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Zusammenspiel von Aufzügen und Treppenanlagen

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Integration von Aufzugsanlagen und Treppenanlagen im Gebäude visualisiert

Zusammenspiel von Aufzügen und Treppenanlagen

Aufzüge und Treppenanlagen bilden gemeinsam das vertikale Erschließungssystem eines Gebäudes. Während Aufzüge Komfort, Barrierefreiheit und logistische Leistungsfähigkeit sicherstellen, übernehmen Treppen primär die grundlegende Erschließung, die alltägliche Bewegung und insbesondere die sichere Personenrettung im Brand- oder Störungsfall. Aus Sicht des Facility Managements ist daher nicht der Aufzug isoliert entscheidend, sondern das koordinierte Zusammenspiel beider Systeme. Lage und Ausführung von Aufzügen und Treppen im Gebäude, die Nutzerführung, der Brandschutz sowie Betrieb, Instandhaltung und Dokumentation müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass Komfort, Sicherheit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus gewährleistet bleiben.

Zusammenspiel von Aufzügen und Treppenanlagen – Vertikale Erschließung, Brandschutz und Betriebsorganisation aus Facility-Management-Sicht

Funktionale Rollen

Systemelement

Primäre Rolle im Betrieb

Ergänzende Rolle aus FM-Sicht

Aufzüge

Komfortable, barrierefreie Personenbeförderung (ggf. auch Lasten)

Logistik (Material- und Warenverkehr), Imagefaktor des Gebäudes, unerlässliche Erschließung für mobilitätseingeschränkte Personen

Treppen

Grunderschließung aller Etagen, tägliche Bewegung, Flucht- und Rettungsweg

Entlastung der Aufzüge (insbesondere bei Kurzstrecken), Förderung von Bewegung und Gesundheit der Nutzer (ergonomischer Aspekt)

Abhängigkeiten im Alltag

  • Normalbetrieb: Im alltäglichen Betrieb werden viele Wege aus Komfortgründen mit dem Aufzug zurückgelegt. Treppen dienen oft als Alternative für kurze Distanzen oder werden von sportlich aktiven Nutzern bevorzugt. In Bürogebäuden etwa nutzen Mitarbeiter für ein oder zwei Stockwerke gern die Treppe, während weitere Distanzen bequem per Aufzug überwunden werden.

  • Störungs- und Notfall: In Störungsfällen (z. B. Stromausfall) und insbesondere im Brandfall sind Treppen unverzichtbar. Personenaufzüge sind – mit Ausnahme spezieller Feuerwehraufzüge – für die allgemeine Evakuierung nicht vorgesehen. Das bedeutet, dass im Brandfall sämtliche Personen über die Treppen ins Freie flüchten müssen. Treppenhäuser verfügen dafür über Notbeleuchtung und feuerbeständige Ausführung, um auch bei Ausfall des Aufzugs sichere Rettungswege zu bieten.

  • Kapazität und Verfügbarkeit: Die Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit der Aufzüge beeinflusst das Nutzerverhalten in hohem Maße. Sind zu wenige Aufzüge vorhanden oder kommt es häufig zu langen Wartezeiten, steigen mehr Personen auf die Treppe um, was zu einer erhöhten Nutzung der Treppen führen kann. Werden umgekehrt sehr leistungsfähige Aufzüge bereitgestellt und sind stets verfügbar, kann es passieren, dass Treppen im Alltag kaum genutzt werden. Aus FM-Sicht ist es wichtig, die Balance zu beobachten: Engpässe bei Aufzügen können Überlastungen der Treppen nach sich ziehen, während umgekehrt ungenutzte Treppen Sicherheits- und Wartungsaufwand bedeuten, der kaum Mehrwert im Alltag bringt.

Lagebeziehungen im Grundriss

Aufzug und Treppe sinnvoll anordnen: Aufzüge und Treppen werden häufig in einem gemeinsamen Gebäudekern angeordnet. Diese zentrale Bündelung sorgt für kompakte Erschließungswege, kurze Laufwege und klare Orientierung. Nutzer finden so intuitiv an einer Stelle sowohl den Aufzug als auch das Treppenhaus, was die Wegfindung erleichtert. Idealerweise ist vom Haupteingang oder der Lobby aus direkt erkennbar, wo sich Aufzüge und Treppen befinden.

