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Verfügbarkeit aus Sicht der Nutzer

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Betriebliche Eigenschaften Aufzugsanlagen Verfügbarkeit aus Sicht der Nutzer

Verfügbarkeit aus Sicht der Nutzer im Aufzugsanlagen

Die Verfügbarkeit von Aufzugsanlagen wird von den meisten Nutzern nicht in abstrakten Prozentwerten oder SLA-Kennzahlen wahrgenommen, sondern im unmittelbaren Alltagserleben. Entscheidend ist die Frage: „Ist der Aufzug da, wenn ich ihn brauche – und funktioniert er einwandfrei?“ Nutzer erwarten im Grunde selbstverständlich einen zuverlässigen, durchgängigen Betrieb der Aufzüge zu jeder Zeit. Kommt es dennoch zu einer Störung oder einem Ausfall, entsteht schnell Unmut bei den Fahrgästen, und der Betreiber sieht sich unmittelbar mit Beschwerden konfrontiert. Aus Sicht des Facility Managements ist Verfügbarkeit daher nicht nur eine technische Kennziffer (z. B. Betriebsstunden ohne Ausfall), sondern vor allem ein nutzerorientiertes Qualitätsmerkmal. Dieses umfasst Aspekte wie Wartezeiten vor den Aufzügen, die Häufigkeit wahrnehmbarer Störungen, die Informationspolitik im Störungsfall sowie vorhandene Alternativen im Gebäude (weitere Aufzüge, Treppen, Rampen). Im Folgenden werden diese Faktoren strukturiert dargestellt, um ein FM-gerechtes Betriebskonzept für Aufzüge mit Fokus auf die Nutzerperspektive zu entwickeln.

Verfügbarkeit aus Sicht der Nutzer im Aufzugsanlagen– FM-Leitfaden für nutzerorientierte Betriebsqualität, Zuverlässigkeit und transparente Kommunikation

Technische vs. subjektive Verfügbarkeit

  • Technische Verfügbarkeit: Anteil der Zeit, in der das Elevator System betriebsbereit ist (z. B. pro Jahr, pro Monat). Diese wird meist in Prozent angegeben und anhand von Betriebs- und Ausfallstunden berechnet. Wartungsverträge definieren häufig Zielwerte – etwa eine technische Verfügbarkeit von ≥ 99 % im Jahresmittel. Allerdings entspricht selbst ein Wert von 99 % noch etwa 3–4 Tagen Stillstand pro Jahr.

  • Nutzerbezogene Verfügbarkeit: Wahrgenommene Erreichbarkeit und Nutzbarkeit der Aufzüge aus Sicht der Benutzer. Sie spiegelt sich in Alltagsaussagen wider wie „Der Aufzug steht oft“, „Morgens nie richtig verfügbar“ oder „Immer belegt“. Hier fließen nicht nur tatsächliche Ausfallzeiten ein, sondern auch Faktoren wie Überlastung, Wartezeit und Vertrauen in die Anlage. Eine Anlage kann technisch eine hohe Verfügbarkeitsquote aufweisen, aber dennoch von den Nutzern als unzuverlässig empfunden werden, wenn Ausfälle in ungünstigen Momenten auftreten oder das System regelmäßig überlastet ist.

Qualitätsziele aus Sicht der Nutzer

Zielbereich

Beschreibung (Basis)

Betriebsbereitschaft

Aufzug funktioniert im Normalbetrieb ohne häufige Störungen.

Erreichbarkeit

Ausfälle sind selten, zeitlich begrenzt und nachvollziehbar.

Planbarkeit

Keine dauerhaften Engpässe zu typischen Nutzerzeiten.

Transparenz

Nutzer wissen bei Störung/Ausfall, was los ist und wie lange es dauert.

Vertrauen

Nutzer erleben die Aufzüge als verlässlich und sicher.

Nutzerorientierte Verfügbarkeit von Aufzügen

Diese Zielbereiche machen deutlich, dass Verfügbarkeit aus Nutzersicht weit mehr umfasst als nur die reinen Betriebszeiten. Neben der funktionalen Zuverlässigkeit (Betriebsbereitschaft) spielen die Kommunikation und Informationsbereitstellung (Transparenz), eine angemessene Kapazität ohne regelmäßige Überlastung (Planbarkeit) sowie das subjektive Sicherheitsgefühl (Vertrauen) eine zentrale Rolle. Ein Aufzug, der selten ausfällt, seine Nutzer aber bei einer Störung im Unklaren lässt, wird anders bewertet als ein Aufzug, bei dem zwar hin und wieder Probleme auftreten, die jedoch professionell gemanagt und schnell behoben werden. Ziel im Facility Management ist es, all diese Aspekte im Gleichgewicht zu halten und so eine möglichst positive Nutzerwahrnehmung der Aufzugsverfügbarkeit zu erreichen.

