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Allgemeine betriebliche Eigenschaften

Facility Management: Aufzugsmanagement » Aufzüge » Allgemeine betriebliche Eigenschaften

Allgemeine betriebliche Eigenschaften von Aufzugsanlagen grafisch dargestellt

Bedeutung allgemeiner betrieblicher Eigenschaften von Aufzügen

Unter „allgemeinen betrieblichen Eigenschaften“ eines Aufzugssystems versteht man die grundlegenden Leistungs‐ und Verhaltenseigenschaften im Alltagsbetrieb. Dazu zählen insbesondere Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit, Förderleistung (Beförderungskapazität), Tür- und Fahrverhalten (Beschleunigung, Haltegenauigkeit), Geräusch- und Energieverhalten, Wartungsfreundlichkeit sowie die Betriebsstabilität. Aus Sicht des Facility Managements bilden diese Faktoren gleichsam die Betriebs-DNA des Aufzugs – sie bestimmen, ob die Anlage im Gebäude als sicher, komfortabel, verlässlich und wirtschaftlich wahrgenommen wird.

Ein präzises Wissen über diese betrieblichen Eigenschaften und die aktive Steuerung derselben versetzt das Facility Management in die Lage, die Servicequalität klar zu definieren, Betriebs- und Störungskennzahlen sinnvoll zu interpretieren, Wartungsverträge zielgerichtet zu gestalten und Entscheidungen zu Modernisierungen fundierter zu treffen. Mit anderen Worten: Wer die „Betriebs-DNA“ seines Aufzuges kennt und beeinflusst, kann den Aufzugsbetrieb nicht nur überwachen, sondern proaktiv optimieren.

Allgemeine betriebliche Eigenschaften von Aufzügen

Einordnung – Was sind „allgemeine betriebliche Eigenschaften“ im FM-Kontext?

Im Facility-Management-Kontext steht nicht ein einzelnes Bauteil im Fokus, sondern das Gesamterlebnis und Gesamtverhalten der Aufzugsanlage im täglichen Betrieb. Es geht also um die Summe der Eigenschaften, die ein Aufzug im Normalbetrieb aufweist und die von Nutzern, Betreibern und Technikern wahrgenommen werden.

Diese lassen sich in vier übergeordnete Eigenschaftsgruppen gliedern:

Eigenschaftsgruppe

Beispiele (Basis)

FM-Relevanz

Leistungs- & Verkehrsverhalten

Förderleistung, Wartezeiten, Kapazitätsnutzung

Servicequalität, Nutzerzufriedenheit, richtige Dimensionierung der Anlage

Betriebsstabilität

Verfügbarkeit, Störanfälligkeit, Wiederanlaufverhalten

Planbarkeit des Betriebs, Steuerung von SLA, Risikomanagement

Komfort & Wahrnehmung

Fahrkomfort, Geräuschpegel, Türverhalten, Kabinenklima

Image des Gebäudes/Betreibers, Beschwerden, Nutzerakzeptanz

Ressourcen & Wartung

Energieverbrauch, Wartungsaufwand/Wartbarkeit, Ersatzteilbedarf

OPEX-/CAPEX-Steuerung (Betriebs- und Investitionskosten), Lebensdauer, Nachhaltigkeit

Diese Eigenschaftsgruppen bilden den Rahmen, in dem das Facility Management Anforderungen, Ziele und Maßnahmen für den Aufzugsbetrieb definiert. Indem man die Leistung und Qualität eines Aufzugs in diese Kategorien unterteilt, lassen sich Betreibervorgaben und Optimierungsansätze strukturieren – von der Kapazitätsplanung bis zur Instandhaltungsstrategie.

Bedeutung für Sicherheit und Sorgfaltspflicht

Auch wenn die Sicherheit eines Aufzugs primär durch konstruktive Sicherheitsmechanismen und Normen (z.B. Notbremssysteme, Türschließkräfte gemäß EN 81) gewährleistet wird, hängt das praktische Sicherheitsniveau im Betrieb stark von den allgemeinen betrieblichen Eigenschaften ab. Ruckartige Fahrten, ungenaue Haltepositionen (Halteversatz von der Etage), zu schnelle oder „aggressive“ Türbewegungen sowie dauerhaft überfüllte Kabinen oder ständig belegte Zugangsbereiche erhöhen das Risiko von Stolperunfällen, Quetschungen und Konflikten unter den Nutzern. Ein Facility Manager, der diese Eigenschaften aufmerksam überwacht, kann Grenzbereiche erkennen – zum Beispiel eine ungewöhnlich hohe Türschließgeschwindigkeit oder häufige Abweichungen in der Haltegenauigkeit – und sie in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen.

