastet die Türmechanismen und Sensoren unnötig. Insgesamt nimmt die Störungsfrequenz zu, und es können bereits im Eingangsbereich gefährliche Situationen entstehen (z.B. Stolpern über abgestellte Gegenstände). Für das Facility Management bedeutet dies auch, dass Reinigungs- und Servicearbeiten im Vorraum erschwert werden, wenn ständig Gegenstände weggeräumt oder Türen neu justiert werden müssen.

Typische unsachgemäße Verhaltensweisen beim Betreten und Verlassen der Aufzugskabine sind:

  • Drängeln und Überfüllen: Ungeduldiges Drängen oder Hineindrücken in bereits volle Kabinen. Einige Personen versuchen noch mitzufahren, obwohl die maximale Personenanzahl erreicht ist. Dadurch kommt es nicht nur zu Enge und Unwohlsein, sondern ggf. auch zu Überlastzuständen.

  • Türen blockieren: Offenhalten der Türen mit Gegenständen oder dem Körper anstatt die vorgesehene „Tür-Auf“-Taste zu benutzen. Zum Beispiel wird der Fuß in die Tür gestellt oder ein Gegenstand in den Türspalt geklemmt, um die Tür am Schließen zu hindern, wenn noch jemand zusteigen soll. Dies erzwingt ein Wiederaöffnen der Tür über die Sicherheitsschaltung, belastet aber den Türantrieb mechanisch stark.

  • Gegenstände im Türbereich abstellen: Abstellen oder Hineinragenlassen von Gepäckstücken, Kinderwagen oder Müll in den Tür- und Schwellenbereich – sei es vorübergehend während der Fahrt oder beim Ein-/Ausladen. Solche Objekte können zwischen Tür und Schwelle geraten.

Folgen

Diese Verhaltensweisen führen häufig zu Türstörungen (die Lichtschranke oder Türsensoren lösen Alarm aus, die Steuerung unterbricht die Fahrt) und im schlimmsten Fall zu Stillständen des Aufzugs. Wenn Türen wiederholt blockiert werden, kann die Steuerung den Aufzug außer Betrieb setzen, um eine Beschädigung zu vermeiden. Außerdem entstehen Stolperrisiken – z.B. wenn jemand über eine halb geschlossene Tür oder liegengebliebene Gegenstände stolpert. Auch die Lastverteilung in der Kabine kann ungleichmäßig werden (etwa wenn alle sich an der Tür drängen), was den Fahrkomfort und die Nivellierung der Kabine (präzises Halten auf Etagenhöhe) beeinträchtigt. Nicht zuletzt verlängert sich durch solches Verhalten die Fahrzeit und Wartezeit für alle Nutzer, da der Aufzug länger aufgehalten wird.

Fehlbedienungen während der Fahrt

Auch während der Fahrt selbst kommt es zu unsachgemäßem Verhalten von Fahrgästen. Insbesondere jüngere oder spielerisch eingestellte Personen neigen zu Aktionen, die die Aufzugtechnik unnötig beanspruchen.

Typische Fehlbedienungen in der Aufzugskabine sind:

  • „Spielen“ im Aufzug: Dazu zählt etwa Springen in der Kabine, starkes Rütteln oder Schaukeln des Fahrkorbs und das Hängen oder Turnen an Handläufen, Haltestangen oder gar an den Türflügeln. Durch Springen im Fahrstuhl können plötzliche Lastspitzen entstehen, die Sensorik irritieren und Notbremsungen auslösen. Das ruckartige Belasten der Kabine schadet der Aufhängung und kann zu Fehlstopps führen.

  • Zielloses Drücken von Tasten: Das dauerhafte oder planlose Bedienen von Kabinentableau und Bedienknöpfen, z.B. alle Etagenknöpfe wahllos drücken (sogenanntes „Christbaumspielen“), oder ständiges Betätigen von „Tür Auf“, „Tür Zu“ ohne Grund. Ebenso fällt hierunter das wiederholte Drücken des Alarmknopfes ohne echte Notlage. Dieses Verhalten ist häufig bei Kindern oder unter Langeweile zu beobachten.

  • Missbrauch des Notrufs: Die mutwillige, testweise oder spaßeshalber erfolgende Betätigung der Notruftaste oder Notrufeinrichtung, obwohl keine Störung oder Notsituation vorliegt. Hierdurch wird die verbundene Notrufzentrale oder der Wachdienst alarmiert und Ressourcen werden gebunden, obwohl kein echter Notfall besteht.

Auswirkungen

Solche Verhaltensweisen erhöhen den Verschleiß an den Anlagenkomponenten erheblich. Ein ständig ruckartig belasteter Aufzug (durch Springen oder Schaukeln) strapaziert Seile, Dämpfer und den Fahrkorbführungen. Dauerndes Tür-Auf/Tür-Zu-Drücken beansprucht die Türmechanik und kann Steuerungsfehler provozieren. Vor allem aber provozieren diese Aktionen Störungen: Ein absichtlich ausgelöster Alarm stoppt eventuell die Anlage oder ruft unnötig einen Techniker. Das Spielen mit den Tastern kann zu Fehlhalten führen (der Aufzug hält an vielen unnötigen Etagen, sogenannte Geisterfahrten). Außerdem werden Notruf- und Servicekapazitäten unnötig gebunden – während Personal einen „falschen Alarm“ überprüft, fehlt es an anderer Stelle. Insgesamt sinken dadurch die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Anlage für alle Nutzer.

