Zum Inhalt springen
FM-Connect Chat

Hallo! Ich bin Ihr FM-Connect Chat-Assistent. Wie kann ich Ihnen helfen?

FM-Solutionmaker: Gemeinsam Facility Management neu denken

Zusammenspiel von Fahrkorb, Gegengewicht und Führung

Facility Management: Aufzugsmanagement » Aufzüge » Grundlegende Funktionsprinzipien » Zusammenspiel von Fahrkorb, Gegengewicht und Führung

Zusammenspiel von Fahrkorb, Gegengewicht und Führung im Aufzugssystem

Das Zusammenspiel von Fahrkorb, Gegengewicht und Führungsschienen bildet den mechanischen Kern jeder Aufzugsanlage. Fahrkorb und Gegengewicht übernehmen die Lastaufnahme und Bewegung, während die Führungsschienen einen sicheren, definierten Fahrweg im Schacht gewährleisten. Aus Sicht des Facility Managements bestimmen diese drei Komponenten gemeinsam maßgeblich die Betriebssicherheit, den Fahrkomfort, den Energiebedarf sowie die Instandhaltungsanforderungen eines Aufzugs. Die folgenden Kapitel beschreiben dieses Zusammenspiel auf grundlegendem Niveau – geeignet als Struktur für FM-Konzepte, Betriebsrichtlinien und Leistungsbeschreibungen.

Fahrkorb, Gegengewicht und Führungssystem

Überblick der drei Hauptkomponenten

Komponente

Grundfunktion (Basis)

Sicht Facility Management

Fahrkorb (Kabine)

Transport von Personen/Lasten zwischen Geschossen

Komfort, Barrierefreiheit, Kabinenzustand

Gegengewicht

Ausgleich eines Großteils der Kabinen- und Nutzlast

Energiebedarf, Antriebsbelastung, Lebensdauer

Führung (Führungsschienen)

Halten von Fahrkorb und Gegengewicht auf definiertem Fahrweg

Fahrkomfort, Geräuschentwicklung, Sicherheit

Fahrkorb

  • Der Fahrkorb dient als primäres Lastaufnahmemittel für die zu befördernden Personen oder Güter (je nach Aufzugstyp auch z. B. Betten in Krankenhäusern).

  • Er bildet die Schnittstelle zwischen den Nutzern und der Aufzugstechnik; in der Kabine befinden sich Bedienelemente und Ausstattungen, die Komfort und Sicherheit für die Fahrgäste gewährleisten.

  • Über den Kabinenrahmen und die Aufhängung ist der Fahrkorb mit den Tragmitteln (z. B. den Tragseilen oder Tragriemen) verbunden und wird über Führungsschuhe oder -rollen entlang der Führungsschienen im Schacht geführt.

Gegengewicht

  • Das Gegengewicht ist eine Masse, die das Gewicht des Fahrkorbs und einen Anteil der Nutzlast ausgleicht (in der Regel entspricht die Gegengewichtsmasse dem Kabinenleergewicht plus ca. 50 % der Nennlast).

  • Durch diesen Gewichtsausgleich muss der Antrieb nur die Differenz zwischen Kabinen- und Gegengewichtsseite bewegen, was den Energiebedarf reduziert und ein ruhigeres Fahrverhalten ermöglicht.

  • Das Gegengewicht bewegt sich am Seilsystem entgegenläufig zum Fahrkorb und läuft auf eigenen Führungsschienen im Schacht, meist seitlich oder hinter der Kabine angeordnet.

  • Es besteht aus einem Stahlrahmen, der mit austauschbaren Gewichtselementen (zum Beispiel aus Gusseisen, Stahl oder Beton) beschwert ist.

Führung

  • Im Aufzugsschacht sind starre Führungsschienen (meist Stahlprofile in T-Form) installiert, welche den Fahrkorb und das Gegengewicht jeweils separat führen.

  • Fahrkorb und Gegengewicht besitzen hierfür Führungsschuhe oder Führungsrollen, die an den Schienen entlang gleiten bzw. rollen.

  • Die Führungsschienen nehmen auftretende seitliche Kräfte auf und begrenzen Pendelbewegungen der Kabine, sodass die vertikale Bewegung exakt entlang der vorgesehenen Fahrbahn erfolgt und ein Verkanten verhindert wird.

Gegenläufige Bewegung von Fahrkorb und Gegengewicht

  • In einem Seilaufzug sind Fahrkorb und Gegengewicht über die Tragmittel fest miteinander verbunden und bewegen sich stets gegensinnig: Fährt der Fahrkorb nach oben, bewegt sich das Gegengewicht nach unten – und umgekehrt.

  • Der Antriebsmotor treibt eine Treibscheibe an, die die Tragmittel bewegt und dadurch die synchronen Hub- und Senkbewegungen von Kabine und Gegengewicht bewirkt.