Im Rahmen der Betreiberpflichten (u.a. gemäß Betriebssicherheitsverordnung und TRBS 3121) besteht eine Sorgfaltspflicht, den Aufzug sicher zu betreiben. Dazu gehört, im Zweifelsfall gemeinsam mit dem Wartungsdienstleister Parameter anzupassen (etwa die Türschließzeit zu verlängern oder die Beschleunigungsrampe flacher einzustellen) oder organisatorische Maßnahmen zu ergreifen (z.B. Zugangsbegrenzung bei Überlast, geordnete Warteschlangen im Spitzenverkehr). So wird die formal geregelte Sorgfaltspflicht in konkrete, gelebte Sicherheit übersetzt. Ein sanfter, berechenbarer Aufzugsbetrieb mit angemessenen Geschwindigkeiten und zuverlässiger Nivellierung minimiert Unfälle – weit über das hinaus, was reine Normerfüllung auf dem Papier garantiert.

Bedeutung für Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Betriebsstabilität

Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit sind zentrale allgemeine Betriebseigenschaften eines Aufzugs: Wie oft ist die Anlage tatsächlich einsatzbereit (Betriebszeit/Uptime), und wie häufig treten Störungen oder Ausfälle auf? Zudem spielt die Betriebsstabilität eine Rolle – also wie robust der Betrieb unter atypischen Bedingungen ist (z.B. bei Spitzenlast oder nach Netzunterbrechungen).

Für das Facility Management ist die Kenntnis dieser Eigenschaften die Grundlage für eine Reihe wichtiger Aufgaben:

  • Realistische Leistungsbewertung: Anstatt sich auf subjektive Eindrücke („der Aufzug ist ständig kaputt“) zu verlassen, ermöglichen gemessene Verfügbarkeits- und Störungsdaten eine objektive Bewertung der Anlagenperformance.

  • Wartungsplanung: Die Häufigkeit und Art von Störungen beeinflusst die Planung von Wartungsintervallen und Servicefenstern. Eine Anlage mit häufigen Ausfällen erfordert intensivere Betreuung oder kürzere Intervalle, um die Verfügbarkeit hochzuhalten.

  • Priorisierung von Budgets und Modernisierungen: Durch Vergleich der Zuverlässigkeitskennzahlen lassen sich „Problemaufzüge“ identifizieren, die überdurchschnittlich unzuverlässig laufen. Diese können bei der Budgetverteilung für Instandsetzung oder Modernisierung priorisiert werden.

Nachfolgend werden einige Aspekte des Aufzugsbetriebs den entsprechenden allgemeinen Eigenschaften und dem FM-Nutzen gegenübergestellt:

Betriebsaspekt

Rolle der allgemeinen Eigenschaften

FM-Nutzen

Verfügbarkeit (Uptime)

Maß für die tatsächliche Nutzbarkeit der Anlage über die Soll-Betriebszeit hinweg (in % der Zeit betriebsbereit)

Steuerung von SLA-Vorgaben, objektives Reporting über Ausfallszeiten

Störungsprofil

Art, Häufigkeit und Muster der auftretenden Ausfälle (z.B. häufige Türstörungen, Elektronikfehler)

Gezielte Maßnahmen statt „Gießkannenprinzip“ – z.B. Fokus auf Ursachenbeseitigung der häufigsten Störungen

Betriebsstabilität

Verhalten der Anlage bei Spitzenlast (Volllast, hohes Verkehrsaufkommen) und nach Störungen oder Wiederanlauf nach Not-Halt

Höhere Planbarkeit des Betriebs, weniger Betriebsrisiko durch Vorbereitung auf Ausnahmezustände

Anhand solcher Kennzahlen kann das FM Service Level Agreements (Verfügbarkeitsgarantien etc.) überwachen und Partnerunternehmen bewerten. Zudem schafft eine Datenbasis über Verfügbarkeit und Ausfälle intern Transparenz: Das Management erkennt, wo Eingriffe nötig sind, und Nutzerkommunikation kann mit Fakten untermauert werden („Ausfallzeit im letzten Quartal nur 0,5%, entspricht ca. 11 Stunden“). Insgesamt ermöglicht dieses Wissen einen proaktiven Umgang mit dem Aufzugsbetrieb, bevor Unzufriedenheit oder Sicherheitsrisiken entstehen.