Last- und transportbezogene Fehlbedienungen

Eine weitere Kategorie sind Fehlbedienungen im Zusammenhang mit der Beladung des Aufzugs und dem Transport von Lasten. Hierbei wird der Aufzug zweckentfremdet oder über das zulässige Maß beansprucht.

Typische Konstellationen sind in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt:

Fehlbedienung

Beispiele

Mögliche Auswirkungen

Überlastung

Mehr Personen an Bord als zulässig; Einbringen sehr schwerer Güter in einen Personenaufzug. Beispiel: 10 Personen steigen in einen Aufzug mit zulässiger Nennlast 8 Personen oder jemand lädt Baumaterial ein, obwohl es ein Personenaufzug ist.

Überlastsensoren lösen Alarm aus, Fahrten werden verhindert (der Aufzug fährt nicht ab oder bleibt stehen); erhöhte mechanische Beanspruchung von Seilen, Motor und Bremse; mögliche leichte Absenkung oder Schwanken der Kabine; langfristig erhöhter Verschleiß.

Falscher Aufzugstyp

Nutzung von Personenaufzügen für den Transport von Paletten, Möbeln, Baumaterial oder anderen schweren Lasten, die eigentlich in einen Lasten- oder Serviceaufzug gehören.

Beschädigungen an Kabine und Gebäudeteilen: z.B. Verkratzen oder Dellen in Wand- und Türverkleidungen, Verformungen an Türschwellen durch Hubwagen; Verschmutzung (wenn z.B. Baustoffe oder Müll transportiert werden). Sicherheitsrisiko, wenn Türen durch sperrige Güter nicht richtig schließen.

Schlechte Lastverteilung

Platzierung sehr schwerer Lasten einseitig in der Kabine oder direkt an der Tür. Beispiel: Ein einzelnes, sehr schweres Möbelstück wird ganz vorne an der Tür abgestellt, anstatt es mittig zu platzieren oder Lasten zu verteilen.

Probleme bei der Haltenauigkeit (der Aufzug hält unter Umständen nicht exakt in Etagenhöhe, da die Gewichtssensorik ungleich belastet ist); Türstörungen, wenn Gewichte ungünstig an den Türmechanismus drücken; im Extremfall Auslösen des Überlastalarms trotz nominell zulässigem Gesamtgewicht, weil die Verteilung ungünstig ist.

Transport unzulässiger Güter

Beförderung von Gütern oder Stoffen, die laut Vorschrift oder Hausordnung im Aufzug nicht erlaubt sind. Beispiele: Stark verschmutzte Gegenstände (Bauschutt in offenen Eimern), Flüssigkeiten, die auslaufen könnten, oder gar Gefahrstoffe ohne geeignete Sicherung. Auch das unsachgemäße Mitführen von lebenden Tieren (ohne Transportbehälter) kann hierunter fallen.

Kontamination der Kabine (Schmutz, Flüssigkeiten, Gerüche), die eine Sonderreinigung erfordern; bei gefährlichen Stoffen evtl. Gesundheitsgefahr und Auslösung von Alarm (z.B. Rauchmelder, wenn Flüssigkeiten ausgasen). Außerdem Haftungsrisiken für den Betreiber. Unbefugter Tiertransport kann zu Zwischenfällen (Tier gerät in Panik) und Verschmutzungen führen.

In all diesen Fällen wird der Aufzug nicht bestimmungsgemäß genutzt. Das kann kurzfristig zu Störungen (z.B. Überlastabschaltung, klemmende Türen) führen und verursacht langfristig erhöhten Verschleiß oder Schäden. Ein typisches Beispiel aus der Praxis ist der Möbeltransport im normalen Personenaufzug: Wände und Spiegel verkratzen, der Türschwellenschutz wird abgenutzt, und es fallen nach solchen Aktionen oft Reparaturen oder Instandsetzungen an. Das Facility Management sollte daher klare Regeln etablieren, welcher Aufzug für welchen Zweck genutzt werden darf (z.B. vorhandene Lastenaufzüge für Umzüge) und bei Bedarf kontrollieren, dass diese eingehalten werden.

Fehlbedienungen in Sonderzuständen

Gerade in besonderen Betriebssituationen – also bei Notfällen, Störungen oder Wartungsarbeiten – führt falsches Verhalten zu erheblichen Gefahren.

Typische Fehlbedienungen in solchen Sonderzuständen sind:

  • Ignorieren von Brandfallhinweisen: Trotz eines Feueralarms oder deutlicher Hinweise „Im Brandfall keinen Aufzug benutzen“ steigen Personen dennoch in den Aufzug ein. Dieses Fehlverhalten tritt z.B. in Panik oder aus Unwissenheit auf. Im Brandfall kann ein Aufzug jedoch zur tödlichen Falle werden (Stromausfall, steckenbleiben, Verrauchung des Schachts). Die Nutzung des Aufzugs bei Feueralarm ist strikt untersagt, dennoch wird dieser Hinweis mitunter missachtet.