Häufigkeit und Dauer von Störungen

Ein entscheidender Faktor für die wahrgenommene Verfügbarkeit ist, wie oft und wie lange ein Aufzug außer Betrieb ist. Jede Störung, die als „Aufzug außer Betrieb“ wahrgenommen wird (z. B. durch ein Schild am Gerät), prägt die Nutzerwahrnehmung. Häufen sich solche Ereignisse, entsteht schnell der Eindruck, die Anlage sei „ständig kaputt“. Ebenso wichtig ist die Dauer eines Stillstands: Ein kurzfristiger Ausfall von wenigen Minuten (z. B. durch einen automatischen Neustart der Steuerung) mag von vielen Nutzern gar nicht bemerkt werden, während ein Stillstand über mehrere Stunden oder gar Tage massiv ins Gewicht fällt. Die Tageszeit spielt dabei ebenfalls eine Rolle: Tritt eine Störung in der Hauptnutzungszeit (etwa morgens zur Stoßzeit) auf, sind deutlich mehr Menschen betroffen und die Unzufriedenheit steigt, während eine vergleichbare Störung spätabends oder nachts in einem Bürogebäude von kaum jemandem bemerkt wird. Aus Nutzersicht bedeutet das: Häufigkeit und Timing von Ausfällen sind ebenso relevant wie die reine prozentuale Verfügbarkeit. Facility Manager sollten daher nicht nur die Anzahl der Störfälle im Auge behalten, sondern auch deren zeitliche Verteilung und die Reaktionszeit bis zur Wiederinbetriebnahme. Kurze Entstörzeiten – idealerweise innerhalb von Minuten oder wenigen Stunden – können die negative Wahrnehmung einer Störung mildern, während lang andauernde Ausfälle unmittelbar das Vertrauen in die Anlage erschüttern.

Kapazität vs. Personenaufkommen

Die technische Verfügbarkeit sagt noch nichts darüber aus, ob ein Aufzug den tatsächlichen Andrang bewältigen kann. Ein wichtiger Einflussfaktor aus Nutzersicht ist daher das Verhältnis von Anzahl und Größe der Aufzüge zum realen Verkehrsaufkommen im Gebäude. Ist zu bestimmten Zeiten die Nachfrage höher als die Förderleistung der Aufzüge, kommt es zu Warteschlangen und überfüllten Kabinen – für die Betroffenen fühlt es sich an, als sei der Aufzug „praktisch nie verfügbar“. Ein Beispiel: In einem Hochhaus mit hohem Büroaufkommen können zu Spitzenzeiten (morgens, Mittagspause, Feierabend) selbst voll funktionsfähige Aufzüge nicht jeden Transportwunsch sofort bedienen, wenn zu wenige Anlagen vorhanden sind. Die Nutzer, die mehrere Fahrten abwarten müssen, nehmen dies als eingeschränkte Verfügbarkeit wahr. Ähnliches gilt, wenn Personenaufzüge regelmäßig zweckentfremdet werden, etwa für Waren- oder Möbeltransporte. In solchen Situationen ist der Aufzug zwar technisch in Betrieb, steht den übrigen Nutzern aber zeitweilig nicht zur Verfügung, was die gefühlte Verfügbarkeit senkt. Aus Sicht des Facility Managements ist es daher wesentlich, bereits in der Planung die Aufzugskapazitäten dem Nutzeraufkommen anzupassen und im laufenden Betrieb darauf zu achten, dass z. B. größere Transporte oder Servicefahrten möglichst außerhalb der Stoßzeiten stattfinden (siehe dazu Abschnitt 5.2). Wenn Kapazitätsengpässe auftreten, müssen ggf. organisatorische Maßnahmen ergriffen werden, da auf Nutzerebene ständige Überlastungen genauso schlimm wahrgenommen werden wie technische Defekte.

