Bedeutung für interne Verkehrs- und Erschließungskonzepte
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Bedeutung für interne Verkehrs- und Erschließungskonzepte
Die Aufzugsanlage eines Gebäudes ist nicht nur eine einzelne technische Einrichtung, sondern ein integraler Bestandteil des internen Verkehrs- und Erschließungskonzepts. Sie bestimmt maßgeblich, wie Personen – seien es Besucher, Patienten, Gäste oder Mitarbeiter – sowie interne Dienste (Logistik, Technik, Reinigung) vertikal im Gebäude geführt werden. Für das Facility Management (FM) bedeutet dies, dass Entscheidungen über Anzahl, Lage, Typ und Betriebsweise von Aufzügen direkt die Flächeneffizienz, die Barrierefreiheit, die Nutzerzufriedenheit, die Sicherheit und die Wirtschaftlichkeit des Gebäudebetriebs beeinflussen. Mit anderen Worten: Das Elevator System wirkt als „Rückgrat“ der vertikalen Erschließung und prägt die gesamte interne Mobilität. Dieses Dokument beschreibt die grundlegende Rolle des Elevator Systems in internen Verkehrs- und Erschließungskonzepten auf einem allgemeinen, FM-gerechten Niveau.
Bedeutung des Elevator Systems für interne Verkehrs- und Erschließungskonzepte – Vertikale Mobilität, Nutzerführung und Betriebsorganisation im Facility Management
- Grundlagen interner Verkehrs- und Erschließungskonzepte
- Bausteine der Erschließung
- Rolle des Elevator Systems im internen Verkehrskonzept
- Differenzierte Aufzugstypen und Verkehrsaufgaben
- Einfluss des Elevator Systems auf die interne Verkehrsplanung
- Bedeutung für Barrierefreiheit, Nutzungskonzepte und Nutzerführung
- Nutzungs- und Gebäudekonzepte
- Leitsysteme und Orientierung
- Auswirkungen auf Betrieb, FM-Organisation und Optimierung
Zielsetzungen - Ein internes Verkehrskonzept für Gebäude verfolgt mehrere Hauptziele:
Sichere, zügige und nachvollziehbare Erschließung aller relevanten Nutzflächen: Alle Bereiche des Gebäudes sollen für Berechtigte gefahrlos und rasch erreichbar sein. Die Wegeführung muss logisch und übersichtlich gestaltet sein, damit Nutzer (einschließlich ortsunkundiger Besucher) sich intuitiv zurechtfinden.
Trennung und Steuerung unterschiedlicher Verkehrsströme: Unterschiedliche Nutzergruppen und Verkehrsarten – etwa Publikum, Mitarbeiter, Servicepersonal oder Warenlogistik – sollen nach Möglichkeit getrennt oder gesteuert werden. Dadurch lassen sich gegenseitige Behinderungen vermeiden. Beispielsweise können separate Servicewege oder -aufzüge eingerichtet werden, damit etwa Lieferungen und Abfalltransporte nicht den Publikumsverkehr stören.
Sicherstellung von Barrierefreiheit und ergonomischer Nutzung: Das gesamte Erschließungssystem muss für Menschen mit Behinderungen sowie für Personen mit eingeschränkter Mobilität ohne fremde Hilfe nutzbar sein. Dabei sind komfortable, ergonomische Bewegungsabläufe zu gewährleisten (z.B. ausreichende Bewegungsflächen, angemessene Steigungen von Rampen). Barrierefreie Gestaltung ist heute auch gesetzlich vorgeschrieben – öffentlich zugängliche Gebäude müssen z.B. einen stufenlosen Zugang und entsprechende Aufzüge aufweisen.
Integration von Brandschutz-, Flucht- und Rettungskonzepten: Die Erschließungsplanung wird eng mit dem Brandschutzkonzept verknüpft. Vertikale und horizontale Verkehrswege müssen in Notfällen sichere Fluchtwege oder Angriffswege für Rettungskräfte bieten. Treppenhäuser dienen als Notausgänge, und Aufzüge benötigen eine Brandfallsteuerung; in Hochhäusern ist mindestens ein Aufzug als Feuerwehraufzug vorzusehen. Das Verkehrskonzept muss daher mit Flucht- und Rettungsplänen abgestimmt sein, ohne im Alltag die Nutzung einzuschränken.