  • Selbstbefreiungsversuche bei Stillstand: Wenn ein Aufzug stecken bleibt, versuchen ungeduldige oder panische Insassen manchmal, sich selbst zu befreien. Sie drücken gewaltsam die Türen auf oder öffnen sogar die Kabinendachluke, um herauszuklettern. Dieses Verhalten ist extrem gefährlich – es besteht Absturzgefahr in den Schacht oder das Risiko, zwischen Kabine und Schacht eingeklemmt zu werden, falls der Aufzug unkontrolliert bewegt wird.

  • Betreten während Wartung: Das Betreten der Kabine oder das Benutzen des Aufzugs, obwohl eindeutig erkennbar ist, dass Wartung oder Servicearbeiten stattfinden. Beispiele: Eine Aufzugstür steht offen mit dem Hinweis „Außer Betrieb – Wartung“, dennoch betreten Personen den Fahrkorb; oder jemand versucht, einen als gesperrt gekennzeichneten Aufzug übersteuernd zu rufen. Hierdurch können Personen in eine gefährliche Situation geraten, z.B. wenn der Aufzug unvorhergesehen startet oder offene Schächte zugänglich sind. Außerdem werden die Techniker oder Reinigungskräfte gefährdet, die gerade an der Anlage arbeiten.

Solche Fehlbedienungen bergen ein hohes Sicherheits- und Haftungsrisiko. Für die Nutzer besteht akute Unfallgefahr (Lebensgefahr im Brandfall oder Absturzgefahr bei Selbstrettung), und für den Betreiber können bei Missachtung der Sicherheitsvorschriften rechtliche Konsequenzen entstehen. Diese Szenarien müssen durch einen Mix aus technischen, organisatorischen und kommunikativen Maßnahmen verhindert werden. Dazu gehören z.B. automatische Feuerwehraufzüge bzw. Brandfallsteuerungen, die Aufzüge bei Alarm außer Betrieb nehmen, klare Warnhinweise und Unterweisungen für Nutzer, sowie Absperrungen und Zugangsregelungen bei Wartung. Das Facility Management ist gefordert, in Notfallkonzepten und Betreiberanweisungen solche Fälle mit einzuplanen, damit im Ernstfall keine Fehlhandlungen passieren.

Risiken und Auswirkungen typischer Fehlbedienungen

Fehlbedienungen haben vielfältige negative Auswirkungen auf den Betrieb der Aufzüge und das Umfeld. Im Folgenden werden die wesentlichen Risiken im Bereich Sicherheit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit beleuchtet.

Unsachgemäßes Verhalten im Umgang mit Aufzügen erhöht unmittelbar das Unfall- und Gesundheitsrisiko für alle Beteiligten:

  • Quetsch-, Scher- und Stolpergefahren: Durch falschen Umgang mit Türen und im Schwellenbereich entstehen erhebliche Verletzungsrisiken. Wird z.B. eine sich schließende Tür mit Gewalt aufgehalten, drohen Einklemmen von Händen oder Armen. Gegenstände in der Türschwelle können dazu führen, dass jemand beim Einsteigen stolpert. Auch das ungestüme Anlehnen an Türen birgt Einklemm- und Schergefahr an Türspalten.

  • Erhöhte Sturzgefahr: Wenn der Aufzug ruckartig stoppt oder sich ungleichmäßig bewegt (etwa infolge von Herumspringen in der Kabine), steigt das Sturzrisiko für die Fahrgäste. Besonders ältere oder mobilitätseingeschränkte Personen verlieren bei abrupten Bewegungen oder unebenem Halt (der Aufzug hält nicht exakt auf einer Höhe) leichter das Gleichgewicht. Ein Fehlverhalten kann somit zu Prellungen, Knochenbrüchen oder schweren Stürzen führen.

  • Gefährdung von Personal: Nicht nur Fahrgäste, auch Beschäftigte wie Reinigungskräfte, Haustechniker oder Wartungspersonal können durch Fehlbedienungen gefährdet werden. Zum Beispiel kann ein Reinigungsmitarbeiter verletzt werden, wenn ein Nutzer während der Reinigung die Anlage unbefugt in Betrieb setzt. Oder Servicetechniker, die im Schacht oder an der Kabine arbeiten, geraten in Lebensgefahr, wenn jemand trotz Sperrung den Aufzug startet. Daher sind klare Absperrungen und Anweisungen nötig, um gleichzeitige Arbeiten und Nutzerverkehr zu vermeiden.

Zusammengefasst

Fehlbedienungen können ansonsten sichere Aufzüge zu einer Gefahrenquelle machen. Obwohl moderne Aufzüge zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen (Notbremse, Lichtschranken, Überlastsensoren etc.) haben, können sie missbräuchliches Verhalten nicht vollständig kompensieren. Das Facility Management muss daher präventiv – durch Information und Regeln – sowie reaktiv – durch konsequente Maßnahmen bei Verstößen – diese Gesundheits- und Sicherheitsrisiken adressieren.

