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Bedeutung ruhigen und besonnenen Verhaltens

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Bedeutung ruhigen und besonnenen Verhaltens

Ruhiges und gefasstes Verhalten in Aufzugssystemen als grundlegendes Sicherheitsprinzip

In Aufzugssystemen ist ein ruhiges, gefasstes Verhalten der Nutzer kein bloßer Ausdruck von Anstand, sondern ein zentrales Sicherheitsprinzip. Es beeinflusst maßgeblich den Verlauf von Betriebsstörungen, Stillständen und Befreiungsaktionen. Panik und unüberlegte Handlungen – beispielsweise das gewaltsame Öffnen von Türen, eigenmächtige Befreiungsversuche oder unkontrolliertes Drängen auf der Etage – erhöhen das Verletzungsrisiko, erschweren die Koordination der Helfer und verzögern die Behebung der Störung. Aus Facility-Management-Sicht trägt das Fördern eines ruhigen Verhaltens der Fahrgäste dazu bei, eingeschlossene Personen sicher zu betreuen, eine klare Kommunikation und kontrollierte Abläufe zu ermöglichen, die Aufzugstechnik vor Schäden durch unsachgemäße Eingriffe zu schützen und zugleich das Vertrauen der Nutzer in das Sicherheitsmanagement des Gebäudes aufrechtzuerhalten.

Ruhiges und gefasstes Verhalten im Aufzugbetrieb

Ruhiges Verhalten

Im Aufzugs-Kontext versteht man unter ruhigem Verhalten ein kontrolliertes, geduldiges Auftreten der Fahrgäste. Dies bedeutet, die Person spricht mit ruhiger Stimme, vermeidet hektische oder impulsive Bewegungen und befolgt gegebene Anweisungen diszipliniert. Sie verfällt nicht in Panik, sondern versucht, die Situation mit klarem Kopf zu überstehen. Auch in einer ungewohnten Stresslage bewahrt ein ruhig agierender Fahrgast weitgehend die Selbstkontrolle.

Gefasste Reaktion

Eine gefasste Reaktion bezeichnet ein strukturiertes, überlegtes Vorgehen in der Stresssituation. Anstatt kopflos zu agieren, geht man schrittweise und planvoll vor: zunächst die Lage einschätzen (z.B. prüfen, ob jemand verletzt ist oder was genau passiert ist), dann den Notruf absetzen bzw. Hilfe kommunizieren, anschließend ruhig abwarten und den Anweisungen der Helfer folgen, und schließlich relevante Informationen fortlaufend weitergeben oder aufnehmen (z.B. Rückmeldungen zum Zustand der Eingeschlossenen). Diese Abfolge „Situation erfassen → Hilfe rufen → abwarten und folgen → Rückmelden“ kennzeichnet ein gefasstes, planvolles Verhalten.

Panikgetriebenes Verhalten

Panikgetriebenes Verhalten meint durch Angst oder Unsicherheit ausgelöste Reaktionen, die unkontrolliert und riskant sind. Dazu zählen übereilte Fluchtversuche wie das Aufstemmen der Türen von innen, das Hinausklettern aus einer zwischen Stockwerken stehenden Kabine oder hektisches Tastendrücken und Schreien. Solche Handlungen werden von der Panik getrieben, erhöhen aber die Verletzungsgefahr erheblich – beispielsweise besteht Sturzgefahr, wenn man eigenmächtig auszusteigen versucht. Ebenso erschwert panisches Verhalten die Kommunikation mit den Helfern und kann die gesamte Rettungsaktion behindern oder verzögern.

Warum Aufzüge Stress verstärken

Aufzugssituationen können Stress und Angstgefühle besonders intensivieren. Mehrere Faktoren tragen dazu bei: Der Raum ist eng und geschlossen, was bei manchen Beklemmung oder Klaustrophobie auslöst. Man fühlt sich der Kontrolle beraubt – der Aufzug steckt fest und man selbst kann nichts dagegen tun. Dazu kommt oft eine verzerrte Zeitwahrnehmung: Schon wenige Minuten Stillstand fühlen sich deutlich länger an und steigern die Unruhe. Häufig spielen auch irrationale Ängste mit, etwa die Befürchtung, der Aufzug könnte abstürzen oder die Luft könnte knapp werden. Diese Umstände führen dazu, dass selbst besonnene Personen in einem steckengebliebenen Aufzug schneller nervös oder panisch reagieren als in weniger beengten Notlagen.