Ein Erschließungskonzept eines Gebäudes setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Komponenten und ihre Rolle:
| Erschließungselement | Rolle im Erschließungskonzept |
|---|---|
| Vertikale Erschließung | Aufzüge und Treppen (ggf. auch Rolltreppen) ermöglichen Bewegungen zwischen den Etagen. Sie bilden die vertikalen Hauptverkehrswege. |
| Horizontale Erschließung | Flure, Lobbys, Gebäudekerne und Foyers verbinden die Räume einer Etage und führen zu den vertikalen Verkehrswegen. Sie dienen der Verteilung auf jeder Ebene. |
| Knotenpunkte | Gebäudekerne, Aufzugsvorräume, Stationen und Empfangszonen fungieren als Kreuzungspunkte, an denen verschiedene Verkehrsströme zusammenkommen oder sich verzweigen. Hier wechseln Nutzer z.B. vom Aufzug in den Flur. |
| Logistische Erschließung | Service- und Lastenwege, Anlieferzonen und Entsorgungsbereiche ermöglichen den Transport von Waren, Wäsche, Abfall und Technik unabhängig vom Personenverkehr. |
Aufzüge wirken immer in Kombination mit diesen Elementen und dürfen niemals isoliert betrachtet werden. Ihre Leistungsfähigkeit und Anordnung müssen zur horizontalen Erschließung und zu den Knotenpunkten passen. Beispielsweise entlastet ein gut platzierter Lastenaufzug die Personenaufzüge und Flure vom Lieferverkehr, während ausreichend bemessene Aufzugsvorräume ein reibungsloses Aussteigen und Verteilen der Fahrgäste ermöglichen.
Aufzüge als vertikale Verkehrsknoten
Hauptträger der vertikalen Personenbewegung: Aufzüge übernehmen den Großteil der vertikalen Personenbeförderung – insbesondere ab einer gewissen Gebäudehöhe oder -größe. In einem mehrstöckigen Gebäude ab etwa 3 bis 4 Geschossen (über ~13 m Höhe) werden Aufzüge unverzichtbar; tatsächlich fordert die Musterbauordnung ab 13 m Gebäudehöhe mindestens einen Personenaufzug. Treppen werden zwar weiterhin benutzt, aber vor allem für kurze Wege, als Alternative für Sportliche oder im Notfall.
Knotenpunkte zwischen Geschossebenen: Jeder Aufzug fungiert als ein Verkehrsknoten zwischen den Etagen. Die Nutzer verlassen den Aufzug im Aufzugsvorraum und verteilen sich von dort über Flure und Lobbys zu den jeweiligen Nutzungsbereichen. In diesem Sinne verbindet der Aufzug unterschiedliche Ebenen und sorgt für einen Übergang vom vertikalen zum horizontalen Verkehr.
Einfluss der Lage im Grundriss: Die Positionierung der Aufzüge im Gebäudegrundriss beeinflusst die Wegezeiten, Orientierung und Flächeneffizienz erheblich. Zentral gelegene Aufzugskerne mit kurzer Anbindung an Hauptflure ermöglichen kurze Laufwege und eine klare Orientierung. Befinden sich Aufzüge hingegen abseits oder dezentral, können Umwege und längere Erschließungswege entstehen. Für die Flächeneffizienz ist zudem relevant, wie viele separate Schächte oder Aufzugskerne vorgesehen werden – eine kompakte Gruppierung kann Platz sparen, während verteilte einzelne Aufzüge die Wege einiger Nutzer verkürzen können.
Differenzierte Aufzugstypen und Verkehrsaufgaben
In größeren Gebäuden werden meist verschiedene Aufzugsarten für unterschiedliche Verkehrsaufgaben eingeplant. Die Zuordnung spezieller Aufgaben zu bestimmten Aufzugstypen ist ein wichtiger Bestandteil des Erschließungskonzepts und bildet später für das FM die Grundlage für Betriebseinstellungen (Betriebszeiten, Zugriffsrechte, Prioritätensteuerung).