Häufige Fehlbedienungen führen zu einer Reihe von betrieblichen Problemen:

Aspekt

Mögliche Folgen von Fehlbedienungen

Störungshäufigkeit

Die Anzahl von Störfällen nimmt zu. Insbesondere Türstörungen (durch Blockieren oder unsauberes Schließen) und Überlastabschaltungen (durch Überladung) häufen sich. Auch Fehlalarme (Notrufe ohne Notfall) können zunehmen. All dies bedeutet mehr ungeplante Unterbrechungen.

Stillstandszeiten

Durch die vermehrten Störungen kommt es zu häufigeren Stillständen der Anlage. Jeder Zwischenfall (z.B. festgeklemmte Türen oder Überlast) erfordert unter Umständen einen technischen Eingriff oder zumindest eine manuelle Rücksetzung. Bis zur Behebung bleibt der Aufzug außer Betrieb. Zusätzlich können Sonderreinigungen oder Reparaturen nötig sein, was den Aufzug länger stilllegt.

Servicequalität

Die wahrgenommene Zuverlässigkeit des Aufzugs sinkt. Nutzer erleben häufige Unterbrechungen oder Fehlalarme und empfinden den Aufzug als unzuverlässig. Die Wartezeiten steigen (wenn Aufzüge wegen Störung stehen oder wiederholt Fahrten abbrechen). Insgesamt leidet der Komfort – Bewohner, Kunden oder Mitarbeiter verlieren Vertrauen in die Aufzugsanlage.

In der Praxis bedeutet dies

Je mehr Fehlbedienungen passieren, desto geringer ist die Verfügbarkeit der Aufzüge für den regulären Betrieb. Ein Aufzug, der etwa wegen dauernden Türblockierens mehrmals am Tag neu gestartet werden muss, steht den Nutzern in dieser Zeit nicht zur Verfügung. Für das Facility Management entstehen dadurch organisatorische Herausforderungen (häufige Einsatzkoordination von Technikern) und die Notwendigkeit, ggf. Ausweichkonzepte zu haben (z.B. Nutzung von Treppen, wenn der Aufzug häufig ausfällt). Zudem kann eine hohe Störungsquote vertragsrelevant werden, wenn z.B. Service-Level-Agreements mit Wartungsfirmen verletzt werden oder Mieter Ansprüche wegen eingeschränkter Nutzung stellen.

Wirtschaftliche Auswirkungen- Fehlbedienungen haben nicht zuletzt wirtschaftliche Konsequenzen:

  • Zusatzkosten für Entstörung und Reinigung: Jede durch Fehlbedienung verursachte Störung zieht Aufwand nach sich. Muss beispielsweise ein Techniker ausrücken, weil eine Überladung den Aufzug zum Stillstand gebracht hat oder ein Nutzer den Notruf ohne Grund betätigt hat, entstehen Kosten für den Einsatz. Ebenso führen Verschmutzungen (etwa verschüttete Flüssigkeiten oder Müll in der Kabine) zu Sonderreinigungen, die extra beauftragt und bezahlt werden müssen. Solche ungeplanten Kosten summieren sich im Laufe der Zeit.

  • Beschleunigter Verschleiß und Modernisierungsbedarf: Wiederholte unsachgemäße Nutzung führt dazu, dass Komponenten schneller verschleißen als vorgesehen. Türen, Türdichtungen und Sensoren, die ständig blockiert werden, müssen häufiger eingestellt oder ersetzt werden. Die Kabinenausstattung (Spiegel, Handläufe, Böden) nutzt sich bei „rauem“ Betrieb – etwa durch Möbeltransporte oder Vandalismus-ähnliches Verhalten – stärker ab. Mittelfristig kann dadurch eine Modernisierung oder Erneuerung bestimmter Teile früher notwendig werden. Beispielsweise müssen beschädigte Kabinenverkleidungen oder verzogene Türschwellen ausgetauscht werden, was erhebliche Investitionskosten verursachen kann.

  • Indirekte Kosten durch Imageverlust und Vertragsfragen: Ein Aufzug, der häufig ausfällt oder in schlechtem Zustand ist, beeinträchtigt das Image der gesamten Immobilie. Mieter und Besucher fühlen sich gestört und unsicher. Dies kann zu Beschwerden führen, die das Facility Management zusätzlich binden. Im gewerblichen Bereich kann ein solcher Eindruck sogar geschäftsschädigend sein (z.B. für ein Einkaufszentrum, wenn Kunden wegen unzuverlässiger Aufzüge verärgert sind). In Wohngebäuden könnten Mietminderungen geltend gemacht werden, wenn der Aufzug oft außer Betrieb ist. Zudem können vertragliche Diskussionen entstehen: Zum Beispiel fordern Mieter eine Reduktion der Betriebskostenumlage, oder der Betreiber diskutiert mit dem Wartungsunternehmen über Kulanz bei Schäden durch Nutzerfehler. All dies sind ökonomische Auswirkungen, die nicht sofort in Zahlen aufscheinen, das Ergebnis aber durchaus belasten.

Für das Facility Management bedeutet dies, dass präventive Maßnahmen gegen Fehlbedienungen auch ökonomisch gerechtfertigt sind. Jede verhinderte Störung spart potenziell Geld. Daher ist es im Interesse des Betreibers, durch Schulung, Beschilderung und Überwachung Fehlbedienungen zu reduzieren, um langfristig Kosten zu sparen und die Lebensdauer der Anlage zu verlängern.