Visuelle Auffindbarkeit: Sichtbeziehungen sind ein wichtiges Planungsprinzip. Von zentralen Punkten des Gebäudes (Eingang, Empfangshalle, Hauptkorridore) aus sollte man sowohl die Aufzugsanlage als auch den Zugang zum Treppenhaus sehen oder zumindest eindeutig ausgeschildert vorfinden. Eine transparente Gestaltung – etwa verglaste Aufzugstüren oder offene Treppenhäuser in öffentlichen Bereichen – kann die Auffindbarkeit zusätzlich erhöhen.

FM-Perspektive: Eine vorteilhafte Lage von Aufzügen und Treppen erleichtert im späteren Betrieb die Arbeitsabläufe. Reinigungsteams und Wartungspersonal können die Anlagen schneller erreichen, wenn diese zentral beieinander liegen. Auch Konflikte lassen sich reduzieren – beispielsweise wenn Service- und Lieferprozesse nicht quer durch Publikumsbereiche geführt werden müssen, sondern über nahegelegene Servicetreppen und -aufzüge im Kern stattfinden können. Zudem unterstützt eine logische, zentrale Anordnung die einheitliche Beschilderung im Gebäude, was sowohl die Orientierung der Nutzer als auch die Umsetzung von Sicherheitskonzepten (z. B. Fluchtwegkennzeichnung) vereinfacht.

Gebäudetypabhängige Funktionsstruktur

Gebäudetyp

Aufzugsschwerpunkt

Treppenschwerpunkt

Bürogebäude

Hohe Personenbeförderungskapazität, Barrierefreiheit für alle Etagen, repräsentative Aufzüge (Image nach außen)

Alltagswege für Mitarbeiter (kurze Strecken zu Fuß), primäre Fluchtwege im Notfall, Verbindung einzelner Abteilungen über nahe Treppen

Hotel

Gästeaufzüge für Komfort (mit Gepäcktransport), Barrierefreiheit für alle Zimmeretagen, ggf. separate Serviceaufzüge für Personal

Service-Treppen für Personal (Housekeeping, Roomservice), Fluchtwege für Gäste und Personal, separate Treppen für Lieferungen zwischen Küchen, Lagern etc.

Krankenhaus

Betten- und Patientenaufzüge mit großem Platzbedarf (für Betten, medizinisches Personal und Geräte), absolute Verlässlichkeit und Vorrangschaltung für Notfälle

Breite Treppen für Begleitpersonal und Besucher, zugleich notwendige Fluchtwege für den Brandfall; Treppen ermöglichen bei Ausfall von Aufzügen den internen Patiententransport in begrenztem Umfang (z. B. mit Tragestühlen)

Shopping-Center / Mall

Mehrere Kundenaufzüge und Rolltreppen für komfortable, kontinuierliche Kundenströme zwischen Verkaufsebenen; Barrierefreiheit für alle Besucherbereiche

Nebentreppen für personalinterne Wege und als alternative Besucherwege, vor allem jedoch als Flucht- und Rettungswege ausgelegt (oft im Hintergrund geführt, für den Alltag weniger prominent)

Wohngebäude

Komfort und Barrierefreiheit im Vordergrund, insbesondere bei höheren Gebäuden (Aufzugspflicht greift meist ab einer bestimmten Geschossanzahl); Aufzüge für den Transport von Einkäufen, Möbeln etc.

Grunderschließung bei niedrigeren Gebäuden oft ausschließlich über Treppen; tägliche Bewegung der Bewohner (Kinder, Erwachsene) über das Treppenhaus; im Brandfall wichtigster Rettungsweg aus den Wohnungen

Erläuterung:

In jedem dieser Gebäudetypen erfüllt das Duo aus Aufzug und Treppe spezifische Rollen. Während beispielsweise im Bürohochhaus die Aufzüge den Großteil des Personenverkehrs übernehmen und Treppen eher als Fluchtweg und für vereinzelte Bewegungsroutinen dienen, ist in einem viergeschossigen Wohnhaus der Aufzug (falls vorhanden) vor allem ein Komfortfaktor, und die Treppe bleibt das zentrale Alltagsverkehrsmittel. Das Facility Management muss diese Unterschiede bereits in Planung und Betrieb berücksichtigen, um beide Systeme passend auszulegen und zu bewirtschaften.

Sichtbarkeit und Anreizstruktur

  • Prominente Platzierung von Aufzügen: Aufzüge sind in vielen Gebäuden bewusst auffällig und attraktiv gestaltet. Die Aufzugslobby ist oft repräsentativ (etwa mit hochwertiger Ausstattung, Spiegeln, Beleuchtung) und die Kabinen sind komfortabel designt. Diese bewusste Inszenierung sorgt dafür, dass Aufzüge gerne genutzt werden – sie vermitteln Bequemlichkeit und Modernität. Nutzer nehmen den Aufzug als den „Hauptweg“ wahr, insbesondere wenn er direkt vom Eingangsbereich aus ins Auge fällt.