Die folgende Tabelle nennt einige typische Aufzugstypen und ihre primäre Verkehrsaufgabe:
| Aufzugstyp | Typische Verkehrsaufgabe |
|---|---|
| Personenaufzug | Allgemeiner Personentransport für Besucher und Mitarbeiter; dient dem komfortablen, schnellen Erreichen aller Stockwerke. |
| Lasten- oder Serviceaufzug | Transport von Waren, Vorräten, Möbeln, Abfall und Ähnlichem; häufig separat gelegen nahe Anlieferzonen und räumlich von den Personenaufzügen getrennt, um Konflikte zu vermeiden. |
| Bettenaufzug | Beförderung von Patientenbetten und medizinischem Equipment in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen; dimensioniert für Liegen und Begleitpersonal, oft kombiniert mit normaler Personenbeförderung. |
| Feuerwehraufzug | Spezieller Aufzug für die Feuerwehr im Brandfall; ermöglicht den Einsatzkräften und ihrer Ausrüstung den schnellen Zugang zu oberen Geschossen (in Hochhäusern baurechtlich vorgeschrieben, mit eigener Notstrom- und Brandschutzsteuerung). |
| Kleingüter- bzw. Speiseaufzug | Kleinteilige Logistik für Material und Speisen, z.B. in Restaurants, Hotels oder Krankenhäusern, um Geschosse mit Dokumenten, Mahlzeiten oder Ähnlichem zu versorgen; meist mit kleiner Kabine und für Lasten statt Personen. |
Durch diese Differenzierung wird sichergestellt, dass jede Verkehrsart eine passende Aufzugslösung hat. Beispielsweise verhindert ein separater Lastenaufzug, dass Warenlieferungen oder Mülltransporte die Gäste in einem Hotel stören. In einem Krankenhaus können Bettenaufzüge mittels Vorrangsteuerung (Vorzugsfahrt) so betrieben werden, dass im Notfall ein Bett mit Patient unverzüglich und ohne Zwischenhalt transportiert werden kann. Das FM stellt durch Betriebsregeln und Zugangskontrollen sicher, dass die Aufzüge jeweils gemäß ihrer vorgesehenen Aufgabe genutzt werden (z.B. Beschränkung des Serviceaufzugs auf autorisiertes Personal).
Zusammenspiel mit Treppen und Fluren
Ergänzung von Aufzug und Treppe: Aufzüge und Treppen bilden ein ergänzendes Paar in der vertikalen Erschließung. Der Aufzug bietet Komfort und ermöglicht Barrierefreiheit (insbesondere für Menschen, die keine Treppen steigen können), während die Treppe die grundsätzliche Erschließung und vor allem den zweiten Rettungsweg sicherstellt. In jedem mehrgeschossigen Gebäude müssen ausreichend Treppen als baulicher Fluchtweg vorhanden sein. Im Alltag gilt: Für kurze Wege oder aus Gesundheitsbewusstsein nutzen viele Personen die Treppe, doch für höhere Stockwerke oder beim Transport von Gepäck ist der Aufzug die bevorzugte Wahl.
Flure und Vorräume als Übergangsflächen: Die horizontalen Erschließungswege – Flure, Korridore, Foyers – und die Aufzugsvorräume bilden die Übergangszone zwischen Aufzug und eigentlichen Nutzflächen. Ihre Breite und Anordnung bestimmen wesentlich die Leistungsfähigkeit der vertikalen Erschließung im Alltag. Ein großzügiger Aufzugsvorraum, der genügend Platz für wartende Personen, Rollstühle oder Rollwagen bietet, verhindert Stau und Gedränge. Zu schmale Flure oder zu kleine Lobbys können dagegen dazu führen, dass sich vor den Aufzugstüren Personen stauen oder aussteigende Fahrgäste nur schwer in den Flurverkehr einfädeln können. Daher müssen die Dimensionierung der Flächen vor Aufzügen (mindestens 1,5 m × 1,5 m Bewegungsfläche vor jeder Tür, gemäß DIN 18040 für Rollstuhlnutzer) und die Verteilung der Aufzüge entlang der Flure sorgfältig geplant werden.