Bedeutung für Kapazität, Verkehrsqualität und Dimensionierung

Förderleistung, Kabinengröße, Geschwindigkeit, Türzyklen und Steuerungslogik ergeben zusammen die allgemeine Leistungsfähigkeit eines Aufzugsystems. Diese betrieblichen Leistungs-Eigenschaften müssen zur realen Gebäudenutzung passen. Beispielsweise stellen Bürogebäude andere Anforderungen (hohe Verkehrsaufkommen zu Spitzenzeiten morgens/mittags) als Wohngebäude oder Krankenhäuser (Bettenverkehr, kontinuierlicher 24h-Betrieb).

Kennt das Facility Management diese Zusammenhänge, kann es:

  • Kapazitätsengpässe quantifizieren: Statt pauschaler Aussagen („zu wenig Aufzüge“ oder „alles zu langsam“) können mittels Fahrtdaten, Zähler und Wartezeitmessungen konkrete Engpasszeiten und -ausmaße ermittelt werden. Z.B. lässt sich feststellen, dass die durchschnittliche Wartezeit zur Hauptverkehrszeit 45 Sekunden beträgt und Spitzenwartezeiten von über 2 Minuten auftreten.

  • Organisatorisch gegensteuern: Basierend auf diesen Erkenntnissen können Maßnahmen ergriffen werden, um den Verkehr zu entzerren. Zum Beispiel werden interne Transporte oder Lieferfahrten nach Möglichkeit außerhalb der Stoßzeiten verlegt, oder man implementiert ein Zugangsmanagement in Spitzenzeiten (etwa Aufzüge reservieren oder gezielt ansteuern). Auch Hinweise an Nutzer („Bitte Aufzug B für Lastentransporte nutzen“) können dazu gehören.

  • Fundiert argumentieren bei baulichen/technischen Maßnahmen: Sollten organisatorische Anpassungen nicht ausreichen, liefert die Kenntnis der betrieblichen Kapazitätsdaten eine belastbare Grundlage für Investitionsentscheidungen. Etwa kann das FM anhand erhobener Daten plausibel darlegen, warum ein zusätzlicher Aufzugsschacht nötig ist oder ein vorhandener Serviceaufzug für den Publikumsverkehr mitgenutzt werden sollte. Die Diskussion über „zu wenige oder zu langsame Aufzüge“ wird so vom Bauchgefühl auf die Ebene konkreter betrieblicher Kennzahlen verlagert.

Hinweis:

Im Ergebnis kann das Facility Management durch das Verständnis der Verkehrsqualität sicherstellen, dass die Aufzüge dem Nutzungsprofil des Gebäudes entsprechen. Überlastsituationen werden früh erkannt und entweder durch Managementmaßnahmen oder durch Planung zusätzlicher Kapazitäten entschärft. Dadurch steigt die Zufriedenheit der Nutzer, und Spitzenzeiten lassen sich mit weniger Stress und Risiko bewältigen.

Bedeutung für Energieeffizienz und Betriebskosten

Allgemeine betriebliche Eigenschaften wie Fahr- und Türparameter, Auslastungsgrad, Fahrstrategien (z.B. Parketagen bei Nichtbenutzung, intelligente Gruppensteuerung) sowie das Stand-by-Verhalten und die technische Auslegung wirken direkt auf den Energieverbrauch eines Aufzugs. So verbraucht ein Aufzug Energie sowohl während der Fahrten (für Antrieb, Türmotoren, Beleuchtung) als auch im Stillstand (Beleuchtung, Lüftung, Steuerungsbereitschaft). Ebenso beeinflussen Störungs- und Wartungsprofile die laufenden Betriebskosten – häufige Ausfälle treiben Reparaturkosten und können Folgeschäden verursachen, während eine schonende Betriebsweise Verschleiß reduziert.