  • Zurückgesetzte Treppenhäuser: Treppen werden demgegenüber oft baulich zurückhaltender platziert, zum Beispiel in einem geschlossenen Treppenraum im Kern des Gebäudes oder hinter Brandschutztüren in Fluren. Solche Treppenhäuser sind manchmal auf den ersten Blick nicht sichtbar. Diese eher versteckte Lage führt dazu, dass die Treppe im Alltag weniger spontan genutzt wird – viele Menschen nehmen den erstbesten sichtbaren Aufzug statt gezielt nach der Treppe zu suchen. Wo Treppen lediglich als notwendige Fluchttreppen konzipiert sind, wird ihre Alltagsnutzung durch nüchterne Gestaltung und fehlende Sichtbarkeit zusätzlich entmutigt.

  • Aus FM-Sicht: Das Facility Management kann durch Gestaltung, Beleuchtung und Beschilderung bewusst Einfluss darauf nehmen, in welchem Umfang Treppen im Alltag mitgenutzt werden. Gibt es das Ziel, die Gesundheit der Nutzer zu fördern und Aufzüge zu entlasten, können Treppenhäuser offen und ansprechend gestaltet werden – z. B. als „Bewegungstreppen“ mit angenehmem Farb- und Lichtkonzept, Tageslicht und motivierender Beschilderung („Bitte benutzen Sie die Treppe – Ihrer Gesundheit zuliebe“). Sind Treppen hingegen primär als Sicherheits- und Fluchtweg gedacht, kann ihre Gestaltung schlicht gehalten werden, um den Aufzug als vorrangigen Erschließungsweg attraktiv zu machen. Wichtig ist in jedem Fall eine klare Orientierung: Durch gut platzierte Wegweiser und Piktogramme muss sofort erkennbar sein, wo sich Aufzug und Treppe befinden, damit jeder Nutzer frei wählen kann.

Barrierefreie Erschließung

  • Aufzüge als Schlüssel zur Inklusion: Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sind Aufzüge essentiell. Ein Gebäude gilt nur dann als barrierefrei erschlossen, wenn alle Geschosse stufenlos – in der Regel per Aufzug – erreichbar sind. Treppen allein erfüllen diese Anforderung nicht. Beispielsweise verlangen die Landesbauordnungen ab einer bestimmten Gebäudehöhe oder -geschosszahl mindestens einen barrierefreien Aufzug (nach neueren Musterbauordnungs-Empfehlungen bereits ab mehr als 3 oberirdischen Geschossen in Wohngebäuden). Im Alltag bedeutet dies: Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte, ältere Menschen mit Gehhilfen oder Eltern mit Kinderwagen sind auf funktionierende Aufzüge angewiesen, um sämtliche Bereiche nutzen zu können.

  • Bauliche Anforderungen an Aufzüge: Damit die Kombination von Treppenraum, Flur und Aufzug barrierefrei nutzbar ist, müssen Aufzüge bestimmte Mindestmaße und Leistungsmerkmale erfüllen. Türbreiten, Kabinenabmessungen und die Nivelliergenauigkeit des Aufzugs sind so auszulegen, dass ein sicherer Übergang für alle Nutzer gewährleistet ist. Zum Beispiel fordert die Norm DIN 18040 (Barrierefreies Bauen) in Verbindung mit DIN EN 81-70, dass Aufzüge in öffentlich zugänglichen Gebäuden mindestens den Abmessungen von Typ 2 entsprechen. Das bedeutet eine lichte Türbreite von mindestens 90 cm sowie eine Kabinengröße von ca. 110 x 140 cm, damit ein Rollstuhlfahrer mit Begleitperson bequem ein- und ausfahren kann. Außerdem muss der Aufzug präzise auf jeder Etage halten (höchstens wenige Millimeter Höhenunterschied), um keine Stolperkante zwischen Kabine und Etagenboden zu bilden. Nur so ist ein nahtloser, gefahrenfreier Übergang vom Aufzug zur angrenzenden Fläche (und gegebenenfalls zur nebenliegenden Treppe oder dem Flur) möglich.