Typische Sorgen von Fahrgästen

Fahrgäste haben bei einem Aufzugsstillstand oft bestimmte Ängste und Sorgen. Häufig fürchten sie, der Aufzug könnte abstürzen oder ins Bodenlose fallen – obwohl moderne Sicherheitsbremsen das faktisch verhindern. Ebenso verbreitet ist die Angst, „keine Luft zu bekommen“ in der Kabine; tatsächlich sind Aufzüge aber belüftet, sodass keine Erstickungsgefahr besteht. Viele Eingeschlossene sorgen sich auch, vergessen zu werden oder lange ausharren zu müssen, ohne zu wissen, wann Hilfe kommt. Die Ungewissheit über die Dauer der Befreiung und die ungewohnte Enge treiben den Stresspegel in die Höhe. Insbesondere klaustrophobisch veranlagte Personen oder solche mit schlechten Vorerfahrungen reagieren in einer solchen Lage mit starker Unruhe oder Angst.

FM-Zielsetzung

Das Facility Management hat zum Ziel, diese subjektiv empfundenen Bedrohungsgefühle der Fahrgäste abzubauen und gleichzeitig ein objektiv sicheres Verhalten sicherzustellen. Konkret soll der Fahrgast erkennen, dass keine akute Lebensgefahr besteht, und Vertrauen fassen, dass professionelle Hilfe unterwegs ist. Durch klare Anweisungen (z.B. Hinweise im Aufzug oder Durchsagen des Personals) und beruhigende Rückmeldungen werden Betroffene angeleitet, nichts Unüberlegtes zu tun, sondern sich so zu verhalten, dass keine zusätzliche Gefahr entsteht. Kurz gesagt: Die FM-Abteilung möchte einerseits die Angst nehmen und andererseits für ein diszipliniertes Mitwirken am Rettungsablauf sorgen.

Einfluss des Fahrgastverhaltens auf die Reaktion

Das Verhalten der eingeschlossenen Personen wirkt sich direkt auf Effizienz und Sicherheit der Rettungsmaßnahme aus. Ruhige und kooperative Fahrgäste ermöglichen den Helfern, klare Informationen zu erhalten – etwa wie viele Personen betroffen sind und ob jemand medizinische Hilfe benötigt. Sie folgen den Anweisungen (z.B. „Bitte treten Sie alle einen Schritt zurück“), was eine geordnete Befreiung erleichtert. Dadurch lassen sich Sekundärunfälle vermeiden: Kein Passagier verletzt sich zusätzlich, was die Aktion sonst verkomplizieren würde. Umgekehrt erschwert panisches oder widersetzliches Verhalten die Hilfe: Wenn beispielsweise jemand versucht, eigenmächtig auszusteigen oder die Tür aufzubrechen, muss die Rettung unterbrochen werden und das Risiko für alle steigt erheblich. Ebenso kann lautes Schreien oder Chaos dazu führen, dass wichtige Durchsagen überhört werden. Ein zügiger, sicherer Verlauf der Störungsbeseitigung hängt daher maßgeblich davon ab, dass die Betroffenen ruhig bleiben und mitarbeiten.

Risikominderung

Besonnenes Verhalten der Fahrgäste senkt unmittelbar das Verletzungsrisiko. Wenn niemand in Panik versucht auszusteigen, besteht keine Gefahr, dass Personen durch einen Sturz in den Schacht oder zwischen Kabine und Etage zu Schaden kommen. Bleiben die Passagiere ruhig stehen oder sitzen, kommt es beim späteren Ausstieg seltener zu Stolpern oder Stürzen, da alle geordnet vorgehen können. Auch wird durch das Unterlassen riskanter Manipulationen (z.B. kein gewaltsames Öffnen der Türen) vermieden, dass Sicherheitseinrichtungen der Anlage außer Kraft gesetzt werden. Insgesamt führt Ruhe dazu, dass die Situation nicht zusätzlich gefährlich wird, sondern unter Kontrolle bleibt.

Koordinationsvorteil

Ein ruhiger Ablauf bringt erhebliche Vorteile für die Koordination der Hilfeleistung. Über die Gegensprechanlage oder Telefon können die Eingeschlossenen klare Auskunft geben (z.B. „Wir sind zu dritt, niemand ist verletzt“), was dem FM-Team und der Notrufzentrale ein genaues Lagebild ermöglicht. Umgekehrt kommen die Anweisungen und Beruhigungen der Helfer deutlich besser bei den Fahrgästen an, wenn diese ruhig zuhören, anstatt in Panik durcheinander zu rufen. Die Folge: Der Notdienst kann Prioritäten richtig einschätzen (etwa ob ein Rettungswagen erforderlich ist) und die Befreiungsmaßnahmen zielgerichtet einleiten. Auch die Abstimmung zwischen den Mitarbeitern vor Ort (Empfang/Sicherheit) und dem externen Service verläuft reibungsloser, solange die Situation nicht durch panische Zwischenfälle unterbrochen wird.