Erkennung, Analyse und Monitoring von Fehlbedienungen

Um wirksam gegen Fehlbedienungen vorgehen zu können, muss das Facility Management zunächst erkennen, wann und wo unsachgemäße Nutzungen vorkommen. Verschiedene Datenquellen und Analyseansätze helfen dabei, Fehlbedienungen zu identifizieren und systematisch auszuwerten.

Folgende Quellen kann das Facility Management heranziehen, um Hinweise auf Fehlbedienungen zu erhalten:

  • Störungsprotokolle der Aufzugssteuerung: Moderne Aufzugsanlagen verfügen über Diagnosesysteme, die Ereignisse und Störungen aufzeichnen. Im Steuerungsprotokoll lassen sich beispielsweise Türfehlermeldungen (Türen wurden X-mal behindert), Überlastmeldungen (Aufzug startete nicht wegen Überladung) oder Notrufbetätigungen nachvollziehen. Diese objektiven Daten zeigen, ob Unregelmäßigkeiten im Betrieb auftreten, die auf Fehlbedienung hindeuten. Ein Facility Manager sollte regelmäßigen Einblick in diese Protokolle nehmen – oft kann der Wartungsdienst diese auslesen und bereitstellen.

  • Rückmeldungen von Personal vor Ort: Mitarbeiter wie Sicherheitsdienst, Empfangspersonal, Hausmeister oder Reinigungsdienst melden häufig informell Beobachtungen. Zum Beispiel kann der Sicherheitsdienst berichten, dass nachts Jugendliche im Aufzug „herumspielen“, oder das Reinigungspersonal findet regelmäßig verschütteten Kaffee in der Kabine. Solche qualitativen Hinweise sind wertvoll, da sie kontextbezogenes Wissen liefern (wer, wann, was getan hat). Es empfiehlt sich, eine Melderoutine zu etablieren: z.B. ein einfaches Logbuch oder digital erfasste Meldungen, in denen Vorfälle beschrieben werden.

  • Beschwerden und Nutzermeldungen: Auch die Nutzer selbst (Mieter, Mitarbeiter, Besucher) geben Feedback. Typische Hinweise sind z.B. Beschwerden über „unhöfliche Mitfahrer, die die Tür immer aufhalten“ oder Meldungen à la „Der Aufzug ist dauernd schmutzig, weil jemand Müll darin liegen lässt“. Solche Nutzerbeschwerden sollten gesammelt und ernst genommen werden. Sie können auf wiederkehrende Fehlbedienungen hindeuten, wie etwa einen bestimmten Mieter, der ständig den „Hausmeisteraufzug“ mit privaten Sachen blockiert, oder generell darauf, dass Regeln nicht bekannt genug sind.

Durch die Kombination dieser Informationsquellen ergibt sich ein relativ gutes Bild darüber, wo und wann Fehlbedienungen passieren und welche Art von unsachgemäßer Nutzung im Vordergrund steht.

Typische Indikatoren aus den oben genannten Quellen lassen sich bestimmten Fehlbedienungen zuordnen:

Indikator (Auffälligkeit)

Mögliche zugrundeliegende Fehlbedienung

Häufige Türstörungen

Wiederholtes Blockieren der Türen (z.B. Festhalten, Gegenstände im Türbereich). Wenn die Steuerung meldet, dass Türen oft nicht ordnungsgemäß schließen, ist das ein Zeichen, dass Nutzer die Türfreigabe missbrauchen.

Überdurchschnittlich viele Überlastmeldungen

Regelmäßige Überfüllung der Kabine oder die Nutzung des Aufzugs für zu schwere Lasten. Wenn z.B. immer zur Monatsmitte (Mieterwechsel) Überlast auftritt, deutet es auf Möbeltransporte im Personenaufzug hin.

Viele Notrufauslösungen ohne tatsächliche Störung

Missbrauch oder Testen des Notrufs durch Benutzer. Häufen sich Notrufe, bei denen keine Hilfeleistung erforderlich war, spricht das für unsachgemäßes Drücken der Notruftaste – evtl. aus Neugier oder als „Probealarm“.

Auffälliger Kabinenzustand

Verschmutzungen, Geruch nach Rauch, herumliegender Müll oder Schäden innen deuten auf unsachgemäße Nutzung hin. Beispielsweise kann ein stark verunreinigter Aufzug (Essensreste, verschüttete Getränke) darauf hindeuten, dass Nutzer darin essen/trinken oder sogar Dinge entsorgen – ein Zeichen mangelnden Respekts vor der Anlage. Beschädigungen innen (zerkratzte Wände, lose Leisten) können sowohl auf Vandalismus als auch auf grobe Fehlbedienung (z.B. Transport ungeeigneter Gegenstände) zurückzuführen sein.