Nachstehend einige Zusammenhänge zwischen Kosten/Ressourcen und den Betriebseigenschaften:

Kosten-/Ressourcenthema

Zusammenhang mit Betriebseigenschaften

FM-Relevanz

Energieverbrauch

Fahrprofile (Beschleunigungs- und Fahrzeiten), Lastprofile (Häufigkeit von Voll- oder Teillast), Stand-by-Verhalten (Abschalten von Kabinenlicht, Lüftern etc. bei Nichtgebrauch)

Ansatzpunkte für Effizienzmaßnahmen erkennen (z.B. optimierte Steuerungsmodi, Abschaltung nicht benötigter Verbraucher)

Wartungsaufwand

Störanfälligkeit der Komponenten, Beanspruchung durch intensiven oder unsanften Betrieb, Anzahl der Fahrten pro Jahr

Planung der OPEX (Wartungs- und Reparaturkosten) und bessere Verhandlung von Wartungsverträgen; vorausschauende Ersatzteilbevorratung

Lebensdauer

„Schonender“ vs. „harter“ Betrieb (z.B. weiche Fahrkurven, Vermeidung ständiger Überlastfahrten, gute Pflege)

CAPEX-Planung und Erneuerungsstrategie: längere Nutzungsdauer durch pfleglichen Betrieb, gezielte Modernisierung bei abnehmender Performance

Bedeutung für Vertragsgestaltung, SLAs und Kennzahlensysteme

Wartungs- und Serviceverträge für Aufzugsanlagen werden in der Praxis oft anhand von allgemeinen Betriebseigenschaften gesteuert. Typische vertraglich vereinbarte Kennzahlen sind zum Beispiel: eine Mindest-Verfügbarkeit in Prozent, eine maximal zulässige Störungshäufigkeit pro Jahr, verbindliche Reaktions- und Reparaturzeiten bei Ausfällen, eine Obergrenze für Türstörungen oder die Anzahl erlaubter geplanter (und ungeplanter) Stillstände. Solche Kennzahlen bilden die Grundlage für Service Level Agreements (SLAs) und die Leistungsmessung des Servicepartners.

Die folgende Tabelle zeigt den Bezug einiger Vertrags- und Steuerungsfelder zu den betrieblichen Eigenschaften und den Nutzen für das FM:

Vertrags-/Steuerungsfeld

Bezug zu allgemeinen Eigenschaften

FM-Nutzen

SLAs / KPIs

z.B. Verfügbarkeit der Anlage in %, maximale Störungsrate, Reaktionszeit des Service bei Ausfall

Messbare Servicequalität und klare Erwartungshaltung an Dienstleister

Leistungsbewertung

Vergleich der Ist-Werte (tatsächliche Verfügbarkeit, tatsächliche Ausfallzahlen etc.) mit definierten Soll-Eigenschaften im Vertrag

Fundierte, sachliche Diskussion mit Dienstleistern über erbrachte Leistung (weg von subjektivem Eindruck)

Reporting & Benchmarking

Durchgängige Kennzahlen erlauben es, mehrere Standorte oder Anlagen vergleichbar zu machen

Portfolio-Steuerung: Schwachstellen identifizieren, interne Governance und Best-Practice-Abgleich

Wer diese Zusammenhänge kennt, kann Energiesparmaßnahmen und Kostenoptimierungen realistisch planen, ohne Sicherheit oder Komfort zu gefährden. Beispielsweise lässt sich durch einen intelligenten Stand-by-Modus der Stromverbrauch deutlich senken (in vielen Fällen um über 50–70%, indem Beleuchtung und Antriebe bei Nichtnutzung abgeschaltet oder gedrosselt werden). Ebenso kann das FM bewerten, ob die Fahrstrategie eher auf minimalen Energieverbrauch oder maximale Geschwindigkeit getrimmt ist – und je nach Priorität Anpassungen vornehmen.