  • Die Führungsschienen halten sowohl die Kabine als auch das Gegengewicht exakt auf ihrem vorgegebenen Fahrweg und verhindern ein seitliches Ausweichen oder Verkanten während der Fahrt.

Rolle der Führung im Fahrverlauf

  • Die Führung stellt sicher, dass sich Kabine und Gegengewicht trotz der Elastizität der Tragmittel (Seile oder Gurte können sich dehnen und schwingen) linear und spurtreu im Schacht bewegen.

  • Seitliche Bewegungen oder Schwingungen der Kabine werden durch die Führungen minimiert, was für eine „gerade“, ruhige Fahrt ohne merkliche Erschütterungen sorgt.

  • Die Schienen dienen zudem als feste Bezugsebene für Sicherheitseinrichtungen: So greift beispielsweise die Fangvorrichtung des Fahrkorbs im Notfall an den Führungsschienen an, und Endschalter bzw. Endanschläge sind so angebracht, dass sie in Bezug zu den Schienen ein sicheres Abschalten der Anlage an den Schachtenden gewährleisten.

Bewegungsphasen und Zusammenspiel

  • Vom Anfahren über die Beschleunigung und Konstantfahrt bis hin zum Abbremsen und genauen Halten wirken Fahrkorb, Gegengewicht und Führungsschienen in jeder Phase als Einheit zusammen.

  • Treten in diesem Zusammenspiel Ungleichmäßigkeiten auf – etwa durch verschlissene Führungselemente oder veränderte Lastverteilungen – macht sich dies unmittelbar bemerkbar, zum Beispiel in Form von Ruckeln, ungewöhnlichen Geräuschen oder spürbaren Vibrationen im Fahrkorb.

Lastaufnahme im System

  • Der Fahrkorb trägt die Nutzlast; sein Kabinenrahmen überträgt diese Last über die Aufhängung in die Tragmittel (Seile oder Riemen).

  • Die Tragmittel leiten die Kräfte weiter zum Gegengewicht und zur Antriebsscheibe des Motors, welche die Bewegung kontrolliert.

  • Die Führungsschienen fangen auftretende Seitenkräfte oder Auslenkungen der Kabine ab und leiten sie über ihre Befestigungskonsolen sicher in die umgebende Schachtstruktur (und damit ins Gebäude) ab.

Ausgleich durch Gegengewicht

  • Durch das Gegengewicht muss der Antrieb nur die Differenz zwischen der Last auf der Fahrkorbseite und der Last auf der Gegengewichtsseite überwinden, anstatt die volle Kabinen- und Nutzlast zu heben.

  • Bei üblicher Auslegung herrscht bei ungefähr mittlerer Beladung (etwa 50 % der Nennlast) ein nahezu gleiches Gewicht auf beiden Seiten, sodass Fahrkorb und Gegengewicht im Gleichgewicht sind.

FM-relevante Folgen:

  • Der Antrieb (Motor und Getriebe) kann mit geringerer Leistung dimensioniert werden,

  • der Energieverbrauch ist im Vergleich zu nicht ausbalancierten Systemen deutlich niedriger,

  • und die Beanspruchung von Tragmitteln und Antriebskomponenten verteilt sich gleichmäßiger (weniger extreme Spitzenlasten).

Einfluss der Führung auf Kräfte und Verschleiß

Aspekt

Beitrag der Führung

Fahrkomfort

Reduzierung von Schwingungen und Querbewegungen des Fahrkorbs

Verschleiß

Gleichmäßiger Lauf verringert die Belastung von Tragmitteln sowie Rollen/Schuhen

Sicherheit

Definierter Fahrweg unterstützt das korrekte Ansprechen von Fangvorrichtung und Endanschlägen

Sicherheitsprinzip im Verbund

  • Fahrkorb, Gegengewicht und Führungsschienen bilden zusammen mit den Tragmitteln, den Bremsen und der Fangvorrichtung eine durchgehende Sicherheitskette im Aufzugsystem.

  • Im Störfall – zum Beispiel beim Überschreiten der zulässigen Geschwindigkeit – greift die Fangvorrichtung des Fahrkorbs an den Führungsschienen und bringt die Kabine schlagartig zum Stillstand. Dabei müssen auch das Gegengewicht und die Tragmittel die abrupt auftretenden Kräfte mit aufnehmen.

  • Die Führungsschienen müssen konstruktiv in der Lage sein, die enormen Lasten eines solchen Fangvorgangs sicher aufzunehmen und in die Schachtkonstruktion abzuleiten, ohne nachzugeben.

Fahrkomfort als Ergebnis des Zusammenspiels

Komfortmerkmal

Zusammenspiel der Komponenten

Laufruhe

Korrekt ausgerichtete Schienen, intakte Tragmittel und ein passendes Gegengewicht gewährleisten einen gleichmäßigen, erschütterungsarmen Lauf.

Geräuschentwicklung

Gut gewartete Führungsschienen und Führungsrollen/-schuhe halten Reibungs- und Schlaggeräusche im Betrieb gering.