Das Facility Management sollte solche Muster regelmäßig analysieren. Idealerweise wird eine Auswertung beispielsweise monatlich oder quartalsweise vorgenommen, bei der die Störungsstatistiken und Meldungen auf Auffälligkeiten überprüft werden. Erkennt man dabei Schwerpunkte (z.B. ein bestimmtes Gebäude oder eine bestimmte Nutzergruppe verursacht viele Vorfälle), kann gezielt gegengesteuert werden. Empfehlenswert ist zudem, mit den Dienstleistern in einen Austausch zu gehen: In Workshops oder regelmäßigen Jour fixe mit dem Wartungsunternehmen, dem Sicherheitsdienst und dem Reinigungsdienst können die Erkenntnisse besprochen werden. Jeder beteiligtete Partner hat eine eigene Sicht – kombiniert entsteht ein Gesamtbild, und man kann gemeinsam Ursachen ergründen. Zum Beispiel könnte der Wartungstechniker bestätigen: „Ja, die meisten Störungen kommen durch Türblockade im Erdgeschoss morgens um 8 – vermutlich Schuljugend“. Daraufhin kann der Sicherheitsdienst gebrieft werden, zu dieser Zeit ein Auge darauf zu haben, und man könnte überlegen, ob zusätzliche Hinweise für Schüler angebracht werden. Ziel der Mustererkennung ist es, präventiv Maßnahmen abzuleiten, bevor es zu größeren Schäden oder Unfällen kommt. Wenn klar ist, wo die Hauptprobleme liegen, kann das FM gezielt reagieren (siehe nächstes Kapitel).

Präventions- und Steuerungsmaßnahmen im FM-Prozess

Auf Basis der Analyse müssen konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, um Fehlbedienungen zu vermeiden oder deren Auswirkungen zu begrenzen. Im Facility-Management-Prozess greifen hierbei technische, organisatorische und kommunikative Instrumente ineinander. Eine kontinuierliche Verbesserung und Anpassung der Strategie stellt sicher, dass die Aufzugsnutzung insgesamt sicher und störungsarm bleibt.

Technische und bauliche Vorkehrungen bilden die erste Schutzebene, um Fehlbedienungen vorzubeugen oder ihre Folgen abzumildern:

  • Klare und robuste Beschilderung: Alle Aufzüge sollten gut sichtbare Hinweise zur richtigen Nutzung tragen. Dazu gehören Lastschilder (Angabe der maximalen Personenzahl und Tragfähigkeit in kg) ebenso wie Verhaltenshinweise in der Kabine. Beispielsweise werden häufig Piktogramme oder Aushänge angebracht: „Nicht springen“, „Kinder beaufsichtigen“, „Im Brandfall Treppe benutzen“. Diese Hinweise müssen dauerhaft und verständlich sein – also aus robustem Material (vandalismussicher), grafisch klar und möglichst mehrsprachig, falls relevant. Auch im Vorraum kann Beschilderung hilfreich sein, etwa Markierungen für Freihaltebereiche vor den Türen („Nicht blockieren“).

  • Trennung von Personen- und Lastenverkehr: Soweit möglich, sollte die Infrastruktur so gestaltet sein, dass bestimmte Aufzüge für den Publikumsverkehr und andere für interne Transporte genutzt werden. In Gebäuden mit hohem Transportaufkommen (z.B. Kliniken, Hotels, Einkaufszentren) empfiehlt es sich, separate Lasten- oder Serviceaufzüge bereitzustellen. So wird verhindert, dass bspw. Handwerker oder Lieferanten in Stoßzeiten mit großen Gegenständen den Hauptpersonenaufzug blockieren. Falls kein separater Aufzug vorhanden ist, können auch organisatorische Lösungen greifen (siehe 6.2), aber die bauliche Trennung ist der effektivste Schutz gegen Fehlbeanspruchung des falschen Aufzugs.

  • Robuste, vandalismushemmende Kabinenausstattung: In objektspezifisch „kritischen“ Umgebungen (z.B. Schulen, Jugendzentren, U-Bahn-Stationen, öffentliche Gebäude) sollte die Aufzugskabine besonders widerstandsfähig ausgeführt sein. Das umfasst kratzfeste Wandverkleidungen, bruchsichere Spiegel, schwer entzündbare Materialien sowie geschützte Bedienelemente. Zwar verhindert dies Fehlbedienungen nicht direkt, mindert aber die Folgen: Die Anlage nimmt weniger Schaden, falls doch unsachgemäß damit umgegangen wird. Auch Türmechanismen können verstärkt oder mit Schutzleisten versehen sein, um z.B. das Verklemmen von Gegenständen zu erschweren.

  • Optimierte Anlagenparametrierung: Das Facility Management sollte in Abstimmung mit dem Wartungsfachunternehmen sicherstellen, dass Steuerungsparameter passend eingestellt sind. Dazu gehört die Türschließzeit (etwa ausreichend lang, damit normale Einsteiger nicht in Hektik verfallen, aber kurz genug, um unnötiges Offenhalten zu vermeiden), die Empfindlichkeit und Anzahl der Lichtschranken bzw. Türsensoren (um frühzeitig Hindernisse zu erkennen, aber Fehlabschaltungen gering zu halten) und die Überlastgrenzen. Moderne Aufzüge haben in der Regel automatische Überlastanzeige: Bei ~90-100% Auslastung ertönt ein Warnton und die Fahrt wird verhindert, bis Gewicht reduziert ist. Diese Schwellenwerte sollten im Sinne der Sicherheit aber auch Nutzerakzeptanz sinnvoll justiert sein. Ebenso wichtig: Eine funktionierende Brandfallsteuerung (Feuerwehraufzug oder Notablaufschaltung) ist Pflicht – sie sorgt dafür, dass im Alarmfall die Aufzüge gezielt gesteuert bzw. außer Betrieb genommen werden. Das FM muss sicherstellen, dass diese Einrichtungen vorhanden, gewartet und den Gebäudebedürfnissen angepasst sind.