Auf der Kostenseite trägt das Verständnis der Betriebseigenschaften dazu bei, Wartungsverträge an die tatsächliche Beanspruchung anzupassen (etwa höhere Wartungsfrequenz für einen stark genutzten Aufzug in einem öffentlichen Gebäude, im Gegensatz zu einem selten genutzten Lastenaufzug). Ein schonender Betrieb reduziert den Verschleiß von Komponenten wie Türantrieben, Seilen und Bremsen, was die Lebensdauer der Anlage verlängert und größere Ersatzinvestitionen hinauszögert. Auch im Sinne der Nachhaltigkeit (Schonung von Ressourcen und Energie) ist ein betrieblich optimierter Aufzug vorteilhaft – er verbraucht weniger Strom und Teile müssen seltener erneuert werden.

Bedeutung für Vertragsgestaltung, SLAs und Kennzahlensysteme

Wartungs- und Serviceverträge für Aufzugsanlagen werden in der Praxis oft anhand von allgemeinen Betriebseigenschaften gesteuert. Typische vertraglich vereinbarte Kennzahlen sind zum Beispiel: eine Mindest-Verfügbarkeit in Prozent, eine maximal zulässige Störungshäufigkeit pro Jahr, verbindliche Reaktions- und Reparaturzeiten bei Ausfällen, eine Obergrenze für Türstörungen oder die Anzahl erlaubter geplanter (und ungeplanter) Stillstände. Solche Kennzahlen bilden die Grundlage für Service Level Agreements (SLAs) und die Leistungsmessung des Servicepartners.

Die folgende Tabelle zeigt den Bezug einiger Vertrags- und Steuerungsfelder zu den betrieblichen Eigenschaften und den Nutzen für das FM:

Vertrags-/Steuerungsfeld

Bezug zu allgemeinen Eigenschaften

FM-Nutzen

SLAs / KPIs

z.B. Verfügbarkeit der Anlage in %, maximale Störungsrate, Reaktionszeit des Service bei Ausfall

Messbare Servicequalität und klare Erwartungshaltung an Dienstleister

Leistungsbewertung

Vergleich der Ist-Werte (tatsächliche Verfügbarkeit, tatsächliche Ausfallzahlen etc.) mit definierten Soll-Eigenschaften im Vertrag

Fundierte, sachliche Diskussion mit Dienstleistern über erbrachte Leistung (weg von subjektivem Eindruck)

Reporting & Benchmarking

Durchgängige Kennzahlen erlauben es, mehrere Standorte oder Anlagen vergleichbar zu machen

Portfolio-Steuerung: Schwachstellen identifizieren, interne Governance und Best-Practice-Abgleich

Ohne ein klares Verständnis davon, was eine „normale“ oder zu erwartende betriebliche Eigenschaft ist, lassen sich weder realistische SLAs definieren noch Abweichungen korrekt bewerten. Das FM muss also die technischen Möglichkeiten und branchenüblichen Werte kennen – etwa dass eine Verfügbarkeit von 99 % heute als guter Standard gilt (entspricht ca. 3-4 Tagen Ausfall im Jahr), oder dass bei einer älteren Anlage 5 Störungen pro Jahr noch im üblichen Rahmen liegen können. Auf dieser Basis können Verträge so gestaltet werden, dass sie ambitioniert aber erreichbar sind.

Gleichzeitig ermöglicht ein internes Kennzahlensystem, basierend auf den allgemeinen Betriebseigenschaften, eine fortlaufende Überwachung und Steuerung: Berichte zeigen, ob Dienstleister die vertraglichen Vorgaben einhalten, und ein Vergleich verschiedener Aufzüge kann Hinweise liefern, wo Optimierungsbedarf besteht. Letztlich schaffen klar definierte und gemessene Betriebskennzahlen Transparenz für alle Beteiligten – vom technischen Dienstleister bis zum Gebäudeeigentümer.

Bedeutung für Planung, Umbau und Modernisierung

Bei Neu- und Umbauprojekten sowie Modernisierungen von Aufzügen müssen frühzeitig Zielwerte für die allgemeinen betrieblichen Eigenschaften festgelegt werden. Das betrifft zum Beispiel die angestrebte Verfügbarkeit (wie ausfallsicher soll die neue Anlage sein?), maximal akzeptable Wartezeiten und Fahrzeiten, gewünschter Fahrkomfort (ruhiges Fahrverhalten, geringe Vibration) und das erlaubte Geräuschniveau im Betrieb. Hier bringt das Facility Management den Blick aus dem Betrieb ein: Wie soll sich die Anlage im Alltag verhalten, damit sie zur Gebäudenutzung, zur erwarteten Nutzerklientel und zur FM-Strategie passt?