Bau- und Lagekonzept

Auch die bauliche Auslegung und Positionierung der Aufzüge im Gebäude beeinflussen, wie verfügbar sie den Nutzern erscheinen. Lage der Aufzüge: Sind die Aufzüge zentral und gut auffindbar platziert, werden sie von den Nutzern sofort als Teil der verfügbaren Infrastruktur wahrgenommen. Befinden sich Aufzüge hingegen „versteckt“ in Nebenkernen oder weit vom Haupteingang entfernt, kann dies dazu führen, dass sie weniger genutzt werden oder Neuankömmlinge sie erst suchen müssen – was indirekt die Nutzbarkeit einschränkt. Zahl der Alternativen: Für die Nutzer macht es einen großen Unterschied, ob bei Ausfall eines Aufzugs alternative Fördermöglichkeiten vorhanden sind. In einem Gebäude mit mehreren Aufzügen kann der Ausfall einer einzelnen Kabine teilweise durch die verbleibenden Anlagen kompensiert werden; die Verfügbarkeit für den Einzelnen sinkt hier zwar, aber es besteht weiterhin eine Beförderungsmöglichkeit (ggf. mit etwas längerer Wartezeit). Gibt es nur einen einzigen Aufzug im Gebäude, bedeutet dessen Ausfall dagegen, dass es temporär gar keine Aufzugsnutzung mehr gibt – alle Nutzer sind unmittelbar betroffen. Ähnliches gilt für alternative vertikale Wege: Ist eine Rolltreppe oder eine bequeme Treppe vorhanden, können einige Nutzer diese bei Aufzugproblemen als Ersatz nutzen (sofern körperlich möglich). Ohne solche Alternativen führt jeder Aufzugausfall sofort zu einem vollständigen Verlust der barrierefreien Erreichbarkeit von Etagen. Spezielle Aufzüge (Bettenaufzüge, Serviceaufzüge, Feuerwehraufzüge) und Priorisierung: In manchen Gebäuden existieren unterschiedliche Aufzugstypen für bestimmte Zwecke. So entlastet z. B. ein separater Lasten- oder Serviceaufzug den Publikumsverkehr, indem Lieferungen und Transporte vom Personenaufzug ferngehalten werden. Allerdings stehen solche reservierten Aufzüge den allgemeinen Nutzern nicht zur Verfügung. Wichtig ist hier eine klare Priorisierung und Kommunikation: Wenn z. B. ein Bettenaufzug in einem Krankenhaus primär für Patiententransporte vorgesehen ist, müssen Besucher und Personal darauf Rücksicht nehmen – was im Alltag Wartezeiten bedeuten kann, aber akzeptiert wird, sofern die Regel bekannt und notwendig ist. Insgesamt trägt ein durchdachtes Bau- und Förderkonzept – mit ausreichend Aufzügen an den richtigen Stellen und definierten Nutzungsbereichen – wesentlich dazu bei, dass die Verfügbarkeit aus Nutzersicht gewährleistet ist, selbst wenn einzelne Anlagen ausfallen oder ausgelastet sind.

Betriebs- und Wartungsorganisation

Faktor

Einfluss auf die Nutzerwahrnehmung

Wartungsfenster

Werden Wartungen in Nebenzeiten geplant, verringert dies spürbare Einschränkungen. Erfolgt die Wartung dagegen zur Hauptnutzungszeit, nehmen viele Nutzer den Aufzug als „ständig außer Betrieb“ wahr.

Reaktionszeiten

Wie schnell FM/Wartung auf Störungen reagiert, bestimmt, wie lange ein Ausfall für Nutzer spürbar bleibt. Kurze Reaktions- und Reparaturzeiten (z. B. rasches Eingreifen und Wiederinbetriebnahme) mindern Frust, während stundenlange Wartezeiten die Verfügbarkeit stark beeinträchtigen.

Ersatzkonzepte

Gibt es bei längeren Ausfällen oder Modernisierungen Ausweichmöglichkeiten, verbessert das die Situation deutlich. Ein weiterer Aufzug im Gebäudeteil oder die temporäre Freigabe eines Serviceaufzugs hält die Beförderung aufrecht. Fehlen Alternativen, sinkt die wahrgenommene Verfügbarkeit im Störfall drastisch.

Kommunikation

Proaktive, transparente Nutzerinformation über Störungen oder geplante Abschaltungen erhöht die Akzeptanz. Ein sofort angebrachtes „Außer Betrieb“-Hinweisschild mit Zeitangabe oder eine Benachrichtigung der Mieter stellt sicher, dass niemand unvermittelt vor verschlossener Tür steht – ohne Info hingegen reagieren Nutzer mit Unverständnis.

Nutzerorientiertes Aufzugsmanagement

Ein gut organisiertes Aufzugsmanagement plant Wartungsarbeiten also so, dass sie den Nutzerbetrieb kaum stören, stellt vertraglich kurze Reaktionszeiten im Störungsfall sicher (z. B. durch 24/7-Notdienst und verbindliche Maximalzeiten bis zur Störungsbehebung) und hält notfalls Ersatzlösungen bereit. Ebenso wichtig ist es, Ausfälle und deren Behebung für die Nutzer sichtbar zu machen – sei es durch Aushänge, Durchsagen oder digitale Informationssysteme. All dies trägt dazu bei, die subjektiv empfundene Verfügbarkeit hoch zu halten, selbst wenn objektiv einmal eine Anlage ausfallen sollte.

