Technische, organisatorische und rechtliche Anforderungen an den sicheren Betrieb von Aufzugsanlagen Aufzugsanlagen sind sicherheitsrelevante Betriebsmittel mit direktem Einfluss auf den Schutz von Menschen, Sachwerten und Betriebsabläufen. Ihre Funktion muss jederzeit zuverlässig, regelkonform und dokumentiert gewährleistet sein – sowohl im Personen- als auch im Lastbetrieb. Sicherheit im Aufzugsmanagement umfasst daher nicht nur die technische Ausführung, sondern auch die Organisation der Prüf-, Wartungs- und Überwachungsprozesse, die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen, die Integration in das Facility Management und die Vermeidung von Betriebsrisiken durch frühzeitige Erkennung und strukturierte Instandhaltung.
Sicherheit im Aufzugsbetrieb ist kein Zustand, sondern ein laufender Managementprozess. Nur durch technische Systemverantwortung, rechtssichere Dokumentation und vorausschauende Betriebsorganisation lassen sich Risiken vermeiden, Betreiberpflichten erfüllen und Nutzer schützen.
BetrSichV – Betriebssicherheitsverordnung Aufzüge gelten als überwachungsbedürftige Anlagen nach § 2 Abs. 30
Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung vor Inbetriebnahme und bei Änderungen
Prüfpflicht durch zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) gemäß § 15
Organisation der Instandhaltung, regelmäßige Prüfung und Dokumentation
TRBS 3121 – Nutzungssichere Bereitstellung von Aufzugsanlagen Anforderungen an technische Ausstattung und betriebliche Maßnahmen
Regelungen zur Notrufeinrichtung, Unterweisung und Verhalten bei Störung
Gefährdungen durch Nutzung, Brand, Ausfall, mechanische Mängel
DIN EN 81-Reihe EN 81-20 / 81-50: Sicherheitsregeln für Konstruktion und Einbau von Personen- und Lastenaufzügen
EN 81-28: Fernnotrufsysteme
EN 81-70: Barrierefreiheit und Sicherheit für Nutzer mit Einschränkungen
EN 13015: Instandhaltung von Aufzügen – Dokumentation, Qualität, Personalqualifikation
VDI-Richtlinien / VDMA / DGUV VDI 3810 Blatt 6: Betreiberverantwortung für Aufzugsanlagen
DGUV Vorschrift 3: Prüfung elektrischer Betriebsmittel
VDMA-Empfehlungen zur Vertragsgestaltung und Steuerung von Wartungsfirmen
Notrufsysteme Verpflichtend für alle Personenaufzüge
Verbindung zu ständig besetzter Stelle (24/7)
Prüfung durch ZÜS, Sichtkontrolle durch Betreiber
Fangvorrichtungen und Geschwindigkeitsbegrenzer Türsicherungssysteme Verriegelung bei Fahrkorbbewegung
Lichtschranken oder berührungslose Sensorik
Abschaltung bei Blockade oder Fehlfunktion
Brandschutzmaßnahmen Rückführung der Kabine in Brandfallposition
Rauchmelder in Fahrschacht oder Maschinenraum
Anbindung an Gebäudeleittechnik oder Brandmeldeanlage
Notbeleuchtung und Sicherheitsstromversorgung Notlicht im Fahrkorb gemäß EN 81-20
Funktionserhalt bei Stromausfall
Batterie- oder Notstrombetrieb mit Mindestbetriebsdauer
Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung Erstbeurteilung vor Inbetriebnahme
Regelmäßige Aktualisierung bei Umbau, Nutzungsänderung oder Störungen
Betriebsanweisung für Aufzugsnutzer und Reinigungskräfte
Aushangpflicht im Gebäude
Wartung und Instandhaltung Wartung durch qualifizierte Fachfirma mit dokumentierten Wartungsplänen
Prüfung der Sicherheitseinrichtungen, Funktionstests, Schmierung, Reinigung
Sofortmaßnahmen bei Mängeln, Rückmeldung an Betreiber
Prüfungen durch ZÜS (z. B. TÜV, DEKRA): Wiederkehrende Hauptprüfung (alle 2 Jahre)
Zwischenprüfung (jährlich)
Prüfprotokoll, Mängelbericht, Behebung und Freigabe durch Betreiber
Notrufmanagement und Personenbefreiung Organisation der Interventionskette
Schulung des Sicherheitspersonals oder externer Dienstleister
Dokumentation der Befreiungszeiten
Anbindung an Gefahrenmanagementsystem oder Leitstelle
CAFM-Integration Verwaltung der Aufzugsdaten, Wartungsverträge, Prüffristen
Mangelverfolgung, Störungstickets, Eskalationssteuerung
Verknüpfung mit Gebäudeplänen, Anlagenkennzeichnung, Betreiberverantwortung
Sicherheits- und Notfallmanagement Einbindung der Aufzüge in Notfall-, Räumungs- und Evakuierungskonzepte
Abstimmung mit Feuerwehr, Brandschutz, Leitstelle
Berücksichtigung von Aufzugsfunktionen in Alarmierung und Räumung
Umwelt- und Energiemanagement Erfassung von Energieverbrauch der Aufzugsanlagen
Bewertung der Modernisierungsbedarfe im Kontext von ESG und CO2-Zielen
Maßnahmen zur Effizienzsteigerung (z. B. LED, regenerative Bremsenergie, Steuerungsmodernisierung)
Herausforderungen: Mangelhafte oder veraltete Dokumentation
Fehlende Verantwortlichkeitszuordnung im Betrieb
Nicht durchgeführte oder falsch dokumentierte Prüfungen
Unzureichendes Notruf- und Interventionsmanagement
Intransparente Wartungsverträge mit unklarem Leistungsumfang
Empfehlungen: Aufbau eines strukturierten Aufzugsregisters im CAFM-System
Prüfung aller Betreiberpflichten nach VDI 3810-6 und TRBS 3121
Erstellung einer Prüf- und Wartungsmatrix mit Eskalationslogik
Abschluss eines qualitätsgesicherten Wartungsvertrags mit SLA
Integration der Aufzugsanlagen in das digitale Sicherheits- und Umweltmanagement