Kapazität und Leistungsfähigkeit
Die Auslegung der Aufzugsanlage (Anzahl der Kabinen, Tragfähigkeit/Größe und Geschwindigkeit) richtet sich nach dem erwarteten Verkehrsaufkommen im Gebäude. Für eine gute Verkehrsqualität müssen Spitzenlasten bewältigt werden: Wie viele Personen möchten in Stoßzeiten (z.B. morgens, in Pausenzeiten oder nach Veranstaltungen) innerhalb kurzer Zeit befördert werden? Planer führen hierzu Verkehrssimulationen oder Berechnungen durch, um Wartezeiten und Beförderungsraten abzuschätzen. Ist die Aufzugskapazität zu gering bemessen, resultieren lange Wartezeiten, überfüllte Kabinen und Ausweichbewegungen aufs Treppenhaus – ein deutliches Zeichen für ein unzureichendes Verkehrskonzept. Eine Überdimensionierung (zu viele oder zu große Aufzüge ohne tatsächlichen Bedarf) hingegen treibt die Investitions- und Betriebskosten unnötig in die Höhe (höherer Energieverbrauch, Wartungsaufwand, ungenutzte Flächen für Schächte). Es gilt also, ein ausgewogenes Verhältnis zu finden. Im Betrieb sollte das FM mittels Kennzahlen überprüfen, ob das Konzept aufgeht: Durchschnittliche Wartezeiten von etwa 30 Sekunden in Bürogebäuden gelten als akzeptabel, während in Wohngebäuden auch 50–60 Sekunden toleriert werden und in stark frequentierten öffentlichen Gebäuden (z.B. Kaufhäusern) eher 20–25 Sekunden angestrebt werden. Liegen die gemessenen Werte deutlich außerhalb der Zielkorridore, kann Handlungsbedarf bestehen.
Anordnung, Gruppierung und Zonenbildung
Die räumliche Anordnung der Aufzüge beeinflusst die Bildung interner „Verkehrsachsen“. In vielen Gebäuden werden Aufzüge in Gruppen (Aufzugsgruppen oder -bänke) zentral in einem oder wenigen Kernen zusammengefasst – oft in unmittelbarer Nähe des Haupteingangs oder der Hauptlobby, sodass Besucher intuitiv dorthin gelenkt werden. Diese zentrale Bündelung erleichtert die Orientierung und bündelt Verkehrsströme: Beispielsweise bewegen sich fast alle Personen zunächst vom Eingang zur Hauptaufzugsgruppe und von dort zu ihren Zielgeschossen. In sehr hohen Gebäuden wird häufig eine Zonierung vorgenommen: bestimmte Aufzüge bedienen nur untere, andere nur obere Stockwerke, eventuell mit Zwischenlobbys (Sky Lobbies), um die Fahrzeiten effizient zu halten. Zudem trennt man in der Planung idealerweise Personen- und Serviceaufzüge auch räumlich. So kann ein Lastenaufzug in einem separaten Nebenkern nahe der Anlieferung platziert werden, während die Personenaufzüge im Hauptfoyer bleiben – dadurch reduzieren sich Berührungspunkte zwischen Publikumsverkehr und Logistik, was Konflikte und Sicherheitsrisiken minimiert. Letztlich definiert die Aufzugsanordnung auch die Verkehrswege im Gebäude: Jeder Aufzugskern bildet den Ausgangspunkt für horizontale Erschließungswege auf den Etagen, und klug positionierte Aufzüge können die Entfernungen optimieren und „Sackgassen“ vermeiden.
Wartezonen, Lobbys und Übergangsflächen
Aufzugsvorräume und Wartezonen vor den Aufzügen müssen ausreichend bemessen und gestaltet sein, da sie als Puffer für den Verkehr dienen. In diesen Bereichen halten sich Personen auf, während sie auf den Aufzug warten, und es finden Bewegungen wie das Ein- und Aussteigen sowie das Rangieren von Rollstühlen oder Transportwagen statt. Entsprechend sollte eine Aufzugslobby großzügig dimensioniert sein (wie bereits erwähnt mind. 1,5 m × 1,5 m freier Bereich vor jeder Tür, besser mehr bei hohem Verkehrsaufkommen). Die Gestaltung der Lobbys beeinflusst die Wahrnehmung von Komfort und Effizienz: Entstehen dort regelmäßig Gedränge oder „Staus“, empfinden Nutzer das Verkehrsmanagement als schlecht. Fließende, aufgeräumte Übergangsflächen dagegen vermitteln ein Gefühl von Ordnung und Schnelligkeit. Aus Sicht des FM spielen hierbei mehrere Aspekte eine Rolle: Die Bereiche müssen sauber und frei von Hindernissen gehalten werden (keine abgestellten Möbel oder Kartons, die die Wege verengen). Eine angemessene Möblierung ist dort, wo Wartezeiten unvermeidbar sind, dennoch sinnvoll – etwa Sitzgelegenheiten oder Handläufe für Gehbehinderte – darf aber nicht die Bewegungsflächen beeinträchtigen. Wichtig ist auch eine klare Beschilderung und Etageninformation in den Aufzugsvorräumen (siehe 5.3). Insgesamt trägt eine gut geplante und vom FM gepflegte Aufzugslobby dazu bei, dass der vertikale Verkehr als angenehm und effizient wahrgenommen wird.