Technische Maßnahmen schaffen also den Rahmen, innerhalb dessen Fehlverhalten entweder gar nicht erst möglich ist (z.B. getrennte Aufzüge) oder weitgehend abgefangen wird (z.B. Sensoren, die schlimmeres verhindern). Sie sollten immer in Kombination mit organisatorischen Regelungen gesehen werden.

Solche Maßnahmen ergänzen die Technik, indem sie Verantwortlichkeiten klären und korrektes Verhalten verbindlich machen:

  • Nutzungsregeln in Hausordnung und Verträgen: Die Hausordnung eines Gebäudes sowie ggf. Mietverträge oder interne Dienstanweisungen (bei Firmengebäuden) sollten klare Regeln zur Aufzugsnutzung enthalten. Zum Beispiel: Verbot des Transports von Gefahrgut im Personenaufzug, Verpflichtung, im Notfall die Ruhe zu bewahren und Notruf zu nutzen statt Selbstrettung, Maximale Personenanzahl einhalten, Kein Rauchen im Aufzug, etc. Indem solche Punkte schriftlich fixiert sind, kann bei Verstößen darauf verwiesen werden. Mieter oder Mitarbeiter werden so auch formal angehalten, sich an die bestimmungsgemäße Nutzung zu halten. Das FM sollte darauf achten, dass neue Nutzer (z.B. Einzug eines Mieters, Einstellung eines Mitarbeiters) über diese Regeln informiert werden – sei es durch Aushändigen der Hausordnung oder durch Hinweise im Willkommen-Schreiben.

  • Zuständigkeiten für Ordnung und Kontrolle: Es muss definiert sein, wer dafür sorgt, dass Aufzüge und ihre Vorbereiche frei von Hindernissen und Missbrauch bleiben. Beispielsweise sollte klar sein, dass der Hausmeister oder ein Servicemitarbeiter in regelmäßigen Rundgängen schaut, ob Gegenstände vor den Türen abgestellt sind, und diese gegebenenfalls umgehend entfernt. Ebenso könnten Sicherheitskräfte dazu angehalten sein, bei Patrouillen ein Auge auf missbräuchliche Nutzung zu haben (etwa spielende Kinder zurechtweisen). Wichtig ist eine zügige Reaktion: Wenn etwa Müll oder Gegenstände in der Kabine gemeldet werden, sollte ein definierter Prozess greifen, diese zu entfernen (und falls bekannt, den Verursacher zu informieren). Zuständigkeitsregelungen gehören in das Betriebs- oder Sicherheitskonzept der Immobilie, damit im Ereignisfall keine Unklarheit herrscht.

  • Reaktionsplan bei wiederholter Fehlbedienung: Trotz aller Prävention wird es Fälle geben, in denen einzelne Personen immer wieder negativ auffallen. Hier sollte das Facility Management einen gestuften Plan haben, wie vorzugehen ist. Beispiel: Zunächst ein höflicher Hinweis oder eine Erinnerung an die geltenden Regeln (persönlich oder schriftlich). Bei erneutem Verstoß ein offizielles Schreiben oder Gespräch, in dem auf mögliche Konsequenzen hingewiesen wird. In schweren Fällen (z.B. mutwillige Zuwiderhandlung trotz Abmahnung) könnten Sanktionen folgen – im Wohnbereich z.B. Kündigungsandrohung, im Arbeitsbereich arbeitsrechtliche Maßnahmen. In weniger drastischen Fällen reicht oft schon die gezielte Nutzeransprache: Wenn etwa bekannt ist, dass immer eine bestimmte Firma den Aufzug überlädt, wird man mit dieser Firma Absprachen treffen (z.B. Lieferzeiten ändern oder Hilfspersonal stellen). Das FM sollte außerdem mit gutem Beispiel vorangehen: Interne Dienstleister (Reinigung, Handwerker) müssen dieselben Regeln einhalten und werden vom FM angewiesen, Aufzüge korrekt zu nutzen (kein Blockieren während der Arbeit, keine Überladung des Putzwagens etc.). Zusammengefasst geht es darum, aus Fehlbedienung zu lernen und aktiv gegenzusteuern, bevor etwas passiert oder größerer Schaden entsteht.

Daher ist Kommunikation ein zentrales Element. Unterschiedliche Zielgruppen benötigen dabei unterschiedliche Anspracheformen:

Zielgruppe

FM-Maßnahmen zur Sensibilisierung

Allgemeine Nutzer

Einfache, einprägsame Hinweismedien direkt an der Anlage: Piktogramme und Aushänge in der Kabine und im Vorraum, die Dos and Don’ts zeigen (z.B. Symbol „Nicht gegen die Tür lehnen“). Kurze schriftliche Verhaltensregeln im Aufzug, evtl. auf dem Infodisplay oder als Aufkleber. Aktionen wie „Aufzug-Knigge“ in Mieterrundschreiben können das Bewusstsein fördern. Wichtig ist, die Sprache verständlich und positiv zu halten – eher bitten („Bitte Tür-Auf-Taste benutzen statt Tür blockieren“) als drohen.