  • FM-Aufgaben: Das Facility Management muss sicherstellen, dass barrierefreie Wege im Gebäude logisch und durchgängig gestaltet sind. Dies umfasst den Weg vom Eingang über den Aufzug zu allen wichtigen Geschossen und innerhalb der Etagen weiter zu Büros, Zimmern oder Einrichtungen. Besonders kritische Punkte sind dabei Übergänge – etwa vom Aufzug in den Flur oder vom Flur ins Treppenhaus – wo keine Schwellen oder Hindernisse die Bewegung beeinträchtigen dürfen. Gleichzeitig achtet das FM darauf, dass auch nicht-behinderte Personen die Treppen finden und nutzen können, wenn sie es wünschen.

  • Die Koexistenz von Aufzug und Treppe soll so organisiert sein, dass niemand ausgeschlossen wird: Der Aufzug bietet Barrierefreiheit für alle, die ihn benötigen, und die Treppe steht als alternative Route bereit, ohne versteckt oder unzugänglich zu sein.

Grundprinzip: Aufzug im Brandfall

  • Grundsatz: Im Brandfall gilt grundsätzlich: „Aufzüge nicht benutzen!“ Dieser Hinweis findet sich verbindlich an nahezu jedem Aufzug in Form eines Warnschildes. Der Hintergrund ist, dass Personenaufzüge im Brandfall nicht als Fluchtweg zählen. Sie könnten durch einen Stromausfall, Brandhitze oder einen Steuerungsfehler steckenbleiben und Insassen einschließen. Zudem kann ein Aufzugsschacht Rauch und Feuer wie ein Kamin verteilen. Daher werden Aufzüge beim Auslösen der Brandalarmierung in der Regel automatisch außer Betrieb genommen – meist fahren sie noch ins Erdgeschoss oder einen festgelegten Sammelstock und öffnen dort die Türen, damit niemand mehr in der Kabine eingeschlossen bleibt. Anschließend sind sie für die Nutzung durch Unbefugte gesperrt.

  • Treppen als Rettungsweg: Treppen sind im Brandfall die primären und sicheren Flucht- und Rettungswege. Bis auf wenige Ausnahmen (z. B. speziellen Feuerwehraufzügen oder Evakuierungsaufzügen mit eigener Brandfallsteuerung) werden Aufzüge nicht zur Evakuierung der Allgemeinheit eingesetzt. Selbst moderne Aufzüge mit Feuerwehrausrüstung dienen in erster Linie dem Transport von Feuerwehrkräften und Geräten, nicht dem selbstständigen Verlassen des Gebäudes durch Bewohner. Folglich müssen die Treppenhäuser so konzipiert sein, dass sie den raschen, geschützten Ausstieg aller Personen ermöglichen – sie sind feuerbeständig, rauchgeschützt und liegen oft in eigenen Treppenräumen, um im Brandfall ausreichend lang benutzbar zu bleiben.

Abstimmung von Aufzug und Treppe im Brandschutzkonzept

Aspekt

Zusammenspiel von Aufzug und Treppe (Grundprinzip)

Fluchtwegführung

Treppenhäuser sind in ausreichender Anzahl und strategischer Lage vorzusehen, sodass jeder Bereich des Gebäudes einen sicheren Treppen-Fluchtweg hat. Diese Treppenwege funktionieren unabhängig von den Aufzügen (die im Brandfall nicht berücksichtigt werden). Das heißt, die Evakuierungsplanung darf niemals von einem Aufzug abhängen, sondern stützt sich immer auf die Treppen.

Aufzugssteuerung im Brandfall

Bei Brandalarm steuert die Aufzugsanlage automatisch in einen definierten Sicherheitszustand: Alle Aufzugskabinen fahren selbsttätig zur Eingangsebene oder einer speziellen Feuerwehretage und öffnen dort. Die Steuerung sperrt die Aufzüge für die normale Nutzung. Gegebenenfalls wird ein dafür ausgerüsteter Feuerwehraufzug dann in den Feuerwehrmodus geschaltet, sodass die Einsatzkräfte ihn manuell bedienen können.

Rauchschutz

Um eine Verrauchung der Treppenräume zu verhindern, sind die Bereiche von Aufzug und Treppe baulich getrennt. Häufig gibt es einen eigenen Aufzugsvorraum mit Rauchschutztüren zwischen Aufzug und Treppenhaus. Diese Schleusen stellen sicher, dass Rauch, der durch einen brennenden Gebäudeteil oder den Aufzugsschacht zieht, nicht ungehindert in den Treppenraum gelangt. Treppenhäuser selbst werden als sogenannte notwendige Treppenräume ausgeführt, die durch feuerbeständige Wände und selbstschließende Türen vom übrigen Gebäude abgeschottet sind.