Barrierefreie Erschließung
Aufzüge bilden die zentrale Achse der barrierefreien Erschließung eines mehrgeschossigen Gebäudes. Ohne funktionierenden Aufzug wäre vielen Personen der Zugang zu den oberen Etagen faktisch verwehrt – Mobilitätseingeschränkte, Rollstuhlfahrer oder Personen mit Kinderwagen sind auf Aufzüge angewiesen.
Eine barrierefreie Verkehrs- und Erschließungsplanung umfasst daher mehrere eng aufeinander abgestimmte Maßnahmen:
Stufenfreier Zugang zum Gebäude: Bereits der Eingangsbereich und der Weg zum Aufzug müssen ohne Schwellen oder Treppen gestaltet sein (z.B. Rampen oder ebenerdige Zugänge), damit Rollstuhlnutzende und Gehbehinderte problemlos das Gebäudeinnere erreichen.
Barrierefreie Wegeführung bis zum Aufzug: Flure, Türen und Orientierungshilfen auf dem Weg zur Aufzugsanlage müssen so gestaltet sein, dass Menschen mit Behinderung sie sicher nutzen können. Dazu gehören ausreichend breite Gänge, automatische Türöffner oder leichtgängige Türen, klare Leitsysteme sowie taktile Bodenindikatoren oder Beschilderungen für Sehbehinderte.
Geeignete Kabinenabmessungen und Türbreiten: Die Aufzugskabine selbst muss groß genug sein und eine ausreichend breite Tür besitzen, um z.B. einen Rollstuhl mit Begleitperson aufzunehmen. Nach heutigen Standards (DIN 18040-1 und Musterbauordnung) entspricht dies mindestens einer Kabinengröße von etwa 1,10 m × 1,40 m und einer Türbreite von 90 cm (Typ 2-Aufzug), besser mehr. Zudem sind Bedienelemente in geeigneter Höhe anzubringen und taktil bzw. kontrastreich zu gestalten, damit auch seh- oder hörbehinderte Menschen den Aufzug eigenständig bedienen können (Zwei-Sinne-Prinzip bei Anzeigen und Notruf).
Barrierefreie Anbindung aller wichtigen Nutzungsbereiche: Alle für die Nutzung wesentlichen Bereiche wie Sanitäranlagen, Aufenthaltsräume, Kantinen oder Arbeitsplätze müssen über einen barrierefreien Weg vom Aufzug erreichbar sein. Dies bedeutet z.B., dass zwischen dem Aufzug und einem behindertengerechten WC keine Treppenstufen liegen dürfen. Im Planungskonzept wird daher geprüft, welche Ebenen für welche Nutzergruppen wichtig sind und sichergestellt, dass diese Ebenen durch einen Aufzug erschlossen werden.
Zusammenfassend ist der Aufzug unabdingbar, um ein Gebäude für alle Menschen zugänglich zu machen. Im Betrieb sorgt das FM dafür, dass die Barrierefreiheit nicht nur theoretisch vorhanden ist, sondern praktisch funktioniert – etwa durch regelmäßige Funktionsprüfungen der Aufzüge, promptes Beheben von Störungen und Schulung des Personals für den Umgang mit mobilitätseingeschränkten Personen in Notsituationen (z.B. Evakuierungshilfen, wenn der Aufzug im Brandfall nicht nutzbar ist).