Typische Nutzersituationen

  • Büro: Morgen- und Mittagsspitzen sowie der Feierabend bedeuten geballten Andrang. Viele Beschäftigte wollen nahezu gleichzeitig in obere Stockwerke gelangen oder das Gebäude verlassen. Ein Aufzug muss in diesen Peaks große Personenströme bewältigen; längere Wartezeiten oder Ausfälle werden hier besonders kritisch gesehen, da sie Termine und Abläufe verzögern. Auch bei Konferenz- oder Veranstaltungsende kann es schlagartig Stau vor den Aufzugtüren geben.

  • Klinik/Pflege: Patienten-, Besucher- und Personalströme halten Aufzüge in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen ständig in Bewegung. Zusätzlich gibt es zeitkritische Transporte (z. B. in OP, Notaufnahme), für die Aufzüge unverzichtbar sind. Ein Engpass oder Defekt kann hier nicht nur Unmut auslösen, sondern Abläufe direkt beeinträchtigen (z. B. Verzögerung im OP-Plan). Besuchszeiten am Nachmittag, Schichtwechsel des Personals oder Essensrunden erzeugen eigene Stoßzeiten – entsprechend hoch sind die Anforderungen an Zuverlässigkeit und Kapazität, oft mit priorisierten Aufzügen für Betten oder Notfälle.

  • Hotel/Handel: Check-in und Check-out-Zeiten in Hotels führen zu kurzzeitigen Spitzen, wenn viele Gäste mit Gepäck die Aufzüge nutzen wollen. Ähnliches gilt in Einkaufszentren oder bei Messe/Veranstaltungen: Zu Öffnungsbeginn oder nach Ende eines Events strömt eine große Menge Besucher gleichzeitig. Hier müssen die Aufzüge vorübergehend ein Vielfaches des normalen Verkehrs bewältigen. Ist ein Aufzug dann defekt oder zu langsam, bilden sich sofort Warteschlangen – die Kunden nehmen dies sehr negativ wahr, da Komfort und Zeitplan leiden.

  • Wohnen: In Wohngebäuden verteilen sich Fahrten zwar individueller über den Tag, doch auch hier gibt es Muster. Morgens verlassen viele Bewohner zur Arbeit das Haus (Aufzugsbedarf steigt), abends kehren alle zurück (erneute Spitze). Wenn der Aufzug in diesen Kernzeiten streikt oder überfüllt ist, empfinden es die Bewohner als erhebliche Einschränkung. Zudem können einzelne Nutzungen den Aufzug lange belegen (z. B. Umzüge, Möbellieferungen), was Nachbarn als temporär „nicht verfügbar“ wahrnehmen. Hier hilft es, solche Sondereinsätze anzukündigen und nach Möglichkeit außerhalb der Stoßzeiten zu legen.

Indikatoren für ausreichende bzw. unzureichende Verfügbarkeit

Beobachtung im Alltag

Mögliche Nutzerbewertung der Verfügbarkeit

Kurze und gleichmäßige Wartezeiten

„Aufzüge funktionieren, alles in Ordnung.“

Seltenes „Außer Betrieb“-Schild

„Aufzüge sind zuverlässig, kaum Ausfälle.“

Kein Stau vor Aufzügen zu Spitzenzeiten

„Genügend Aufzüge vorhanden / kaum Überfüllung.“

Seltene Notruf- oder Türstörungen

„Anlage läuft störungsfrei und sicher.“

Gute Information bei seltenem Ausfall

„Probleme kommen vor, aber werden professionell gemanagt.“

Häufig lange Wartezeiten zu Kernzeiten

„Man muss ständig ewig warten – offenbar zu wenige/zu langsame Aufzüge.“

Regelmäßig ‚Außer Betrieb‘-Schilder

„Aufzüge sind ständig kaputt – unzuverlässig.“

Stau vor Aufzügen zu Stoßzeiten

„Immer überfüllt / Kapazität reicht nicht aus.“

Häufige Notruf- oder Türstörungen

„Anlage hat ständig technische Probleme – unsicher.“

Keine Information bei Ausfällen

„Bei Störungen steht man im Regen – schlechtes Management.“

Für das Facility Management dienen solche Rückmeldungen und Beobachtungen als wichtige Hinweise. Zeigen sich vermehrt negative Indikatoren – etwa regelmäßig Warteschlangen oder häufige „Außer Betrieb“-Schilder –, besteht Handlungsbedarf, um die Verfügbarkeit zu verbessern. Umgekehrt signalisieren positive Indikatoren (kurze Wartezeiten, seltene Störungen, entspannte Nutzer), dass das Betriebskonzept funktioniert. Wichtig ist, dass neben den harten Kennzahlen auch diese „weichen“ Faktoren ernst genommen werden: Die subjektive Zufriedenheit der Nutzer spiegelt sich letztlich in Beschwerden, im Image des Gebäudes und sogar in der Bereitschaft wider, dem Betreiber weitere Dienste anzuvertrauen.