Eskalationskontrolle

Durch ruhiges Verhalten lässt sich zudem eine Eskalation des Vorfalls verhindern. Ein kurzzeitiger Aufzugsstillstand muss nicht zur Katastrophe werden – bleibt die Lage ruhig, bleibt es ein überschaubares technisches Problem. Panik hingegen kann einen an sich ungefährlichen Zwischenfall zu einem echten Notfall hochschaukeln: Wenn z.B. ein Passagier in Panik kollabiert oder sich bei eigenmächtigen Befreiungsversuchen verletzt, werden sofort medizinische Notmaßnahmen oder Feuerwehr-Einsätze nötig. Das bedeutet zusätzlichen Zeitverlust und potenziell erhöhte Gefahr für alle Beteiligten. Indem die Fahrgäste Ruhe bewahren, bleibt der Vorfall in kontrollierbaren Bahnen und erfordert meist keine weitergehenden Notfalleinsätze. Das FM-Team kann den Störfall routinemäßig abwickeln, ohne dass die Lage außer Kontrolle gerät.

Schutz der Anlage

Ruhiges Verhalten schützt nicht zuletzt die Aufzugseinrichtung vor Schaden. Häufig entstehen bei Aufzugsnotfällen Schäden, wenn Fahrgäste oder Umstehende in Panik gewaltsam eingreifen – z.B. Türen mit Kraft aufdrücken oder Gegenstände in die Tür klemmen. Dadurch können Türmechanismen, Verriegelungen oder Sensoren beschädigt werden, was im Anschluss kostspielige Reparaturen nach sich zieht. Wenn hingegen alle auf professionelle Hilfe warten und keine unsachgemäßen Versuche unternehmen, bleibt die Technik intakt. Die eintreffenden Fachkräfte können den Aufzug regelgerecht entriegeln und wieder in Betrieb nehmen, ohne dass zusätzliche Ausfälle durch Panikschäden auftreten. Für den Betreiber (Facility Management) bedeutet dies weniger Folgeschäden, kürzere Ausfallzeiten und damit eine höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Anlage.

Verhaltensrichtlinien-Matrix (Fahrgast „Tun / Nicht tun“ nach typischen Aufzugssituationen)

Nachfolgend ist eine Matrix mit Verhaltenshinweisen für Fahrgäste in gängigen Aufzugssituationen dargestellt.

Sie zeigt empfohlene „Do“-Maßnahmen (ruhiges, sicheres Verhalten) und kontraproduktive „Don’t“-Verhaltensweisen (risikosteigerndes Verhalten):

Situation

Tun (ruhiges, sicheres Verhalten)

Nicht tun (risikosteigerndes Verhalten)

Starker Andrang / Warteschlange

Geduldig warten; zuerst Aussteigende aus dem Aufzug lassen; geordnet und nacheinander einsteigen

Drängeln; Türen blockieren; die Kabine überladen

Tür fährt erneut auf / Verzögerung beim Schließen

Zurücktreten und den Türzyklus abwarten; Hinweise auf den Beschilderungen beachten

Türen mit Gegenständen blockieren; Türflügel gewaltsam festhalten oder aufdrücken

Stillstand mit Fahrgästen in der Kabine

Notruftaste betätigen bzw. Gegensprechanlage nutzen; in der Kabine bleiben; den Anweisungen der Zentrale folgen

Türen aufhebeln; eigenmächtig herauszuklettern versuchen; in Panik geraten oder hektisch handeln

Ungewöhnlicher Geruch oder Geräusch

Ruhig über die Notrufeinrichtung melden und die Rückmeldung abwarten

Ignorieren oder herunterspielen; in der Gruppe Unruhe stiften oder Druck aufbauen

Befreiung/Ausstieg mit externer Hilfe

Schrittweise den Anweisungen der Helfer folgen; vorsichtig und einzeln aussteigen

Hastig herausspringen; Lücken zwischen Kabine und Etage überspringen; andere unkontrolliert hinausziehen

Kleinere Störungen

Zu den kleineren Störungen zählen vorübergehende Unregelmäßigkeiten im Aufzugsbetrieb, die keine unmittelbare Gefahr darstellen. Beispielsweise kann die Kabine kurz anhalten oder verzögert reagieren, die Tür schließt eventuell langsamer oder fährt nach dem Schließen noch einmal auf, weil ein Sensor ausgelöst hat. In solchen Momenten ist es wichtig, dass die Fahrgäste Ruhe bewahren und nicht sofort in Panik verfallen. Oft reguliert sich eine kleine Störung in wenigen Augenblicken von selbst – der Aufzug setzt seine Fahrt fort oder die Tür schließt im zweiten Anlauf. Durch ruhiges Verhalten (z.B. einen Moment abwarten, nicht hektisch alle Knöpfe drücken) bleibt die Situation überschaubar, und andere Fahrgäste werden nicht unnötig beunruhigt. Sollte der Betrieb sich nicht von allein fortsetzen, kann immer noch geordnet die Notruftaste gedrückt werden. Entscheidend ist, dass aus einer kleinen technischen Unregelmäßigkeit nicht durch ungeduldiges Verhalten ein unnötiger Alarm oder eine Panik entsteht.