Einige Beispiele:
| Gebäudetyp | Besonderer Fokus im internen Verkehr und in der Erschließung |
|---|---|
| Bürogebäude | Pendlerströme zu Arbeitsbeginn und -ende sowie in Pausenzeiten; Stoßzeiten am Morgen (alle wollen fast gleichzeitig in obere Etagen) und mittags (Gang zur Kantine) prägen das Aufzugprofil. Aufzüge müssen daher so bemessen und gesteuert sein, dass diese Spitzen abgefangen werden (kurze Wartezeiten, ggf. Aufzugsrufsteuerung für Sammelfahrten). |
| Hotel | Gemischte Verkehrsarten: Gäste mit Gepäck, Servicepersonal (Housekeeping) mit Wagen, Roomservice, sowie Besucher der öffentlichen Bereiche. Hier müssen Aufzüge sowohl Komfort als auch Kapazität bieten. Oft werden separate Serviceaufzüge eingeplant, damit z.B. Zimmerreinigung und Gästetransport parallel laufen können. |
| Krankenhaus | Trennung zwischen Besucher-/Patientenverkehr und klinischer Logistik. Patienten (teilweise auf Betten oder Liegen) und Besucher nutzen vorzugsweise die Hauptpersonenaufzüge oder Bettenaufzüge, während Materialtransporte (Medikamente, Wäsche, Abfall) über eigene Lastenaufzüge oder Automatikanlagen abgewickelt werden. Wichtiger Fokus ist zudem die jederzeitige Verfügbarkeit von Aufzügen für Notfälle und Verlegungen. |
| Einkaufszentrum/Handel | Hohe Kundenströme zwischen Verkaufsebenen, häufig in Kombination mit Fahrtreppen. Aufzüge dienen hier vor allem der Barrierefreiheit (für Personen mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Gepäck) und als Komfortservice. Gleichzeitig muss die Warenlogistik (Belieferung der Läden, Abtransport) über separate Bereiche erfolgen, oft außerhalb der Öffnungszeiten oder über abgegrenzte Lastenaufzüge, um den Kundenverkehr nicht zu beeinträchtigen. |
| Wohngebäude | Alltäglicher Personenverkehr der Bewohner, verteilt über den Tag ohne extreme Spitzen. Schwerpunkte können beim Heimkommen am Abend oder beim Müllrausbringen liegen. Barrierefreiheit ist hier ein zentrales Thema: In modernen Wohnbauten ist ein Aufzug inzwischen Standard, um allen Generationen Zugang zu ermöglichen. Zudem wird auf genügend große Kabinen geachtet, um z.B. Kinderwagen, Möbeltransporte oder Rollstühle aufzunehmen. |
FM muss diese unterschiedlichen Nutzungsmuster kennen, um den Betrieb der Aufzugsanlagen entsprechend auszurichten. Beispielsweise werden in Bürohäusern die Aufzüge zu Stoßzeiten vollautomatisch in den Grundlastbetrieb versetzt und vielleicht abends in einen Energiesparmodus geschaltet, wenn wenig Verkehr herrscht. In Hotels werden Service- und Gästefahrten zeitlich koordiniert – etwa dass Housekeeping bevorzugt während der Abwesenheit vieler Gäste am Vormittag die Aufzüge nutzt. In Krankenhäusern legt das FM genaue Regeln fest, welcher Aufzug für Patiententransporte reserviert ist und wie Notfalltransporte priorisiert werden. Auch Reinigungszeiten oder Wartungsarbeiten müssen an die Nutzungszyklen angepasst werden (zum Beispiel Aufzugswartung in einem Bürogebäude außerhalb der Kernarbeitszeiten). Durch solche organisatorischen Maßnahmen stellt das FM sicher, dass das Elevator System jeweils optimal auf die Gebäudenutzung abgestimmt ist.
Eine klare Nutzerführung im Bereich der Aufzüge ist essenziell, damit das Verkehrssystem effektiv funktioniert. Dazu gehören:
Beschilderung und Kennzeichnung: In jedem Aufzugsbereich sollten gut sichtbare Schilder anzeigen, wo man sich befindet (Etagenangabe) und wohin die jeweiligen Aufzüge führen. Wenn es mehrere Aufzugsgruppen gibt, muss deutlich gemacht werden, welche Gruppe welche Stockwerke bedient (z.B. „Aufzüge A: Etage 0–10; Aufzüge B: Etage 11–20“). Piktogramme und Hinweise (zum Parkhaus, zur Cafeteria, zu den Notausgängen etc.) unterstützen die Orientierung.
Klarheit über Fahrziele der Aufzüge: Jeder Nutzer sollte auf Anhieb erkennen können, welcher Aufzug ihn zu seinem Ziel bringt. Fehlfahrten – also dass jemand den falschen Aufzug nimmt und nicht ans gewünschte Ziel gelangt – verursachen unnötige Umwege und belasten das System zusätzlich. Maßnahmen dagegen sind z.B. Etagenübersichten, Farbleitsysteme oder Ansagen im Aufzug. In großen Gebäuden (etwa Krankenhäusern) wird häufig pro Aufzugskern vermerkt, welche Bereiche dort erreichbar sind („Turm West: Stationen 1–5 (Chirurgie), Turm Ost: Stationen 6–10 (Innere Medizin)“ etc.).