Besonderer Blick auf vulnerabile Nutzergruppen

Ein Aufzugsausfall trifft nicht alle Nutzer gleichermaßen. Besonders Personen mit eingeschränkter Mobilität – z. B. Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte oder gebrechliche ältere Menschen, aber auch Eltern mit Kinderwagen – sind stärker von der Aufzugsverfügbarkeit abhängig. Für sie wird jeder Ausfall schnell zu einem gravierenden Mobilitätsproblem: Treppen sind keine Alternative, sodass betroffene Personen bei einem Defekt faktisch an der Fortbewegung gehindert werden. Entsprechend wirken Ausfälle oder Unzuverlässigkeiten überproportional negativ auf diese Gruppe. Schon eine vorübergehende Außerbetriebnahme (etwa für Wartung) kann dazu führen, dass ein Rollstuhlnutzer seine Wohnung in einem oberen Stockwerk zeitweise nicht verlassen kann. Die Toleranzschwelle gegenüber Störungen ist hier verständlicherweise sehr niedrig – was bei der Bewertung der Verfügbarkeitsqualität berücksichtigt werden muss. Aus Sicht des FM bedeutet das: Es sind besondere Vorkehrungen zu treffen, um die Auswirkungen von Ausfällen auf vulnerable Gruppen zu minimieren. Dies reicht von möglichst schnellen Entstörzeiten (damit z. B. eingeschlossene oder auf den Aufzug angewiesene Personen rasch geholfen wird) über alternative Hilfen (im Notfall personelle Unterstützung beim Treppenüberwinden) bis hin zur proaktiven Kommunikation. Beispielsweise sollten mobilitätseingeschränkte Mieter rechtzeitig über geplante Wartungsabschaltungen informiert werden, um ihren Tag entsprechend organisieren zu können. Insgesamt ist die zuverlässige Verfügbarkeit der Aufzüge ein entscheidender Faktor dafür, dass alle Nutzer – unabhängig von körperlichen Einschränkungen – gleichberechtigt am Gebäudeleben teilhaben können.

Technische und organisatorische Grundstrategien

  • Angemessene Wartung und Inspektion: Ein systematisches Instandhaltungsprogramm stellt sicher, dass die Anlagen langfristig im Soll-Zustand bleiben. Dazu gehören herstellerkonforme Wartungsintervalle und regelmäßige Sicherheitsprüfungen durch zugelassene Überwachungsstellen gemäß Betriebssicherheitsverordnung. Durch vorbeugende Wartung und rechtzeitigen Austausch von Verschleißteilen werden Ausfälle von vornherein minimiert. Wichtig ist, dass Wartungsarbeiten gründlich durchgeführt und dokumentiert werden – jeder Wartungsmangel kann später zu einer Störung führen, die den Nutzern auffällt.

  • Schnelle Entstörung und verbindliche Reaktionszeiten: Trotz sorgfältiger Wartung lassen sich Störungen nie ganz ausschließen. Entscheidend ist dann, wie schnell reagiert wird. Mit dem Aufzug-Dienstleister sollten klare Service Level (SLA) vereinbart werden, die kurze Reaktions- und Entstörzeiten festschreiben. Beispielsweise muss bei einem Ausfall ohne Personeneinschluss innerhalb eines bestimmten Zeitfensters ein Techniker vor Ort sein, während bei Notrufen (eingeschlossene Person) eine Befreiung innerhalb von 30 Minuten erfolgt (wie in TRBS 3121 vorgegeben). Eine 24/7-Notdienstbereitschaft mit Fernüberwachung stellt sicher, dass auch außerhalb der Geschäftszeiten unverzüglich auf Probleme reagiert wird. Je kürzer die durchschnittliche Reparaturdauer, desto weniger stark wird ein Ausfall im Alltag der Nutzer spürbar.

  • Wartung in Nebenzeiten planen: Um die Verfügbarkeit zu den typischen Nutzungszeiten hochzuhalten, werden Wartungsarbeiten und regelmäßige Prüfungen möglichst in verkehrsarmen Zeiten angesetzt. In Bürogebäuden z. B. früh morgens, spät abends oder am Wochenende; in Wohnhäusern ggf. vormittags, wenn viele Bewohner außer Haus sind. Dadurch nehmen nur wenige Nutzer die vorübergehende Außerbetriebnahme wahr. Wartungspläne werden zudem nach Möglichkeit mit dem Nutzerkalender abgestimmt und vorab angekündigt, damit Aufzug-abhängige Personen sich darauf einstellen können.