Stillstand/Einschluss

Der klassische Notfall ist der vollständige Stillstand des Aufzugs mit eingeschlossenen Personen. Hier ist ruhiges Verhalten von höchster Bedeutung. Die Betroffenen müssen womöglich einige Minuten bis zu einer halben Stunde im Fahrstuhl ausharren, bis Hilfe eintrifft. Diese Wartezeit lässt sich nur sicher und erträglich überbrücken, wenn keine Panik aufkommt. Fahrgäste sollten nach Betätigung des Notrufs in der Kabine bleiben, tief durchatmen und sich möglichst beruhigen oder ablenken (z.B. ruhig miteinander sprechen, falls mehrere Personen anwesend sind). Sie können darauf vertrauen, dass moderne Aufzüge nicht abstürzen und genügend Luft vorhanden ist. Jede Form von Hektik verlängert subjektiv die Wartezeit und steigert die Anspannung. Ein gefasstes Verhalten hingegen sorgt dafür, dass die Minuten bis zur Befreiung ohne Zwischenfall verstreichen und alle unverletzt aussteigen können, sobald die Türen durch Fachpersonal geöffnet werden.

Stromunterbrechung

Eine besondere Stresssituation ist ein Stromausfall, der den Aufzug abrupt zum Stillstand bringt. Schlagartig gehen die normalen Lichter aus; allerdings schaltet sich innerhalb von Sekunden die Notbeleuchtung ein, sodass niemand in völliger Dunkelheit steht. Hier ist es entscheidend, Ruhe zu bewahren und zu wissen, dass auch die Notrufanlage batteriegestützt weiterfunktioniert. Das Facility Management stellt durch regelmäßige Prüfungen sicher, dass der Notruf-Akku intakt ist, sodass selbst bei einem kompletten Gebäude-Stromausfall Hilfe angefordert werden kann. Fahrgäste sollten also nicht in Panik geraten, sondern wie gewohnt den Alarmknopf drücken und auf Antwort warten – auch wenn das restliche Gebäude dunkel ist. Ein ruhiges Verhalten verhindert zudem gefährliche Aktionen: Man darf keinesfalls versuchen, in diesem Zustand die Türen manuell zu öffnen, denn es ist unklar, in welcher Höhe die Kabine steht und ob der Strom unvermittelt zurückkehrt. Indem die Eingeschlossenen besonnen bleiben, können die Helfer auch in dieser Ausnahmesituation geordnet reagieren (z.B. Notstrom oder Generator einleiten oder die Feuerwehr alarmieren), ohne dass zusätzliche Risiken entstehen.

Menschenansammlung vor dem Aufzug

Auch die Situation außerhalb der Kabine – etwa auf dem betroffenen Stockwerk – kann das Geschehen beeinflussen. Wenn sich vor der Aufzugstür besorgte Kollegen, Familienangehörige oder neugierige Schaulustige versammeln, entsteht zusätzlicher Druck. Das Facility Management bzw. der Sicherheitsdienst muss hier ruhig und bestimmt agieren: Die Wartenden sollten beruhigt und auf Abstand gehalten werden, um keine Unruhe nach innen zu übertragen. Eine ungeduldige Menschenansammlung, die vielleicht sogar eigenmächtig helfen will (z.B. Türen aufziehen), kann die Lage verschlimmern. Deshalb ist es wichtig, dass auch außerhalb der Kabine eine ruhige Atmosphäre gewahrt bleibt. Idealerweise spricht eine verantwortliche Person (z.B. der Sicherheitsmitarbeiter) zu den Umstehenden, erklärt, dass Hilfe unterwegs ist, und bittet darum, keine Eingriffe vorzunehmen. So wird verhindert, dass Panik von außen nach innen dringt oder dass durch unkoordinierte Aktionen zusätzliche Gefahr entsteht.