Verantwortung des Facility Managements: Die Gestaltung, Montage und laufende Aktualisierung der Leitsysteme fällt in den Aufgabenbereich des FM. Dazu gehört, Beschilderungen bei Umnutzungen oder Umbauten anzupassen und auf Mehrsprachigkeit bzw. Verständlichkeit zu achten. Ebenso muss das FM dafür sorgen, dass Informationstafeln, digitale Anzeiger oder Etagenpläne in Aufzugsnähe immer auf dem aktuellen Stand und gut lesbar sind. Eine gute Orientierung vermindert Rückfragen und Frustration bei Nutzern und trägt so zur positiven Wahrnehmung der Gebäudelogistik bei.
Damit das Elevator System im Alltag reibungslos und effizient funktioniert, muss das Facility Management organisatorische Regeln und Abläufe festlegen:
Betriebszeiten und Zugriffsrechte: Es ist zu definieren, wann welche Aufzüge in Betrieb sind (z.B. 24/7 für Hauptanlagen, eingeschränkt für Nebengebäude) und wer welche Aufzüge benutzen darf. In Gebäuden mit sicherheitssensiblen Bereichen oder unterschiedlichen Nutzergruppen kann eine Zutrittskontrolle im Aufzug nötig sein (z.B. Bedienung bestimmter Stockwerke nur mit Schlüsselschalter oder Kartenberechtigung). Auch Nachtabschaltungen einzelner Aufzüge zur Energieeinsparung fallen in diesen Bereich.
Sonderbetriebsarten einplanen: Das FM steuert, wann Aufzüge in speziellen Modi laufen. Beispiele sind Servicefahrten oder Reinigungsfahrten (Aufzüge werden temporär für den Personentransport gesperrt, um Material oder Reinigungspersonal zu befördern) oder Vorrangfahrten (z.B. automatische Priorisierung für Betten- oder Notfalltransporte in Kliniken). Auch geplante Sperrungen einzelner Aufzüge für Wartung oder Umzüge müssen koordiniert und kommuniziert werden.
Zeitliche Entzerrung von Verkehrsströmen: Gerade bei Service- und Lastenverkehr sollte nach Möglichkeit eine zeitliche Trennung vom Personenverkehr erfolgen. Das heißt, interne Logistik (Wäschetransporte, Müllentsorgung, Warenanlieferung) wird auf betriebsärmere Zeiten gelegt – etwa früh morgens oder abends – damit die Aufzüge zu Stoßzeiten den Personen vorbehalten bleiben. Wo dies nicht vollständig möglich ist, können Aufzüge mit intelligenten Steuerungen ausgestattet sein, die Prioritäten je nach Uhrzeit ändern.
Abstimmung mit Nutzern: Das FM steht in engem Kontakt mit Mietern bzw. Abteilungen, um Regeln und besondere Anforderungen abzustimmen. In einem gemischt genutzten Hochhaus könnten etwa einzelne Firmen feste Zeitfenster für Lastentransporte benötigen. In einem Krankenhaus müssen sich technische Dienste, Pflege und Verwaltung auf gemeinsame Fahrstuhlregeln einigen (z.B. kein Bettentransport während der Besuchszeiten durch die Besucheraufzüge). Solche Absprachen werden idealerweise in Benutzerordnungen oder Servicevereinbarungen festgehalten und kommuniziert.
Monitoring, Kennzahlen und Anpassungen
Im laufenden Betrieb überwacht das Facility Management die Nutzung und Leistung der Aufzugsanlagen anhand bestimmter Kennzahlen. Diese dienen dazu, Abweichungen vom geplanten Konzept zu erkennen und Optimierungspotenzial aufzudecken.