  • Temporäre Kapazitätskompensation: Sollte ein wichtiger Aufzug doch einmal längere Zeit ausfallen (etwa wegen einer größeren Reparatur oder Modernisierung), sorgt das FM nach Möglichkeit für Ersatz. Beispielsweise kann ein normalerweise reservierter Lasten- oder Serviceaufzug während dieser Phase für den allgemeinen Publikumsverkehr freigegeben werden, um den Personentransport aufrechtzuerhalten. In größeren Gebäuden mit mehreren Anlagen werden Ausfälle so weit wie möglich durch die verbleibenden Aufzüge abgefedert, etwa durch Umleitung der Nutzerströme. Ziel ist stets, die Auswirkungen eines Ausfalls für die Nutzer so gering wie möglich zu halten.

  • Moderne Überwachung und Prognose nutzen: Die Verfügbarkeitsstrategie wird zunehmend durch digitale Tools unterstützt. Vernetzte Aufzugssysteme mit Ferndiagnose und Sensorik melden Abweichungen vom Normalbetrieb sofort an die Leitstelle. Dies ermöglicht eine vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance): Anbahnende Störungen (z. B. Verschleiß an Türschließern) werden frühzeitig erkannt und behoben, bevor es zum Ausfall kommt. Solche Maßnahmen reduzieren ungeplante Stillstände weiter und erhöhen aus Nutzersicht die erlebte Zuverlässigkeit.

Nutzungskonzepte und Betriebsregeln

Ansatzfeld

Beispiele (Basisniveau)

Trennung von Verkehr

Separater Lasten- bzw. Serviceaufzug für Lieferungen, Mülltransport etc., um die Personenaufzüge zu entlasten. Personen- und Güterverkehr werden organisatorisch getrennt.

Zeitliche Steuerung

Service- und Transportfahrten (Reinigung, interner Warentransport) finden nur außerhalb der Stoßzeiten statt. Beispielsweise werden Müllcontainer frühmorgens bewegt, bevor Publikumsverkehr einsetzt.

Priorisierung

Festlegung, für wen bestimmte Aufzüge vorrangig sind. Z. B. hat ein Bettenaufzug im Krankenhaus höchste Priorität für Patiententransporte – Besucher müssen ggf. warten. In Bürogebäuden kann ein Aufzug morgens ausschließlich für den Expressverkehr in obere Etagen reserviert werden.

Fehlbedienung reduzieren

Hinweise zum richtigen Verhalten (Piktogramme, Beschilderung) und einfache Regeln helfen, Störungen durch Nutzerfehler zu vermeiden. Z. B. Türen nicht gewaltsam aufhalten, maximale Personen-/Lastangaben einhalten, Notrufknopf nur im Ernstfall drücken.

Durch solche betriebliche Regeln wird die effektive Verfügbarkeit der Aufzüge verbessert. Die Trennung der Verkehrsströme stellt sicher, dass Lieferungen oder Servicearbeiten den normalen Passagierbetrieb nicht beeinträchtigen. Eine zeitliche Entzerrung von nicht dringenden Fahrten verhindert, dass ausgerechnet in Stoßzeiten ein Aufzug lange blockiert ist. Priorisierungen garantieren, dass kritische Transporte (Krankenliegen, Feuerwehr-Einsatz) im Ernstfall nicht aufgehalten werden – was indirekt auch allen Nutzern zugutekommt, da Abläufe reibungsloser funktionieren. Und nicht zuletzt senkt die Reduktion von Fehlbedienungen die Störanfälligkeit: Wenn z. B. durch Aufklärung verhindert wird, dass immer wieder Notrufe missbräuchlich ausgelöst oder Türen blockiert werden, steigt die tatsächliche Verfügbarkeit der Anlage. Das Facility Management sollte diese Regeln transparent kommunizieren und durchsetzen, um die Nutzererfahrung zu optimieren.

Kommunikation und Nutzerinformation

Ein oft unterschätzter Faktor für die Nutzungsqualität ist die Kommunikation im Umgang mit dem Aufzugsbetrieb. Transparenz gegenüber den Nutzern schafft Verständnis und Vertrauen – insbesondere in Störungssituationen. Konkret sollte ein professionelles FM-Konzept für Aufzüge folgende Kommunikationsmaßnahmen vorsehen:

Bei ungeplanten Ausfällen gilt: Die Nutzer müssen sofort und sichtbar informiert werden. Direkt an der Aufzugstür wird ein deutliches Schild oder eine digitale Anzeige angebracht: „Außer Betrieb – voraussichtlich wieder funktionsbereit ab …“. So wissen die Wartenden sofort, dass und warum der Aufzug nicht verfügbar ist, und können sich darauf einstellen (z. B. einen anderen Aufzug oder die Treppe nutzen). Zusätzlich sollte – wo vorhanden – das Empfangs- oder Sicherheitspersonal informiert werden, damit es Nutzerfragen beantworten und auf Alternativen verweisen kann. Wichtig ist auch der Hinweis auf Ausweichrouten: Etwa ein Pfeil „Zu den nächsten Aufzügen ->“ oder „Bitte Aufzug B im Nachbargebäude benutzen“ stellt sicher, dass niemand ratlos vor einem gesperrten Aufzug steht.