Schutzbedürftige Fahrgäste an Bord

Sind unter den eingeschlossenen Personen besonders schutzbedürftige Fahrgäste – etwa Kinder, ältere Menschen, Personen mit Mobilitätseinschränkungen oder mit gesundheitlichen Problemen – gewinnt ruhiges Verhalten nochmals an Bedeutung. Diese Gruppen reagieren oft empfindlicher auf Stress: Kinder können in Tränen ausbrechen, Ältere könnten Kreislaufprobleme bekommen, und jemand mit starker Angststörung gerät schneller in Panik. In solchen Fällen müssen sowohl die Mitfahrer als auch die Helfer darauf achten, eine beruhigende Umgebung zu schaffen. Zum Beispiel kann ein ruhiger erwachsener Begleiter ein verängstigtes Kind ablenken oder besänftigen. Das FM-Personal wird bei Kenntnis solcher Umstände priorisiert reagieren (etwa sofort einen Notarzt informieren, wenn jemand angibt, dringend Medikamente zu brauchen). Entscheidend ist, dass keine hektische Stimmung entsteht, da sich diese auf die vulnerableren Personen überträgt und deren Zustand verschlechtern könnte. Ein gelassener, einfühlsamer Umgang schützt diese Fahrgäste und stellt sicher, dass sie die Wartezeit ohne gesundheitliche Folgen überstehen.

Primäre Kanäle

Im Aufzugsnotfall stehen mehrere Kommunikationswege zur Verfügung, um Informationen auszutauschen und die Fahrgäste zu beruhigen. Der wichtigste Kanal ist die im Fahrkorb eingebaute Notrufeinrichtung – meist ein Alarmknopf mit Gegensprechanlage, der beim längeren Drücken automatisch eine Sprechverbindung zu einer ständig besetzten Stelle herstellt (per Gesetz müssen heute alle Aufzüge über ein 24/7-Zweiwege-Kommunikationssystem verfügen). Darüber hinaus gibt es oft eine Verbindung zum Empfangs- oder Sicherheitspersonal im Gebäude: In manchen Anlagen wird der Notruf direkt an eine Pförtnerloge geleitet, oder ein Alarmton macht das Wachpersonal aufmerksam. Auch ein FM-Helpdesk oder eine Leitwarte kann involviert sein, insbesondere in größeren Objekten; dort laufen Störungsmeldungen zentral auf und werden an den technischen Dienst weitergegeben. Nicht zuletzt spielt die direkte Ansprache vor Ort eine Rolle: Ein Mitarbeiter (z.B. Haustechniker oder Sicherheitsdienst) begibt sich zur betroffenen Etage und spricht durch die geschlossene Tür mit den Eingeschlossenen, um ihnen Nähe und Unterstützung zu signalisieren. All diese Kanäle – ob fernmündlich über die Notrufzentrale oder persönlich am Ort – dienen dazu, den Kontakt zu halten und die Fahrgäste laufend zu informieren.

Mindestinhalte, die ruhiges Verhalten unterstützen

Damit Fahrgäste in der Aufzugskabine ruhig bleiben, muss die Kommunikation einige Kerninhalte vermitteln. Erstens ist eine umgehende Bestätigung wichtig: Die Eingeschlossenen sollen wissen, dass ihr Notruf angekommen ist und Hilfe organisiert wird. Allein dieses „Wir wissen, dass Sie da sind“ nimmt viel Angst. Zweitens müssen klare Verhaltensanweisungen gegeben werden, um unsichere Handlungen zu verhindern – etwa der Hinweis: „Bitte bleiben Sie in der Kabine und versuchen Sie nicht, die Türen selbst zu öffnen.“ Drittens sollte kurz die Lage erfragt bzw. eingeschätzt werden (z.B. „Gibt es Anzeichen von Rauch oder ist jemand verletzt?“); dies hilft, mögliche Risiken früh zu erkennen. Viertens ist Transparenz über das weitere Vorgehen wichtig: Die Betroffenen sollten erfahren, welcher Schritt als Nächstes erfolgt (z.B. „Ein Techniker ist verständigt“) und wie lange es ungefähr dauern könnte bzw. in welchem Rhythmus Updates gegeben werden („Wir melden uns alle 5 Minuten bei Ihnen“). Abschließend ist kontinuierliche Rückversicherung essenziell: Die Helfer sollten immer wieder versichern, dass die Situation unter Kontrolle ist und man die Personen nicht alleine lässt. Diese Elemente – Bestätigung, Anleitung, Lagecheck, Info zum Ablauf und Beruhigung – ergeben zusammen eine Botschaft, die das Ruhebewahren unterstützt.

Konsistenzprinzip

Wichtig bei der Kommunikation ist auch die Konsistenz der Informationen. Die eingeschlossenen Personen sollten eine einheitliche Botschaft erhalten und nicht durch widersprüchliche Aussagen verwirrt werden. Im FM-Einsatz bedeutet das: Idealerweise gibt es einen hauptverantwortlichen Ansprechpartner, der mit den Fahrgästen spricht (z.B. der Mitarbeiter der Notrufzentrale oder ein Sicherheitsbediensteter vor Ort), während andere Beteiligte sich im Hintergrund abstimmen. So werden Doppel- oder Gegensignale vermieden. Kein Helfer sollte den Betroffenen etwas anderes sagen als ein anderer. Beispielsweise könnte widersprüchliche Kommunikation – etwa wenn der Sicherheitsdienst vor Ort „in 5 Minuten kommt jemand“ verspricht, während die Zentrale von 15 Minuten spricht – Misstrauen oder Unruhe auslösen. Eine konsistente Kommunikation stellt sicher, dass die Fahrgäste genau wissen, woran sie sind, und sich auf die Ansagen verlassen können.