In frühen Planungsphasen fließen solche Vorgaben idealerweise in Lastenhefte oder Leistungsbeschreibungen ein. Das FM kann beispielsweise definieren, dass in einem Verwaltungsneubau die mittlere Wartezeit der Aufzüge in der Rush-Hour maximal 30 Sekunden betragen darf, oder dass in einem Krankenhausumbau die Aufzüge so dimensioniert sein müssen, dass auch Spitzen im Bettenverkehr sicher und verzögerungsarm bewältigt werden. Ebenso können qualitative Ziele formuliert werden, etwa ein hoher Fahrkomfort (konkret messbar z.B. nach ISO 18738) oder bestimmte Schalldruckpegel, die nicht überschritten werden dürfen (um den Komfort in angrenzenden Räumen zu gewährleisten).

In Modernisierungsprojekten dient der Blick auf die bestehenden vs. die gewünschten betrieblichen Eigenschaften dem Soll-Ist-Abgleich. Das FM analysiert zunächst die Ist-Eigenschaften der alten Anlage: Beispielsweise könnte festgestellt werden, dass die Türen der Altanlage häufig Störungen verursachen und langsam schließen, was Wartezeiten verlängert und Nutzer frustriert. Werden diese Punkte in den Soll-Eigenschaften adressiert – etwa durch eine Türantrieb-Modernisierung mit modernen Sensorsystemen und optimierten Türzeiten – so kann der Erfolg der Investition später direkt an der Verbesserung dieser Kennzahlen gemessen werden. Ähnlich gilt: Zeigt die Analyse, dass der Fahrkomfort unzureichend ist (ruckartige Bewegungen), könnte ein Steuerungsupgrade oder der Einbau eines Frequenzumrichters vorgenommen werden, um sanftere Fahrprofile zu erzielen.

Durch dieses Vorgehen werden Investitionen nicht nur technisch begründet („Anlage ist alt“), sondern betrieblich: Man investiert gezielt, um definierte Verbesserungen in Verfügbarkeit, Leistung oder Komfort zu erreichen. Das Ergebnis sind Aufzugssysteme, die nach dem Umbau genau die Betriebsqualität liefern, die das Gebäude und seine Nutzer benötigen.

Insgesamt stellen die allgemeinen betrieblichen Eigenschaften das Gerüst dar, an dem sich eine professionelle FM-Governance für Aufzüge orientiert:

  • Sie bilden die Qualitätsdimensionen ab – etwa Sicherheit, Verfügbarkeit, Nutzerkomfort und Kosteneffizienz.

  • Sie sind die Grundlage für Kennzahlen, SLAs und Berichte, mit denen der Betrieb überwacht und gesteuert wird.

  • Sie verbinden Technik, Nutzung und Organisation – über alle Standorte und Objekte hinweg werden vergleichbare Maßstäbe gesetzt.

Ein Facility Management, das diese Eigenschaften bewusst definiert, laufend misst, systematisch auswertet und in Entscheidungen einfließen lässt, kann sein Aufzugsportfolio gezielt steuern. Es geht dann nicht mehr nur darum, die Anlage irgendwie „am Laufen zu halten“, sondern aktiv die Weichen zu stellen – hin zu höherer Betriebssicherheit und Verfügbarkeit, gesteigerter Nutzerakzeptanz und kontrollierten Lebenszykluskosten. Durch ein solches strategisches Vorgehen erfüllt der Betreiber zugleich seine gesetzlichen Pflichten: Die Transparenz und Dokumentation wichtiger Betriebsparameter unterstützt die Betreiberverantwortung gemäß TRBS 3121 und BetrSichV.

Kurzum: Die allgemeinen betrieblichen Eigenschaften eines Aufzugs dienen im FM als Steuerungsinstrument. Sie ermöglichen eine ganzheitliche Betrachtung der Anlage von der täglichen Nutzerebene bis zur langfristigen Investitionsplanung. So wird aus reaktivem Störungsmanagement eine vorausschauende, qualitätsorientierte Bewirtschaftung – zum Nutzen von Betreiber, Nutzern und der Sicherheit aller.