Bei geplanten Einschränkungen (z. B. Wartungsarbeiten, Modernisierung) ist eine proaktive Vorab-Information entscheidend. Die Gebäudenutzer sollten rechtzeitig erfahren, wann und wie lange ein Aufzug außer Betrieb sein wird. Dies erfolgt über Aushänge an prominenter Stelle, über Mieterinformationen oder – in modernen Organisationsformen – via E-Mail, Intranet oder Push-Nachricht. Wichtig ist, dass die Information früh und umfassend erfolgt: „Aufzug 2 wird von 5.–7. Oktober wegen Modernisierung außer Betrieb genommen. Bitte nutzen Sie in dieser Zeit Aufzug 1 und 3. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“ Solche Hinweise ermöglichen es insbesondere den auf den Aufzug angewiesenen Personen, Alternativen zu planen (z. B. Besorgungen vorab erledigen oder Hilfe organisieren). Während der Maßnahme selbst sollte der Status („Modernisierung im Gange“) ebenfalls klar kenntlich gemacht sein.

Generell gilt: Eine offene Kommunikationskultur rund um die Aufzüge – vom Hinweis „Bei Fragen oder Problemen wenden Sie sich an das Facility Management (Tel.…)“ bis zur transparenten Nachberichterstattung („Ursache der Störung war …, die Reparatur ist abgeschlossen“) – trägt wesentlich dazu bei, dass Nutzer Ausfälle zwar als lästig, aber als professionell gemanagt und daher entschuldbar betrachten. Das Gefühl, informiert zu sein, mildert den Ärger und schafft Vertrauen darin, dass der Betreiber die Verfügbarkeitsqualität im Griff hat.

Kennzahlen mit Nutzerbezug

Kennzahl

Bezug zur Nutzerwahrnehmung

Technische Verfügbarkeit (%)

Basis-KPI aus Wartungs-/Steuerungsdaten. Hohe Verfügbarkeit (z. B. ≥ 99 %) ist Grundlage für Zuverlässigkeit, allerdings müssen Ausfälle hinsichtlich Zeitpunkt und Umfang betrachtet werden (siehe unten).

Störungsanzahl / Monat

Häufigkeit wahrnehmbarer Ausfälle pro Monat. Jede Störung beeinträchtigt Nutzer; eine steigende Häufigkeit führt schnell zu Unzufriedenheit. Diese Kennzahl lässt Muster erkennen (treten viele Störungen in einem bestimmten Aufzug oder Zeitraum auf?) und erlaubt Benchmarking.

Mittlere Entstörzeit

Durchschnittliche Dauer, bis ein Ausfall behoben ist (von der Meldung bis zur Wiederinbetriebnahme). Je kürzer diese Zeit, desto weniger lang müssen Nutzer auf den Aufzug verzichten. Eine geringe mittlere Entstörzeit steht für effiziente Serviceabläufe und verbessert die Nutzererfahrung deutlich.

Beschwerdequote

Anzahl relevanter Beschwerden zu Verfügbarkeit/Wartezeit pro Zeitraum. Dieser „weiche“ Indikator zeigt, wie oft und in welchem Ausmaß Nutzer Unzufriedenheit äußern. Eine steigende Beschwerdequote erfordert Ursachenanalyse (z. B. wiederholte Ausfälle, mangelhafte Information) und Gegenmaßnahmen.

Diese Kennzahlen verbinden technische Betriebsdaten mit der Nutzerperspektive. So ist eine hohe prozentuale Verfügbarkeit zwar erstrebenswert, doch wenn im gleichen Zeitraum ungewöhnlich viele Störungen auftraten oder die Entstörzeiten sehr lang waren, wird sich das in einer erhöhten Beschwerdequote widerspiegeln. Umgekehrt kann eine nahezu störungsfreie Anlage mit schnellen Serviceeinsätzen auch bei etwas geringerer nomineller Verfügbarkeit (z. B. durch eine geplante Modernisierungsabschaltung) von den Nutzern positiv beurteilt werden, wenn die Umstände klar kommuniziert wurden und Alternativen vorhanden waren. Das FM sollte daher regelmäßig ein Set dieser KPIs erheben und im Zusammenhang interpretieren. Besonders die Beschwerdequote bzw. Zufriedenheitswerte (etwa aus Umfragen) geben Aufschluss darüber, ob aus Nutzersicht Handlungsbedarf besteht.