Beschilderung

Bereits im Normalbetrieb wird deutlich darauf hingewiesen, dass Aufzüge im Brandfall nicht zu benutzen sind – meist durch auffällige rote Hinweisschilder in den Aufzugskabinen und auf den Etagen. Zugleich sind die Treppen als Fluchtwege gut gekennzeichnet (grüne Fluchtwegsymbole, beleuchtete „Notausgang“-Schilder). Dieses Zusammenspiel an Beschilderung stellt sicher, dass im Ernstfall keine Verwirrung entsteht: Menschen werden zu den Treppen geleitet und vom Aufzug ferngehalten.

FM-Perspektive:

Das Facility Management sorgt im laufenden Betrieb dafür, dass alle baulichen und technischen Brandschutzeinrichtungen intakt bleiben und im Ernstfall funktionieren. Dazu gehört, dass Brandschutztüren zwischen Aufzugsvorraum und Treppenhaus nicht aus Bequemlichkeit offengehalten oder ausgebaut werden. Auch dürfen nachträgliche Umbauten oder Einbauten (z. B. Verkleidungen, Einbauten in der Aufzugslobby, Möblierungen) nicht die Rauchabschnitte kompromittieren oder die Beschilderung verdecken. Die Brandfallsteuerung der Aufzüge muss regelmäßig geprüft und mit der Gebäudeleitstelle abgestimmt sein, damit im Notfall die automatische Rückführung und Abschaltung zuverlässig greift. Insgesamt hat das FM die Aufgabe, das einmal geplante Brandschutzkonzept im täglichen Betrieb konsequent aufrechtzuerhalten – jede Nutzungänderung oder bauliche Anpassung wird vorab auf ihre Auswirkungen für Treppen- und Aufzugssicherheit geprüft.

Evakuierungsorganisation

  • Realitätsnahe Übungen: Evakuierungsübungen und Notfallpläne müssen das reale Zusammenspiel von Treppen und Aufzügen berücksichtigen. Das bedeutet, bei Räumungsübungen wird simuliert, dass die Aufzüge ausfallen bzw. nicht zur Verfügung stehen, und alle Teilnehmer werden angehalten, die Treppen als Fluchtweg zu nutzen. Das Verhalten im Ernstfall – Aufzug links liegen lassen, stattdessen zum Treppenhaus gehen – soll so verinnerlicht werden. Bei Gebäuden mit Feuerwehraufzug kann im Rahmen von Übungen auch gezeigt werden, wie die Feuerwehr den Aufzug im Brandfall übernimmt. Für das Facility Management gehört es dazu, solche Übungen regelmäßig zu initiieren und auszuwerten, umSchwachstellen im Zusammenspiel (z. B. Engpässe im Treppenhaus, unklare Ausschilderungen) zu erkennen.

  • Besondere Personengruppen: In Gebäuden mit hilfsbedürftigen oder eingeschränkt mobilen Personen (etwa Rollstuhlnutzer in Hochhäusern, Patienten im Krankenhaus, Gäste in Pflegeheimen) sind spezifische Evakuierungskonzepte erforderlich. Hierbei müssen Aufzüge und Treppen eng ineinandergreifen: Beispielsweise kann man auf bestimmten Etagen sogenannte Sammel- oder Wartebereiche einrichten, die im Brandfall als sichere Aufenthaltszonen für Rollstuhlfahrer dienen, bis die Feuerwehr eintrifft. Von dort aus können dann entweder Evakuierungsaufzüge (falls vorhanden) genutzt oder über Evakuierungsstühle die Personen durch Helfer über die Treppe nach unten transportiert werden. Das FM entwickelt zusammen mit der Brandschutzfachplanung und den Nutzern individuelle Rettungskonzepte – inklusive bereitgestellter Rettungsgeräte (Tragestühle), Kennzeichnung dieser Bereiche im Gebäudeplan sowie Schulung des Personals. Wichtig ist, dass im Alarmfall alle Beteiligten wissen, wie Menschen mit Behinderung in Sicherheit gebracht werden: durch eine Kombination aus Treppenhausbenutzung, organisiertem Warten an geschützten Orten und möglichem Aufzugseinsatz durch die Feuerwehr.

Koordination von Wartungsfenstern

  • Keine gleichzeitigen Sperrungen: Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten an Aufzügen und Treppen sollten idealerweise so koordiniert werden, dass nie gleichzeitig große Teile der vertikalen Erschließung außer Betrieb sind.