Haltegenauigkeit

Die präzise Abstimmung von Antrieb, Tragmitteln und Führung sorgt dafür, dass die Kabine exakt auf Etagenhöhe anhält; ein unruhiger Lauf des Systems kann dagegen zu Abweichungen führen.

Wahrnehmbare Symptome bei Störungen im Zusammenspiel

  • Ruckartige Bewegungen oder ein „Nachfedern“ der Kabine beim Anhalten auf einer Etage – dies deutet auf Ungleichgewichte oder Probleme an den Führungen hin.

  • Wiederkehrende ungewöhnliche Geräusche aus dem Schacht während der Fahrt (z. B. Klackern an Schienenstößen, Schleif- oder Quietschgeräusche durch lockere Befestigungen oder abgenutzte Rollen) lassen auf Abnutzungen oder Fehlstellungen im Führungsbereich schließen.

  • Ein insgesamt unruhiges Fahrgefühl oder Vibrationen, insbesondere bei bestimmten Beladungszuständen, können auf einen nicht optimalen Gewichtsausgleich oder auf Probleme an den Führungsschienen hindeuten.

Typische FM-relevante Schnittstellen

  • Koordination und Überwachung der Wartungsarbeiten an allen drei Komponenten: am Fahrkorb (einschließlich Kabinenausstattung, Türen und Aufhängung), am Gegengewicht (inklusive Rahmen und Gewichtsblöcken) sowie an der Führung (Schienen, Befestigungskonsolen, Führungsrollen oder -schuhen).

  • Sicherstellung der Zugänglichkeit aller relevanten Bereiche für Service und Inspektion: Schachtgrube, Schachtkopf und Kabinendach müssen für Fachpersonal gefahrlos und ungehindert erreichbar sein (keine Lagerung von Gegenständen, funktionsfähige Beleuchtung und sichere Zugänge, z. B. Leitern, sind gewährleistet).

  • Entgegennahme und Weitergabe von Rückmeldungen der Nutzer über Auffälligkeiten im Fahrbetrieb (Geräusche, Ruckeln, „unsicheres Gefühl“) an den Wartungsdienstleister, um proaktiv auf mögliche Störungen reagieren zu können.

Einfache Beobachtungspunkte im Betrieb (ohne technische Eingriffe)

Beobachtung im Alltag

Mögliche Ursache (Vorabbewertung)

FM-Aktion (empfohlene Reaktion)

Ruckelige oder stoßweise Fahrt – spürbare Unregelmäßigkeiten beim Fahren oder beim Anhalten.

Ungleichgewicht im System oder Probleme mit Tragmitteln/Führung (z. B. verspannter Führungsschuh, nachlassende Seilspannung).

Als Störung an die Wartungsfirma melden; Vorgang dokumentieren und je nach Dringlichkeit priorisieren.

Wiederkehrende Schleif- oder Quietschgeräusche während der Fahrt, stets an bestimmten Stellen hörbar.

Wahrscheinlich Reibung an der Führungsschiene oder ein Lockerungsproblem (z. B. trockene bzw. verschmutzte Schienen, abgenutzte Führungsrollen, lose Schienenbefestigungen).

Wartungsfirma informieren und ggf. Wartungstermin vorziehen, um die Ursache zeitnah beheben zu lassen.

Vibrationen bei bestimmten Etagen – der Fahrkorb vibriert oder schwingt nur an einzelnen Haltestellen deutlich.

Mechanische Unregelmäßigkeit im Schacht an den betreffenden Stellen (z. B. Stoß zwischen Schienensegmenten, leichte Schiefstellung einer Schiene, nachgiebige Befestigungskonsole).

Beobachtung detailliert protokollieren; beim nächsten Prüftermin gezielt ansprechen, damit der Sachverständige oder Wartungstechniker diese Stellen überprüft.

Dokumentation und Lebenszyklusbetrachtung

  • Systematische Erfassung von Hinweisen auf Fahrkomfort-Probleme oder ungewöhnliche Geräusche im FM-System, um Muster zu erkennen (z. B. wiederkehrende Auffälligkeiten bei einem bestimmten Aufzug oder unter bestimmten Nutzungsbedingungen).

  • Berücksichtigung des Gesamtsystems von Fahrkorb, Gegengewicht und Führung bei Modernisierungsentscheidungen: Änderungen wie der Austausch von Tragmitteln, der Einbau einer neuen Kabine oder eine Anpassung der Gegengewichtsmasse sollten immer in ihrem Zusammenwirken betrachtet werden, um die Ausgewogenheit des Systems nicht zu beeinträchtigen.

  • Sicherstellen, dass Änderungen am Kabinenleergewicht oder an der Nutzungsart (Lastprofil) mit der Aufzugsfachfirma abgestimmt und in der Anlagendokumentation vermerkt werden. So bleibt das Zusammenspiel der Komponenten erhalten und es treten keine unbeabsichtigten Beeinträchtigungen der Sicherheit oder Leistung auf.