Grundstruktur einer beruhigenden Notfall-Kommunikation: (Schritte, Ziel und Kerninhalt der Ansprache)

Schritt

Zweck

Grundabsicht (Inhalt der Botschaft)

Bestätigen

Angst reduzieren

Den Eingeschlossenen bestätigen, dass ihr Notruf angekommen ist und Hilfe organisiert wird.

Absichern

Unsichere Handlungen verhindern

Anweisen, in der Kabine zu bleiben und keine eigenmächtigen Versuche (z.B. Tür öffnen) zu unternehmen.

Erkundigen

Risiko einschätzen

Nach dem Befinden fragen: Gibt es Verletzungen, Rauch oder medizinische Probleme?

Informieren

Erwartungen steuern

Erklären, was als Nächstes passiert, und ankündigen, wann mit weiteren Updates zu rechnen ist.

Beruhigen

Kooperation aufrechterhalten

Versichern, dass die Lage unter Kontrolle ist, und fortlaufenden Kontakt bis zur Befreiung zusagen.

Standard im Mitarbeiterverhalten

Für das Personal im Facility Management gelten in Aufzugsnotfällen definierte Verhaltensstandards. Mitarbeiter, die mit eingeschlossenen Personen oder aufgeregten Anwesenden sprechen, sollen selbst eine ruhige, gefasste Haltung bewahren. Die Stimme bleibt ruhig und freundlich, die Sätze kurz und klar formuliert. Hektik oder Unsicherheit in der Stimmlage sind zu vermeiden, denn die Fahrgäste orientieren sich am Auftreten der Helfer. Ein kontrolliertes Sprechtempo und ein souveräner Ton („ruhige Autorität“) vermitteln Sicherheit und Kompetenz. Dadurch fühlen sich die Eingeschlossenen gut aufgehoben und neigen weniger dazu, in Panik zu verfallen. Dieses besonnene Auftreten des Personals ist Teil der Sicherheitskultur im FM und wird entsprechend eingeübt und geschult.

Rollenabstimmung: Bei einem Aufzugsvorfall ist es wichtig, dass alle Beteiligten ihre Rollen klar wahrnehmen, um die Lage übersichtlich zu halten. In der Praxis heißt das: Eine Person übernimmt die Kommunikation mit den eingeschlossenen Fahrgästen (häufig die Notrufzentrale bzw. deren Mitarbeiter, alternativ ein Sicherheitsmitarbeiter vor Ort), während eine andere Person im Hintergrund die Einsatzkoordination steuert. Die koordinierende Stelle (z.B. der diensthabende Facility Manager oder die Leitwarte) sorgt dafür, dass der Wartungsdienst alarmiert und eingewiesen wird, und hält Rücksprache mit der kommunizierenden Person, um Informationen auszutauschen. Gleichzeitig kümmert sich ggf. weiteres Personal um das Umfeld – etwa der Sicherheitsdienst, der den Bereich vor dem Aufzug absperrt und Schaulustige fernhält. Diese klare Aufgabenteilung verhindert Chaos: Die Eingeschlossenen bekommen konsistente Ansagen von einer Stelle, der Koordinator behält den Überblick, und der Helfer vor Ort kann sich auf die Betreuung der Personen konzentrieren. Insgesamt stellt die Rollenverteilung sicher, dass parallel alle nötigen Maßnahmen laufen, ohne Zuständigkeitslücken oder widersprüchliche Aktionen.

Operative Maßnahmen zur Unterstützung ruhigen Verhalten

Das Facility Management setzt auch organisatorische und bauliche Vorkehrungen ein, um in Notfällen ruhiges Verhalten zu begünstigen. So werden in jeder Aufzugskabine gut sichtbare Hinweisschilder angebracht, die im Ernstfall das richtige Verhalten vorgeben (etwa: „Im Störungsfall Ruhe bewahren und Notruftaste drücken – Sprechverbindung wird umgehend hergestellt“). Solche Aushänge erinnern die Fahrgäste im Stressmoment an die richtigen Schritte. Außerdem wird darauf geachtet, dass Notruftelefone oder -knöpfe eindeutig gekennzeichnet und jederzeit funktionstüchtig sind (regelmäßige Tests), damit im Ernstfall sofort eine Verbindung hergestellt werden kann. Ein weiterer Aspekt ist die transparente Notfallplanung: Das FM legt fest, wie oft die Eingeschlossenen ein Update erhalten (z.B. alle 5 oder 10 Minuten eine kurze Rückmeldung über die Gegensprechanlage), damit sie nicht im Ungewissen bleiben. Diese Verlässlichkeit – das Wissen, dass sich laufend jemand meldet – trägt wesentlich zur Beruhigung bei. Nicht zuletzt werden praktische Vorkehrungen getroffen wie das Bereithalten von Schlüsseln für Technikräume oder das Freihalten von Anfahrtswegen für Rettungskräfte, um Verzögerungen zu vermeiden. All dies sind Maßnahmen, die sicherstellen, dass im Notfall möglichst wenig Ungewissheit und unnötiges Warten entsteht – was den Fahrgästen das Ruhebewahren deutlich erleichtert.