  • Konkret bedeutet das: Wenn planmäßige Aufzugswartungen anstehen, sollte das Treppenhaus vollständig benutzbar sein (keine gleichzeitige Baustelle oder Reinigung, die die Treppe sperrt).

  • Umgekehrt gilt: Mussten Treppenhäuser z. B. wegen Malerarbeiten oder Sanierungen temporär geschlossen werden, sollte in dieser Zeit der Aufzug zuverlässig funktionieren, damit die Erreichbarkeit aller Etagen gewährleistet bleibt. Dieser Abstimmungsbedarf ist besonders in Gebäuden mit nur einem Treppenhaus oder nur einem Aufzug kritisch – hier plant das FM Wartungsfenster mit großer Umsicht und kommuniziert Ausfälle frühzeitig an die Nutzer.

  • Reaktion auf Aufzugsausfall: Fällt ein Aufzug ungeplant aus, müssen die Treppenanlagen kurzfristig erhöhte Verkehrsströme aufnehmen können. In einem vielstöckigen Bürohochhaus etwa kann der Ausfall eines von vier Aufzügen bereits zu spürbar mehr Nutzung der Treppen führen (insbesondere zwischen nahe beieinander liegenden Stockwerken oder während Stoßzeiten).

  • Das Facility Management trifft in solchen Situationen organisatorische Maßnahmen: Beispielsweise können in Spitzenzeiten zusätzliche Hinweisschilder oder Durchsagen die Nutzung weiterer Aufzüge in anderen Kernbereichen empfehlen, oder es wird bei längeren Ausfällen ein alternativer Lasten- bzw. Serviceaufzug vorübergehend für den Personenverkehr freigegeben. Wichtig ist auch, dass bei einem Aufzugsausfall das Reinigungspersonal die Treppenhäuser verstärkt im Blick hat, da plötzlich mehr Personen über die Treppe gehen (höhere Abnutzung und Verschmutzung). Generell beinhaltet ein guter Notfallplan die Überbrückung von Aufzugsausfällen durch gezielte Nutzung der Treppen – sei es durch Personal, das hilfsbedürftigen Personen beim Treppensteigen hilft, oder durch die schnelle Beauftragung eines Reparaturdienstes, um die Situation zu entspannen.

Serviceorganisation

Bereich

FM-Aspekte im Zusammenspiel

Aufzugslobby / Kern

Regelmäßige Reinigung und Pflege des Aufzugsvorraums und der Kabinen, da dieser Bereich Visitenkarte des Gebäudes ist. Organisation der Besucherführung: Die Beschilderung im Kern (Etagenanzeiger, Wegweiser zu Treppen) muss klar und ordentlich gehalten werden. Ggf. unterhält das FM hier auch einen Empfang oder Sicherheitsdienst, der die Nutzung von Aufzügen koordiniert (z. B. Lastenaufzug-Buchungen) und Besuchern weiterhilft.

Treppenhäuser

Gewährleistung von Sicherheit und Sauberkeit: Das FM sorgt für rutschfeste Stufen (ggf. Beschichtung oder Matten), funktionierende Beleuchtung und regelmäßige Reinigung der Treppen. Treppenhäuser sind kontinuierlich frei von Hindernissen zu halten – keine abgestellten Gegenstände, keine Verschmutzungen, die zur Stolperfalle werden könnten. Im Winter ist zusätzlich auf trockene, gestreute Stufen zu achten.

Servicewege

Separate Serviceaufzüge und Servicetreppen werden für interne Zwecke (z. B. Müllentsorgung, Wäschetransport in Hotels, Materialnachschub in Krankenhäusern) genutzt. Das FM koordiniert diese Vorgänge zeitlich und räumlich so, dass sie den Publikumsverkehr nicht stören. Zum Zusammenspiel gehört hier, dass die öffentlichen Aufzüge entlastet werden, indem z. B. Reinigungspersonal und Lieferanten auf die Nutzung der dafür vorgesehenen Servicetreppen/-aufzüge verpflichtet werden. Diese Bereiche müssen ebenfalls gereinigt und beleuchtet sein, damit sie sicher benutzt werden können.

Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, dass Treppenhäuser nicht als Lagerflächen missbraucht werden. In vielen Verordnungen ist klar geregelt, dass Fluchtwege frei von Brandlasten und Hindernissen sein müssen – das FM kontrolliert daher regelmäßig, dass in Treppen kein Mobiliar, Kartons oder Ähnliches abgestellt sind. Ebenso dürfen Aufzugsvorräume nicht durch Möbel, temporäre Aufbauten oder Dekorationen verstellt werden, da diese einerseits Fluchtwege einengen und andererseits im Brandfall eine zusätzliche Gefahr darstellen könnten. Das Facility Management setzt hier Hausordnungen durch und sensibilisiert Mieter und Nutzer für die Wichtigkeit freier Verkehrswege.

Ausfallmanagement

  • Auswirkungen häufiger Aufzugsstörungen: Bei häufigen oder längeren Aufzugsausfällen steigt die Belastung der Treppenanlagen deutlich an. Nutzer, die auf den Aufzug vertrauen, müssen auf einmal zu Fuß gehen – was je nach Gebäudehöhe beschwerlich sein kann. Dies führt nicht nur zu Unzufriedenheit und Beschwerden (Komfortverlust), sondern kann im schlimmsten Fall auch Sicherheitsprobleme bedeuten (z. B. wenn gehbehinderte Menschen im oberen Stockwerk „festsitzen“). Das FM registriert daher akribisch jede Aufzugsstörung und analysiert die Konsequenzen: Welche Treppenbereiche wurden dadurch verstärkt genutzt? Gab es Vorfälle oder Beschwerden, weil der Aufzug außer Betrieb war? Wurden etwa Lieferungen gestört, weil ein Lastenaufzug ausfiel und man auf Treppen umsteigen musste?

  • Datenanalyse und Gegenmaßnahmen: Facility Manager sollten Störungsdaten der Aufzüge (Häufigkeit, Dauer, betroffene Aufzüge) mit Beobachtungen zur Treppennutzung und mit Nutzerfeedback verknüpfen. So lässt sich ein Gesamtbild der vertikalen Erschließungsqualität zeichnen. Beispielsweise kann aus den Daten hervorgehen, dass ein bestimmter Aufzug jeden Montagmorgen überlastet oder störanfällig ist, woraufhin mehr Personen das Treppenhaus nutzen und über Wartezeiten klagen. Solche Erkenntnisse ermöglichen gezielte Maßnahmen: Das FM kann Wartungsintervalle für auffällige Aufzüge verkürzen, eine Modernisierung veralteter Aufzugstechnik anstoßen oder organisatorisch gegensteuern (etwa durch gestaffelte Arbeitsbeginnzeiten, um Spitzen zu entzerren). Auch Schulungen oder Informationen an Nutzer können dazugehören – z. B. Hinweis, dass bei kleineren Störungen der Aufzug bald wieder läuft, um hektische Massenbewegungen im Treppenhaus zu vermeiden. Kurz gesagt, ein professionelles Störungsmanagement betrachtet Aufzüge und Treppen immer gemeinsam und sorgt dafür, dass die „Schwachstelle“ Aufzug nicht unkontrolliert die gesamte vertikale Erschließung beeinträchtigt.

Relevante Dokumente

  • Baupläne: Aktuelle Grundrisse und Schnitte des Gebäudes, in denen die Lage aller Aufzüge, Treppen und ausgewiesenen Fluchtwege eingezeichnet sind. Diese Pläne sind unverzichtbar, um Rettungswege und Erschließung zu analysieren und dienen auch Einsatzkräften im Notfall als Orientierung.

  • Brandschutzkonzept: Das schriftliche Brandschutz- und Evakuierungskonzept, das unter anderem die Brandfallsteuerung der Aufzüge (z. B. Rückzugsautomatik, Feuerwehraufzug-Bedienung) und die Nutzung der Treppen als Rettungswege festlegt. Hier sind auch die Anforderungen an Rauchabschnitte, Feuerwiderstände und Beschilderung dokumentiert. Das FM muss dieses Konzept kennen und erfüllen.

  • Betriebs- und Wartungsanweisungen: Ausführliche Anweisungen und Pläne für den Betrieb und die Instandhaltung sowohl der Aufzugsanlagen als auch der Treppenanlagen. Dazu zählen z. B. Reinigungspläne für Treppenhäuser, Wartungsverträge und -protokolle für Aufzüge, Prüfberichte (TÜV-Abnahmen bei Aufzügen, Sicherheitsbegehungen der Treppen) sowie Regelungen für temporäre Sperrungen (Sperrkonzepte) bei Wartung oder Umbau. Eine vollständige Dokumentation hilft dem Facility Manager, jederzeit Überblick über den Zustand beider Systeme zu haben und Betreiberpflichten nachweisen zu können.