Datenerhebung und Auswertung

  • Technische Stör- und Betriebsdaten: Moderne Aufzüge protokollieren Ereignisse (Störungen, Sicherheitsansprechen, Betriebszeiten). Diese Logs sowie Wartungs- und Prüfberichte liefern objektive Informationen über Ausfälle, Stillstandszeiten und technische Probleme.

  • Beobachtungen des Personals: Hausmeister, Empfangs- oder Sicherheitsdienst und Reinigungskräfte bemerken im Alltag z. B., wenn sich regelmäßig Schlangen bilden oder Nutzer sich über Wartezeiten beklagen. Solche Beobachtungen vor Ort ergänzen die Zahlen um ein Stimmungsbild.

  • Nutzerfeedback: Alle eingehenden Meldungen und Beschwerden der Mieter, Mitarbeiter oder Besucher zum Aufzugsbetrieb sollten systematisch erfasst werden (z. B. in einem Ticketsystem). Auch gezielte Befragungen zur Zufriedenheit können hilfreiche Hinweise liefern. So erfährt man aus erster Hand, wo Nutzer Probleme sehen.

Durch Auswertung und Kombination dieser Daten lassen sich Muster und Problemfelder identifizieren. Oft zeigen sich bestimmte Hotspots – etwa einzelne Aufzüge, die überproportional viele Störungen haben, oder Zeiten, in denen regelmäßig Engpässe auftreten. Vielleicht fällt auf, dass in Gebäudeteil A ein Lift morgens chronisch überlastet ist, während im Teil B Kapazität frei bleibt – hier kann man ansetzen, z. B. durch Umlenkung der Nutzerströme oder organisatorische Maßnahmen. Oder die Analyse zeigt, dass eine bestimmte Komponente (etwa der Türsensor) wiederholt ausfällt – dann kann gezielt eine technische Lösung (Austausch/Upgrade) geplant werden. Entscheidend ist, die Daten nicht nur zu sammeln, sondern aktiv auszuwerten und mit dem subjektiven Nutzereindruck abzugleichen.

Maßnahmensteuerung und Reporting

  • Maßnahmen ableiten: Zeigen die Analysen Schwachstellen, werden gezielt Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet. Dies kann organisatorisch sein (z. B. geänderte Reinigungszeiten, personelle Unterstützung in Stoßzeiten), technisch (z. B. vorgezogene Modernisierung einer störanfälligen Anlage, zusätzliche Aufzugskapazität) oder kommunikativ (z. B. intensivere Nutzerinformation, Aufzug-Newsletter). Jeder identifizierte Faktor für reduzierte Verfügbarkeit sollte mit einem Maßnahmenplan verknüpft werden.

  • Dokumentation und Reporting: Die Verfügbarkeits-KPIs und umgesetzten Maßnahmen werden regelmäßig im FM-Bericht dokumentiert – z. B. in einem monatlichen oder quartalsweisen Report. Darin können Kennzahlen grafisch aufbereitet, Trends verdeutlicht und die Wirkung von Verbesserungen dargestellt werden. Dieses Reporting schafft Transparenz gegenüber dem Auftraggeber und dient der internen Kontrolle.

  • Rückkopplung in Verträge und Planung: Erkenntnisse aus dem Monitoring fließen zurück in strategische Entscheidungen. Wenn z. B. die vereinbarte Reaktionszeit mit dem Wartungsanbieter regelmäßig nicht eingehalten wird, muss der SLA angepasst oder der Dienstleister gewechselt werden. Zeigen die Daten, dass ein bestimmter Aufzug den Nutzungsbedarf nicht mehr erfüllt (z. B. permanente Überlast in Spitzenzeiten), beeinflusst das die Investitionsplanung – etwa den Einbau eines zusätzlichen Aufzugs oder eine Steuerungsoptimierung. Auch bei Modernisierungsprojekten oder Änderungen im Gebäudenutzungskonzept sollten die gewonnenen Erkenntnisse berücksichtigt werden, um die Aufzugsverfügbarkeit künftig optimal sicherzustellen.

Durch diesen Regelkreis – Messen, Auswerten, Verbessern – wird die Verfügbarkeit aus Nutzersicht kontinuierlich optimiert. Das Facility Management kann so nicht nur auf Störungen reagieren, sondern proaktiv die Qualität des Aufzugbetriebs steigern und hält das Elevator System im Sinne der Nutzer zuverlässig und leistungsfähig.