Grundschulungs-Schwerpunkte

Die Thematik „ruhiges Verhalten im Aufzug-Notfall“ wird auch in Schulungen und Unterweisungen aufgegriffen. Zum einen schult das Facility Management die eigenen Mitarbeiter (Empfangskräfte, Sicherheitsdienst, Haustechniker) in Kommunikationstechniken für Notfälle: Sie lernen, klar und beruhigend zu sprechen, auf panische Personen einzugehen und deeskalierend zu wirken. Typische Szenarien werden geübt, sodass im Ernstfall Routinen greifen (z.B. welche Informationen zuerst zu übermitteln sind). Zum anderen werden gemäß TRBS 2181 auch die Aufzugsnutzer eines Gebäudes regelmäßig unterwiesen, wie sie sich im Notfall verhalten sollen. Beschäftigte lernen dabei, dass sie im Aufzug-Notfall Ruhe bewahren, den Alarmknopf betätigen und auf Hilfe warten sollen – statt eigenmächtig zu versuchen, sich zu befreien. Solche Unterweisungen – oft jährlich oder beim Einzug – stellen sicher, dass möglichst viele Nutzer die Grundregeln kennen. Darüber hinaus umfasst die Schulung des Personals auch den Umgang mit Umstehenden: z.B. wie man eine aufgebrachte Person, die draußen wartet, beruhigt oder wie man im Ernstfall Schaulustige abhält. Insgesamt zielen Aus- und Weiterbildung darauf ab, im gesamten Ablauf Professionalität und Ruhe zu gewährleisten.

Rollenübersicht (Beispiele):

Rolle (typisch)

Verantwortung im Hinblick auf ruhiges Verhalten

Empfang/Sicherheitsdienst

Übernimmt den ersten Kontakt mit den Eingeschlossenen; erteilt ruhige, klare Anweisungen. Beruhigt und informiert ggf. wartende Angehörige oder Umstehende am Aufzugsstandort und verhindert unbefugte Eingriffe (z.B. kein manuelles Türöffnen durch Dritte).

FM-Leitstelle/Bereitschaft

Koordiniert den Vorfall intern; leitet den Notruf an den Wartungsdienst weiter und stellt die Kommunikation zwischen allen Beteiligten sicher. Hält den festgelegten Rückmelde-Rhythmus ein und initiiert ggf. eine Eskalation (z.B. Feuerwehr oder Notarzt rufen) bei besonderen Gefahren.

Wartungsdienst (Aufzugsfirma)

Übernimmt die fachgerechte Personenbefreiung. Gibt über die Notrufzentrale oder vor Ort Anleitungen für die Befreiungsmaßnahmen und führt diese kontrolliert durch. Arbeitet ruhig und routiniert, um keine zusätzliche Panik auszulösen.

Notdienste (Feuerwehr/Rettung)

Werden bei akuten Gefahren oder medizinischen Notfällen hinzugezogen. Übernehmen dann die Einsatzleitung und sorgen mit professioneller Ruhe für die rasche Rettung und medizinische Betreuung der Betroffenen.

Sofortige Warnsignale

Trotz aller Bemühungen um einen ruhigen Ablauf gibt es Situationen, in denen unvermittelt auf Notfallmodus umgestellt werden muss. Solche roten Flaggen sind z.B.: Ein Fahrgast ist offensichtlich verletzt (etwa durch einen Sturz in der Kabine) oder verliert das Bewusstsein; jemand erleidet einen schweren Panikanfall oder medizinischen Notfall (z.B. akute Herzbeschwerden) während des Einschlusses; oder es wird Rauch, Brandgeruch bzw. Feuer wahrgenommen. In diesen Fällen hat die Sicherheit absoluten Vorrang – das übliche beruhigende Abwarten reicht nicht mehr aus. Das FM-Personal oder die Notrufzentrale alarmiert umgehend die Rettungskräfte (Rettungsdienst bzw. Feuerwehr, je nach Lage). Die Kommunikation mit den Eingeschlossenen bleibt zwar ruhig, aber die Botschaft ändert sich: Man kündigt an, dass jetzt unverzüglich externe Hilfe (Notarzt/Feuerwehr) kommt und ggf. spezielle Anweisungen folgen. Bei Rauch oder Feuer würde man z.B. raten, möglichst ein Kleidungsstück vor Mund und Nase zu halten und sich am Boden aufzuhalten, bis die Feuerwehr eintrifft. Diese Fälle erfordern ein schnelles Umschalten von reiner Beruhigung auf eine aktive Notfallrettung.