Internes Personal

Unterweisung und Training: Mitarbeiter, die den Aufzug dienstlich nutzen (z.B. für Warentransport, Hausmeistertätigkeiten), erhalten klare Anweisungen, wie Lasten zu sichern und zu verteilen sind, was zu tun ist, wenn der Aufzug stecken bleibt (Ruhe bewahren, Notruf alarmieren, nicht selbst öffnen) und wie sie auf Fehlverhalten anderer reagieren sollen. Diese Unterweisungen können Teil der Arbeitsschutz-Schulungen sein und sollten regelmäßig aufgefrischt werden.

Sicherheits- und Empfangsdienst

Gezielte Schulung im Umgang mit Fehlverhalten: Das Wach- oder Empfangspersonal lernt, typische Fehlbedienungen zu erkennen (z.B. Überladung, jemanden mit offengehaltener Tür warten lassen) und höflich, aber bestimmt die Nutzer darauf hinzuweisen. Sie sollen sich zuständig fühlen, bei Bedarf einzugreifen – etwa Jugendliche anzusprechen, die im Aufzug springen, oder sofort zu reagieren, wenn ein unnötiger Alarm eingeht. Auch das schnelle Informieren des Facility Managements bei auffälligen Ereignissen sollte Teil der Schulung sein, damit die Kommunikation fließt.

Grundsätzlich gilt

Transparenz und Aufklärung sind die besten Mittel gegen Fehlbedienung. Viele Nutzer handeln nicht aus Absicht falsch, sondern wissen es nicht besser oder denken nicht an die Konsequenzen. Wenn das Facility Management regelmäßig über korrekte Aufzugsnutzung informiert – sei es durch Aushänge, Newsletter, Betriebsversammlungen oder Einweisungen – sinkt langfristig die Quote der Fehlbedienungen. Dabei kann ruhig kreativ vorgegangen werden: Beispielsweise mit humorvollen Plakaten („Dieser Aufzug mag keine Luftsprünge!“) oder kleinen Informationskampagnen. Die Kommunikation sollte als fortlaufender Prozess gesehen werden, nicht als einmalige Aktion.

Deshalb ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) im Umgang mit Fehlbedienungen sinnvoll:

  • Regelmäßige Auswertung und Feedback: Wie in Abschnitt 5 beschrieben, sollten Störungs- und Nutzungsdaten laufend überwacht werden. Das Facility Management etabliert idealerweise einen zyklischen Prozess (z.B. monatliche oder quartalsweise Reviews), in dem die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen überprüft wird. Wurden weniger Störungen verzeichnet, seit bestimmte Hinweise angebracht sind? Gibt es neue Arten von Fehlverhalten, die auftreten? Dieses Feedback ist wichtig, um Erfolge zu messen und neue Probleme früh zu erkennen.

  • Maßnahmenpakete ableiten und umsetzen: Auf Basis der Auswertungen wird entschieden, welche weiteren Schritte nötig sind. Ein Maßnahmenpaket kann mehrere Ebenen umfassen – z.B. technische Nachrüstung (wenn trotz Verbot immer noch schwere Lasten im Personenaufzug transportiert werden, eventuell doch nachträglich einen kleinen Lastenaufzug installieren oder Schutzmatten austeilen), verstärkte Kommunikation (eine Erinnerung an alle Mieter, wenn in letzter Zeit vermehrt Fehlalarme passiert sind) und organisatorische Änderungen (vielleicht Anpassung der Hausordnung oder enger getaktete Kontrollrunden des Hausmeisters). Diese Pakete sind dann umzusetzen. Wichtig: Nach einiger Zeit sollte geprüft werden, ob die Maßnahmen greifen (z.B. Rückgang der Vorfälle). Damit schließt sich der Kreis im Verbesserungsprozess.

  • Dokumentation im FM-System: Alle Erkenntnisse und Änderungen sollten sauber dokumentiert werden – idealerweise in einem CAFM-System (Computer Aided Facility Management) oder einem Wartungs-/Störungsmanagement-System. Dort können Vorfälle mit Ursachen hinterlegt werden (z.B. „Störung am 12.03., Ursache: Türblockade durch Nutzer“). Auch durchgeführte Maßnahmen (z.B. „Schulung am 20.04. durchgeführt, Thema: Aufzug richtig benutzen“) werden vermerkt. Diese Dokumentation erlaubt es, über längere Zeiträume Trends nachzuverfolgen. Zudem fließen die gewonnenen Erkenntnisse so in zukünftige Planungen ein – etwa bei der Ausschreibung einer neuen Aufzugsanlage kann das FM die gesammelten Daten nutzen, um Anforderungen zu definieren (z.B. robustere Türen, wenn das bisher ein Schwachpunkt war). Letztlich sorgt die Dokumentation dafür, dass das erworbene Wissen nicht verloren geht und auch bei Personalwechsel im Facility Management verfügbar bleibt.