Kennzahlen

Kennzahl

Bezug zum Zusammenspiel von Aufzug und Treppe

Aufzugsverfügbarkeit

Prozentsatz der Zeit, in der die Aufzüge betriebsbereit sind. Eine hohe Verfügbarkeit (nahe 100 %) bedeutet reibungslosen Personenfluss; fällt sie ab, müssen Treppen stärker einspringen. Niedrige Verfügbarkeit zeigt sich oft in verstärkter Treppennutzung, längeren Wartezeiten vor Aufzügen und steigendem Beschwerdeaufkommen der Nutzer.

Störungsanzahl (Aufzüge)

Anzahl der technischen Störungen an den Aufzügen pro Zeitraum. Viele Aufzugsstörungen wirken sich unmittelbar auf die vertikale Erschließung aus: Sie zwingen mehr Personen auf die Treppen und können zeitweise ganze Gebäudeteile schwer erreichbar machen. Diese Kennzahl ist ein Indikator, ob die Balance zwischen Technik (Aufzug) und baulichem Weg (Treppe) zuverlässig gehalten wird, oder ob Handlungsbedarf in der Aufzugsinstandhaltung besteht.

Nutzerfeedback

Subjektive Rückmeldungen der Gebäudenutzer zu Komfort, Orientierung und Sicherheit. Beschwerden über lange Wartezeiten, Unsicherheit in der Orientierung („Wo ist die Treppe?“) oder Unzufriedenheit mit Sauberkeit/Sicherheit im Treppenhaus fließen hier ein. Dieses Feedback zeigt, wie gut das Zusammenspiel aus Sicht der täglichen Nutzer funktioniert, und gibt Anhaltspunkte für Verbesserungen (z. B. bessere Ausschilderung oder häufigere Reinigung).

Begehungsbefunde Treppen

Ergebnisse aus regelmäßigen Kontrollgängen durch die Treppenhäuser. Dazu gehören Feststellungen, ob Treppen frei von Hindernissen sind, ob Beleuchtung und Beschilderung einwandfrei funktionieren, ob Sauberkeit und baulicher Zustand den Vorgaben entsprechen. Diese Befunde werden oft in Checklisten oder Reports festgehalten. Sie zeigen, ob die Treppen ihrer Funktion als jederzeit bereitstehender, sicherer Flucht- und Bewegungsweg gerecht werden.

Beispielsweise lässt eine sinkende Aufzugsverfügbarkeit in Verbindung mit negativem Nutzerfeedback (mehr Beschwerden) sofort Handlungsbedarf erkennen. Oder regelmäßige Mängelberichte aus Treppenhausbegehungen (z. B. zugestellte Fluchtwege) signalisieren organisatorischen Nachholbedarf.

Verbesserung

Facility Management bedeutet auch, das Zusammenspiel von Aufzügen und Treppen laufend zu optimieren. Durch regelmäßige Begehungen, die Auswertung von Störungs- und Nutzungsdaten sowie das Einholen von Rückmeldungen der Nutzer (sei es von Mietern in einem Bürohaus, vom Pflegepersonal im Krankenhaus, von Hotelgästen oder Ladenbetreibern im Einkaufszentrum) gewinnt das FM ein umfassendes Bild der Situation. Auf dieser Basis können schrittweise Verbesserungen umgesetzt werden. Beispielsweise könnte man die Beschilderung anpassen, wenn Nutzer orientierungslos wirken („Treppenhaus noch deutlicher kennzeichnen“). Oder man erweitert die Betriebszeiten eines Aufzugs (etwa am Wochenende), falls sich gezeigt hat, dass außerhalb der bisherigen Zeiten Bedarf besteht. Auch die Intervalle für Reinigung und Wartung lassen sich optimieren: Bei sehr stark frequentierten Treppenhäusern kann die Reinigungsfrequenz erhöht werden, während bei ausgesprochen zuverlässigen Aufzügen eventuell Wartungsintervalle verlängert werden könnten – immer unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben. Mittelfristig fließen die Erkenntnisse sogar in bauliche und technische Modernisierungen ein: Das FM könnte empfehlen, einen weiteren Aufzug einzubauen, einen alten Aufzug zu erneuern oder ein unattraktives Treppenhaus durch hellere Gestaltung aufzuwerten. All diese Maßnahmen verfolgen das Ziel, Komfort, Sicherheit und Effizienz des vertikalen Erschließungssystems beständig zu steigern und an die Bedürfnisse der Nutzer sowie die technischen Möglichkeiten der Zeit anzupassen.