Kommunikationsausfall

Ein weiterer Eskalationsgrund ist der Ausfall der Kommunikation. Wenn nach Auslösen des Notrufs keine Rückmeldung von den eingeschlossenen Personen erfolgt – etwa weil die Gegensprechanlage defekt ist oder niemand antwortet – muss vom schlimmsten Fall ausgegangen werden. Möglicherweise ist eine Person ohnmächtig oder in akuter Not. In dieser Situation wird sofort hochgestuft: Das FM alarmiert unverzüglich die Feuerwehr, damit der Aufzug schnellstmöglich geöffnet wird. Selbst wenn sich der Alarm später als Fehlfunktion herausstellt, geht hier Sicherheit vor. Die Helfer vor Ort versuchen zwar noch, auf anderem Wege Kontakt aufzunehmen (z.B. Rufen oder Klopfen), aber bei anhaltender Funkstille gilt der Grundsatz, lieber eine Rettungsaktion einzuleiten als wertvolle Zeit zu verlieren. Für das FM bedeutet dies auch, eine Störung an der Notrufeinrichtung zu dokumentieren und umgehend zu beheben, da eine funktionierende Kommunikation essenziell ist.

Umgebungsgefahren

Auch externe Gefahrenquellen können bewirken, dass aus einer normalen Aufzugshilfe ein Notfalleinsatz wird. Dazu gehört z.B. eindringendes Wasser im Schacht oder Maschinenraum – etwa durch Hochwasser oder einen Rohrbruch. Wasser und Aufzugstechnik sind eine gefährliche Kombination (Stromschlag- und Ausfallrisiko), sodass in so einem Fall ebenfalls die Feuerwehr hinzugezogen werden muss, um die Personen zügig zu befreien und die Anlage außer Betrieb zu nehmen. Ähnlich verhält es sich bei Brandgefahr: Wenn im Gebäude ein Feueralarm ausgelöst wurde oder Rauch in der Nähe des Aufzugs bemerkt wird, darf keine Zeit verloren gehen. Die eingeschlossenen Personen befinden sich dann potenziell in Lebensgefahr, und die Feuerwehr übernimmt sofort die Rettung. Das FM-Team koordiniert in solchen Szenarien parallel die Gebäudeevakuierung und stellt den Einsatzkräften alle relevanten Informationen bereit (Position des Aufzugs, Anzahl Personen etc.). Grundsätzlich gilt: Sobald die Umgebungslage gefährlich wird (Feuer, Wasser, andere akute Risiken), wird das ruhige Abwarten abgebrochen und eine professionelle Notfallrettung eingeleitet.

Dauer und Verschlimmerung

Schließlich gibt es Eskalationen aufgrund der Dauer des Vorfalls und des Zustands der Eingeschlossenen. Obwohl angestrebt wird, innerhalb von ca. 30 Minuten eine Befreiung durchzuführen, kann es in Ausnahmefällen länger dauern – z.B. wegen Verkehrsproblemen für den Techniker oder besonders komplexen technischen Defekten. Mit zunehmender Wartezeit steigt die Belastung der Fahrgäste: Die Luft kann wärmer oder stickiger werden (besonders in voll besetzten oder verglasten Aufzügen bei Hitze), die Geduld schwindet und die psychische Anspannung nimmt zu. Wenn das FM erkennt, dass die Wartezeit unzumutbar wird oder sich der Zustand der Personen verschlechtert (z.B. jemand entwickelt Paniksymptome oder Kreislaufprobleme), muss die Lage neu bewertet werden. Gegebenenfalls wird dann doch die Feuerwehr alarmiert, obwohl man zunächst ohne sie auskommen wollte – einfach um die Befreiung zu beschleunigen. Auch können zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, etwa über Lüftungsöffnungen kühlere Luft zuzuführen oder häufiger mit den Personen zu sprechen, um sie zu beruhigen. Die Faustregel lautet: Sobald aus einem kontrollierten Warten ein kritisch werdender Zustand wird, greift der übergeordnete Notfallplan. Das FM stellt dann sicher, dass alle nötigen Stellen eingeschaltet werden, damit niemand aufgrund einer langen Wartezeit zu Schaden kommt.