Wichtige Beobachtungsgrößen sind unter anderem:
| Kennzahl / Beobachtung | Bedeutung für Verkehrs- und Erschließungskonzept |
|---|---|
| Durchschnittliche Wartezeit je Aufzug | Gibt Aufschluss über die Servicequalität aus Nutzersicht. Ungewöhnlich hohe Wartezeiten zu bestimmten Zeiten deuten auf Kapazitätsengpässe oder Optimierungsbedarf in der Steuerung hin. |
| Fahrtenzahl und Lastprofile | Zeigt, wie intensiv die Anlagen genutzt werden (Anzahl Fahrten pro Tag, Verteilung über die Zeit). Ein hohes Aufkommen zu bestimmten Stunden ergibt ein Lastprofil, das mit den ursprünglichen Annahmen abgeglichen werden kann. |
| Störungs- und Ausfallzeiten | Dokumentiert die Zuverlässigkeit der Aufzüge. Häufige Störungen oder lange Ausfälle beeinträchtigen die Erschließungsqualität; in solchen Fällen muss das FM Notfallpläne (z.B. Umleitung über andere Aufzüge oder verstärkte Treppennutzung) parat haben und mit Instandhaltern Lösungen erarbeiten. |
| Nutzerfeedback | Subjektive Rückmeldungen der Nutzer (Beschwerden, Anregungen) zu Wartezeit, Komfort, Orientierung etc. liefern wertvolle Hinweise darauf, wie das Verkehrskonzept im Alltag ankommt. Sie können auf Problembereiche aufmerksam machen, die rein zahlenbasierte Analysen nicht erfassen (z.B. „Gefühl der Unsicherheit im Aufzugsvorraum“ oder Ähnliches). |
Anhand dieser Informationen kann das Facility Management Entscheidungen zur Optimierung treffen. Beispielsweise könnten Steuerungsparameter der Aufzüge angepasst werden, wenn Wartezeiten regelmäßig zu hoch sind (z.B. Änderung der Haltelogik oder Einrichtung von Expressfahrten). Bei dauerhaft überlasteten Aufzügen lassen sich Nutzer ggf. durch Informationen zu Alternativrouten (Treppen, andere Aufzüge) lenken. Stellt sich heraus, dass die Auslastung deutlich höher ist als geplant, müsste mittelfristig über technische oder bauliche Maßnahmen nachgedacht werden – etwa den Einbau eines weiteren Aufzugs oder die Modernisierung mit leistungsfähigeren Anlagen. Umgekehrt können bei sehr geringer Nutzung einzelne Aufzüge zeitweise außer Betrieb genommen werden, um Energie zu sparen. Wichtig ist, dass das FM ein regelmäßiges Monitoring etabliert und flexibel auf veränderte Verkehrsströme reagiert.
Einbindung in Umbau- und Umnutzungsvorhaben
Eine gut geplante Aufzugs- und Erschließungsstruktur zahlt sich besonders dann aus, wenn im Laufe des Gebäudelebenszyklus Umbauten oder Nutzungsänderungen anstehen. Jede größere Umnutzung – etwa die Verwandlung eines Bürokomplexes in ein Hotel oder die Erweiterung einer Klinik um einen neuen Flügel – verändert die Verkehrsströme im Gebäude grundlegend. Das Elevator System muss dann neu bewertet werden. Facility Manager sollten bereits zu Beginn solcher Projekte prüfen (lassen), ob die bestehende Aufzugsanlage den künftigen Anforderungen genügt: Reicht die Kapazität für voraussichtlich mehr Nutzer? Sind die Aufzugskerne an den richtigen Stellen für die neue Nutzung (z.B. benötigt ein Krankenhaus vielleicht einen zusätzlichen Bettenaufzug in einem Gebäudeteil)? Entspricht die Barrierefreiheit den aktuellen Vorschriften und Bedürfnissen? Stimmen die logistischen Wege noch (z.B. Versorgung eines neuen Geschosses mit Güteraufzug)?
Gebäude, die von vornherein ein durchdachtes Elevator- und Erschließungskonzept besitzen, sind in der Regel anpassungsfähiger. Beispielsweise kann eine Reservefläche für einen zusätzlichen Aufzugsschacht oder ein modulares Aufzugssystem im Nachhinein Erweiterungen erleichtern. Auch die Aufteilung in Zonen oder mehrere Aufzugskerne schafft Flexibilität – zusätzliche Etagen können dann einer existierenden Zone zugeordnet oder durch einen weiteren Aufzug bedient werden, ohne das ganze System zu überlasten. Das FM achtet in Planungsphasen solcher Umbauten darauf, dass die Erschließungsqualität erhalten oder verbessert wird, da dies wesentlich für den weiteren Betriebserfolg ist.
Abschließend lässt sich festhalten, dass dieser strukturierte Überblick als Grundlage für ein Kapitel „Bedeutung des Elevator Systems für interne Verkehrs- und Erschließungskonzepte“ in FM-Betriebskonzepten, Leitfäden oder Leistungsbeschreibungen dienen kann. Je nach Projekt kann er um spezifische Details und Anforderungen erweitert werden, um den Besonderheiten des jeweiligen Gebäudes gerecht zu werden.
